Nachtarbeit Vom Dienst direkt in die Disko

Klaus Machowetz legt im Dancing Park Palazzo in Freiberg Partymusik auf.
Klaus Machowetz legt im Dancing Park Palazzo in Freiberg Partymusik auf. © Foto: Martin Kalb
Gabriele Szczegulski 01.10.2018

Klaus Machowetz ist tagsüber Vollzugsbeamter auf der Krankenstation der Vollzugsanstallt Stammheim. Mitwochs, freitags und samstags legt er Musik auf. Der 55-Jährige ist DJ im Dancing Park Palazzo in Freiberg. „Im Vollzugsdienst muss ich auch immer wieder Nachtdienste schieben, da lernt man, wach zu bleiben“, sagt der Asperger, „aber der Nachtdienst im Palazzo macht mir mehr Spaß, es ist unterhaltsamer und alles andere als langweilig“. Machowetz, der in einem Gebäude des Gefängnisses Hohenasperg geboren wurde, weil sein Vater dort als Vollzugsbeamter arbeitete und die Familie dort wohnte, mag seinen Beruf zwar auch, aber in seinem Hobby, dem DJing findet er seine Erfüllung.

Auf dem Hohenasperg lernte er auch seinen Beruf zum Vollzugsbeamten, später absolvierte er an der damals auf dem Hohenasperg beheimateten Krankenpflegeschule die Zusatzausbildung zum Krankenpfleger. In dem Haus, in dem Machowetz geboren wurde, ist mittlerweile ein Museum eingerichtet worden.

Zum Musik auflegen ist er durch seine Liebe, selbst tanzen zu gehen, gekommen. „Ich war 20 Jahre lang Taxi-Tänzer, auch im Palazzo“, sagt er. Ein Taxi-Tänzer wird von den Diskobetreibern engagiert, Damen zum Tanz aufzufordern. „Diskofox ist meine Welt, ich tanze super gerne.“ Immer mittwochs und das seit zehn Jahren ohne einen Fehltag legt Machowetz im Palazzo Fox-Musik auf für den dort ab 19 Uhr stattfindenden Diskofox-Tanzkurs. „Während meiner Zeit als Taxi-Tänzer habe ich oft den DJs über die Schulter geschaut, bis ich gefragt wurde, ob ich es auch mal machen will.“ Das tat er denn auch und macht es nun seit drei Jahren.

Vor 6 Uhr nicht zu Hause

Um 21.30 Uhr beginnt sein Dienst in der Diskothek von Ekkehard Menninger und vor 6 Uhr morgens kommt er nicht nach Hause. Mittwochs ist Diskofox-Zeit, da beginnt das Musik auflegen schon um 19 Uhr. „Da gehe ich oft direkt vom Dienst in die Disko“. Denn die Vorbereitung dauert: Machowetz bringt seine Musikanlage und seinen Labtop mit 90 000 Musiktiteln selbst mit. Er ist im Palazzo vor allem für die Partymusik, die Ballermann-Athmosphäre und die Rockklassiker im kleineren Dancefloor, dem Cherrys, zuständig. Wenn andere schlafen gehen, so gegen 23/24 Uhr, dann beginnt für Klaus Machowetz der Betrieb erst. Die erste Stunde sei die schwierigste, da „muss ich die Gäste lesen“, will heißen, herausfinden, was sie gerne für Musik hören wollen. Wenn ihm das gelingt, „dann sind die Gäste auf Hochtouren“, sagt er.

„Volle Konzentration“ sei gefordert, um sensibel herauszufinden, welche Musik gerade passe. Streits müssen zu fortgeschrittener Stunde eventuell geschlichtet werden. zwischen den teilweise stark betrunkenen Gästen, das sei meist eine sehr schwierige Situation, es könne auch eskalieren. „Es gibt zwar einen Knopf in meinem DJ-Stand, wenn ich den drücke, kommt der Sicherheitsdienst, aber ich probiere es erst mal auf meine Weise“, und die ist die Vorgehensweise, die er auch im Knast benutzt: „Deeskalation und Kommunikation, keine körperliche Gewalt“. Auch die Sensibilität, Konzentration und Aufmerksamkeit habe er in seinem Job als Krankenpfleger im Gefängnis gelernt: „Man muss ständig in Bereitschaft sein, das ist auch in der Disko nicht anders.“

Alkohol während seiner DJ-Tätigkeit ist für ihn deshalb tabu. Zwei Tassen Kaffee verteilt er auf die Nacht, ansonsten trinkt er Cola und Wasser. „Ich muss mich nicht wachhalten, das Auflegen macht mir soviel Spaß, da bin ich voll bei der Sache.“ Vor dem Dienst in der Disko isst er im Palazzo was, meist Schnitzel mit Pommes, während seiner Tätigkeit nicht. „Während des Auflegens komme ich nicht dazu, ich mache keine Pause, die ganze Nacht nicht, wenn ich auf die Toilette muss, lege ich ein etwas längeres Stück über vier Minuten auf“, sagt er. Zum Glück, so Machowetz, darf man auf dem kleineren Dancefloor des Palazzo rauchen, denn gegen morgens würde er immer mehr Zigaretten rauchen.

Um 5 Uhr morgens baut er dann sein Equipment wieder ab, setzt sich ins Auto und fährt „bei Helligkeit“ nach Hause, nach Asperg. Dann lege er sich sofort ins Bett, schlafe am Wochenende bis 11 Uhr. „Nachmittags ist Garten angesagt oder mit den Enkel spielen“. Seine Familie fände seine DJ-Tätigkeit klasse. Seine Frau komme sogar meistens mit ins Palazzo. „Anders ginge das gar nicht“, sagt er. Seine Motivation für seine zwei Jobs hole er sich aus der Freude und dem Spaß der tanzenden Discogänger. „Wenn sie Spaß haben, bin ich absolut befriedigt und freue mich so“. So lange das der Fall sei, werde er weiter auflegen, auch nach der Rente im Vollzug.

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