Der britische Informatiker Tim Berners-Lee hat am 12. März 1989 am europäischen Kernforschungszentrum CERN das World Wide Web erfunden. Berners-Lee wollte ein Informationsmanagement-System entwickeln, das den Datenaustausch unter Forschern vereinfachen sollte. Dabei schuf er die Grundlage für das heutige Internet. Die BZ blickt mit Hans-Jürgen Bahde, Breitbandbeauftragter der Region Stuttgart zurück.

„Ich hatte ein 56k-Modem und um 2 MB herunterzuladen hat das damals sehr lange gedauert“, erinnert sich Bahde an seine persönlichen Anfänge im Internet vor Jahrzehnten. Heute geht es viel schneller: Die Region Stuttgart hat ein umfangreiches Digitalisierungsprojekt für Wirtschaft und Gesellschaft gestartet. Im partnerschaftlichen Ausbau mit der Deutschen Telekom soll die Region flächendeckend mit Glasfaser versorgt werden und Bahde koordiniert dies.

Bis 2025 sollen alle Unternehmen in Gewerbegebieten sowie die Hälfte der Haushalte einen Zugang zum Höchstgeschwindigkeitsinternet im Gigabitbereich auf Glasfaserbasis erhalten. Bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte versorgt sein. Diese Ziele sind laut der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart nur in einem konzertierten regionalen Vorgehen in enger Kooperation mit der Privatwirtschaft erreichbar. In einer Absichtserklärung haben die Partner festgelegt, dass die Telekom 1,1 Milliarden Euro investiert, während aus der Region Stuttgart Leistungen im Wert von 500 Millionen Euro kommen sollen. Zudem wird die Region Stuttgart als eine der ersten deutschen Regionen ein 5G-Mobilnetz erhalten.

Rasende Entwicklung

Die Entwicklung wird immer schneller. Beim Blick zurück sagt Bahde: „Das Internet hat eine signifikante Rolle in der Entwicklung der Region in den vergangenen Jahrzehnten gespielt.“ Sei es im Bereich der Wirtschaft oder im Privaten, das Internet sei nicht mehr wegzudenken. Der Wirtschaft habe es die Verbesserung der Effizienz gebracht und neue Wege schneller mit Kunden und Lieferanten zu kommunizieren. Im privaten Umfeld hätten vor allem die Sozialen Medien das Leben tief greifend verändert. „Ich möchte mir gar nicht mehr vorstellen wie es früher mit langsamem Internet war“, sagt Bahde.

Eine rein positive Entwicklung also? „Für mich als Breitbandbeauftragter der Region Stuttgart ist die Antwort natürlich eindeutig Ja. Die Chancen des Internets überwiegen die Risiken bei Weitem“, meint Bahde. Die übermäßige Nutzung des Internets, der Sozialen Medien und weitere Fehlentwicklungen lässt er nicht als stichhaltige Argumente gelten. „Das sind alles Probleme, die durch die falsche Nutzung entstehen.“ Die Technik an sich sei deswegen aber nicht zu verteufeln.

Und wo geht es hin? Es gebe Studien, die besagten, dass 2025 75 Prozent der Kunden mehr als 500 Mbit-Leitungen brauchen, um ihre Filme zu streamen. Alle 18 bis 24 Monate verdoppele sich das Datenvolumen, meint Bahde. In der Region Stuttgart wolle man die Geschwindigkeit verbessern, um im Vergleich mit anderen Regionen zu „überholen ohne aufzuholen“. Maßstab ist die Ausstattung mit Leitungen ab 50 Mbit. Dies sei in der Region 88 Prozent der Haushalte möglich, in den Regionen Frankfurt oder Köln liege der Anteil bei mehr als 90 Prozent, in Stadtstaaten sogar noch höher. Der Landkreis Ludwigsburg liegt bei 90 Prozent.

Sind die vielen Glasfaser-Leitungen angesichts von immer schnellerem mobilen Internet überhaupt noch notwendig? „Die Basis, auch für 5G, sind immer Glasfaserleitungen, die zum Sendemast führen. Es gibt allerdings Experten, die sagen, dass in einigen Jahren kaum noch Festnetzanschlüsse benötigt werden. Die letzte Meile vom Verteilerkasten zur Wohnung könnte dann mobil bewältigt werden“, so der Breitbandbeauftragte. Glasfaser gehöre auch deswegen die Zukunft, weil die Geschwindigkeit von Glas noch längst nicht ausgereizt sei. Unter anderem in Karlsruhe werde daran geforscht, es noch schneller zu machen.

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