Dass sich in Sachen Umweltschutz Dinge zu verschieben scheinen, zeigt auch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Baden-Württemberg. 36 000 Bürger haben unterschrieben. Das Innenministerium hat das Volksbegehren gebilligt. Doch die Landwirtschaft schlägt Alarm.

Hat die Initiative Erfolg, könnten die Forderungen des Referendums zum Gesetz werden. Die Kernpunkte: 50 Prozent Ökolandbau auf Agrarflächen in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2035, Halbierung des mit Pestiziden belasteten Flächenanteils bis 2025, Schutz der Streuobstbestände, Verbot von Artenvielfalt gefährdenden Pestiziden in Naturschutzgebieten.

Die Landwirtschaft hält das Begehren nicht praxistauglich. Das betont beispielsweise Reinhard Baumgärtner, Sprecher der Sachsenheimer Wengerter. „Wir leben am Stromberg, wie am Kaiserstuhl, in einem Naturschutzgebiet. Wenn der Gesetzesentwurf so kommt, ist es mit dem Weinbau vorbei.“ Eine Umstellung auf Öko-Wein würde am Aus wenig ändern: „Auch da wird ja mit Pflanzenschutz gearbeitet“, erinnert Baumgärtner. Im Öko-Landbau sind bestimmte Pflanzenschutzmittel erlaubt, beispielsweise mineralische auf natürlicher Basis. Zudem gehe man ja jetzt schon schonend vor, betont der Wengerter. „Wir arbeiten fachkundig, sind nicht umsonst FFH-Gebiet geworden.“ Die spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden, dienen dem Schutz von Pflanzen, Tieren und Lebensraumtypen.

Baumgärtner kritisiert weiter: „Man kann nicht sagen, man will regionalen Wein und dann solche Gesetze auf den Weg bringen. Wenn das Kulturgut Wein erhalten werden soll, geht da nur gemeinsam mit den Betrieben. Ich gehe davon aus, dass der Weinbau- und der Bauernverband einen Gegenvorschlag erarbeiten.“

Andreas Beck aus Eberdingen, Vorsitzender des Arbeitskreises Erwerbsobstbau Kreis Ludwigsburg, in dem 54 Mitglieder mit einer Fläche von 399 Hektar zusammengeschlossen sind, kritisiert: „Egal, ob konventionell, integriert oder biologisch gewirtschaftet wird, Bewirtschaften hat auch mit Wirtschaftlichkeit zu tun. Ist diese nicht mehr gegeben, werden Betriebe aufgegeben und Flächen aus der Produktion genommen.

Beck kenne „Kollegen, deren kompletter Betrieb im Landschaftsschutzgebiet liegt.“ Würde der Einsatz von Pestiziden verboten werden, käme dies einem „Bewirtschaftungsverbot“ gleich. 39 Prozent der Fläche im Landkreis Ludwigsburg sind Landschaftsschutzgebiete. „Für viele Verbraucher mag es sich erstrebenswert anhören, auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Genau genommen ist das vergleichbar, als ob auf Medikamente verzichtet werden würde.“

Die Biene ist zu so etwas wie dem Symbol des Insektensterbens geworden. dabei geht es übrigens nicht um die Honigbiene, um die sich ja Imker kümmern. Vor allem bedroht sind viele Wildbienenarten bedroht. Sie leben meist allein statt in Völkern, sind vielen Menschen kaum bekannt und trotzdem wichtige Bestäuber.