Gericht Verteidiger fordert keinen Freispruch

Asperg / Bernd Winckler 06.12.2018

Eigentlich habe er ja nur einen Freispruch zu beantragen, sagte Rechtsanwalt Thomas Raich am Mittwoch zu Beginn seines Plädoyers im Mordprozess um die Tat an einer 22-Jährigen. Nämlich dann, wenn auch er von der Unschuld des 25-jährigen Angeklagten ausgeht. Länger hielt sich der Verteidiger allerdings mit diesem Thema vor der großen Schwurgerichtskammer am Stuttgarter Landgericht nicht mehr auf, sondern konzentrierte sich auf das, was nach seinen Worten keinen Freispruch bringen könne, nämlich die Schuld des Angeklagten. Dabei hatte der Angeklagte noch am Montag in einer zweistündigen Erklärung versucht, seine Unschuld darzulegen. Aber er, so Raich, sei nicht unbedingt das Sprachrohr des Mandanten.

Auch er gehe letztendlich davon aus, dass der Angeklagte seine Ex-Freundin an jenem Abend des 9. November 2017 in der gemeinsamen Backnanger Wohnung im Streit um das Sorgerecht des elfmonatigen Sohnes erwürgte. Und davon gehe seiner Meinung wohl auch das Gericht aus. Die Staatsanwältin hatte das „Lebenslang“ plus der Feststellung einer besonders schweren Schuld beantragt. Sie hatte die Tat, bei der das Opfer von Backnang aus nach Eglosheim gebracht, dort teilweise verbrannt wurde und dann in Asperg auf einem Komposthaufen landete, als „kaltblütig und verachtenswert“ bezeichnet. Ein Mord aus niedrigen Beweggründen.

Opfer habe Täter provoziert

Doch das ist dem Verteidiger zuviel. Er geht von einem Totschlag aus, weil das Paar sich zuerst in der Wohnung stritt, das Opfer also nicht arg- und wehrlos war, und dass die Frau ihm wohl den vollständigen Entzug des kleines Sohnes an den Kopf warf. In diesem Augenblick habe der 25-Jährige die Kontrolle verloren und würgte sie kräftig am Hals. Zu kräftig, wie der Verteidiger meint, denn sein Mandant habe eigentlich keinen Tötungsvorsatz gehabt, es läge lediglich eine Tötungsbilligung vor. Das Opfer habe ihn provoziert. Eine bis ins Kleinste geplante Tat könne nicht vorliegen. Er geht von einer Spontantat aus.

Der narzisstische Angeklagte sei eigentlich das Opfer seiner eigenen Persönlichkeit gewesen. Er habe gewusst, dass er mit einem Mord, niemals das Sorgerecht seines Kindes bekomme, wie es ihm die Anklägerin vorwarf. Das Strafmaß solle nicht über zehn Jahre Haft liegen. Das Urteil soll am kommenden Donnerstag verkündet werden.

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