MIK Ludwigsburg Verspielte Beleuchtung des Lichts

Ludwigsburg / Martin Tröster 13.01.2018

Was ist Licht eigentlich? Woraus besteht es und was macht es mit uns? Woher weiß die Menschheit sowas? Diesen Fragen geht die Ausstellung „Lichtspiele“ im Ludwigsburg Museum im MIK nach. Sie beleuchtet, wenn man so will, das Licht selbst – auch, wenn der Besucher dafür durch die Dunkelheit schreiten muss. Sie ist die Kulisse für die Stationen, mit denen die Schau ihr Thema auf raffinierte Weise vermittelt– indem sie den Spieltrieb der Besucher bedient. Weil die Sache gehaltvoll, aber subtil daherkommt, können sich auch Erwachsene ungeniert in den kleinen Spielereien verlieren.

Zum Beispiel können die Besucher einen Laser in vielen Winkeln lenken. Man kann kleine, zackige Muster damit machen oder probieren, den Strahl so lange wie möglich über die kleinen Stelen zu ziehen. „Hier zeigen wir, dass Licht immer in einer geraden Bahn geht“, sagt Leonie Fuchs, die in Ludwigsburg die Wanderausstellung kuratiert hat (siehe Infobox). Fast an jeder Station der 180-Quadratmeter-Ausstellung lässt sich ein knackiges pädagogisches Ziel formulieren.

Wie das Hirn Licht verarbeitet

Wie das Hirn arbeitet, zeigt sich zum Beispiel im Spiegelkabinett, wo sich die Besucher selbst von vorne, von hinten und von der Schokoladenseite betrachten. Wer dann versucht, auf sein Spiegelbild zuzulaufen, bewegt sich unter umständen von ihm weg - denn das Spiegelbild ist mitunter nur selbst gespiegelt. „Das Hirn verwertet seine Informationen immer aus der Richtung, aus der das Licht kommt“, sagt Kuratorin Fuchs. Ebenfalls vom Jahrmarkt bekannt ist auch ein Zerrspiegel, mit dem sich die Besucher klein und grotesk dick oder groß und angenehm schlank machen können. „Im Gegensatz zum Jahrmarkt sieht man hier, wie es funktioniert“, sagt Fuchs.

Wer seine Hirnwindungen so richtig durchkitzeln will, der versuche, seinen eigenen Namen zu schreiben – unter einem Spiegel.

Dass die Farben Blau und Gelb die Farbe Grün ergeben, wissen die meisten. Was aber passiert, wenn Grün und Blau und Rot aufeinanderliegen? Der Schnittkreis im Projektorenspiel wird: weiß. Weiß ist keine Farbe, die das Licht in sich trägt, sondern entsteht durch Farbenmischung. Wieder was gelernt.

Goethe gegen Newton

Der berühmte englische Physiker Isaac Newton (1642 bis 1727) war es, der die jahrtausendealte Lehrmeinung widerlegt hat, das Licht sei weiß. Auch im Ludwigsburger Museum kann man wie Newton das Licht mit einem Prisma in Einzelfarben zerlegen. Pink-Floyd-Fans wissen dank des berühmten Prismen-LP-Covers von „Dark Side Of The Moon“ Bescheid.

Wenige Meter davon entfernt lässt sich erschließen, warum der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) der Ansicht war, dass Farben aus dem Zusammenspiel von Helligkeit und Finsternis entstünden – beim Blick durch ein kleines Prisma zeigen sich bunte Schattierungen an den Rändern der Finsternis - also an den Ränder der schwarzen Muster auf weißem Grund. „Goethe hat versucht, Newton zu widerlegen“, erklärt Kuratorin Fuchs nicht ohne Amusement.  Fürst der Physiker ist der große Dichter nicht auch noch geworden.

Besonders witzig ist es, seine eigenen Schattenrisse auf eine Wand zu bannen. Dank phosphoreszierender kleiner Elemente, kann eine Wand in der Dunkelheit für eine kurze Zeit den Schatten „speichern“. Darauf kann man übrigens noch Knöpfe in den Schatten des eigenen Mantels malen – indem die Taschenlampe, die es zur Führung durch die Ausstellung gibt, an der Wand entlang streicht.

An dieser Station steht der Spaß erst recht im Vordergrund. Nicht die schlechteste Weise, Licht ins Licht zu bringen.

Daten und Fakten

Die Ausstellung „Lichtspiele“ im Ludwigsburg Museum im MIK (Eberhardstraße 1) ist noch bis Sonntag, 18. Februar, zu sehen. Der Eintritt ist frei, Besucher können allerdings eine Summe zahlen, die ihnen angemessen erscheint. Es gibt 15 Mitmachstationen auf 180 Quadratmetern. Die Wanderausstellung wurde entworfen vom Verein Akki – Aktion und Kultur mit Kindern aus Düsseldorf.

Eine Familienführung gibt es am Samstag, 27. Januar, 11 Uhr. Sie kostet fünf Euro, der Eintritt für Kinder ist frei. Danach findet ein offener Workshop für Kinder ab fünf Jahren (nur in Begleitung) statt, bei dem ein Kaleidoskop und ein Farbkreisel gebaut werden. Die Teilnahme kostet zwei Euro. Anfragen sind mindestens 10 Tage im Voraus unter Telefon (07141) 9 10 22 90 möglich. mart

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