Könnte man Vorschusslorbeeren wiegen, wäre im Verlauf der Amtseinsetzung des neuen Landrats am Freitag ganz schön Gewicht auf die Waage gekommen. Dass er „die besten Voraussetzungen für dieses Amt mitbringt“, hörte Dietmar Allgaier in der Rede des Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer. Dieser vereidigte und verpflichtete den 53-Jährigen in einem vollbesetzten Sitzungssaal im Beisein seiner Frau Bettina und seiner Mutter.

Neben Mitarbeitern der Verwaltung und Mitgliedern des Kreistags waren zahlreiche Oberbürgermeister und Bürgermeister sowie viele weitere Gäste ins Kreishaus gekommen. Altlandrat Ulrich Hartmann war da. Allgaiers Vorgänger Rainer Haas weilte im Skiurlaub. Für die Wertigkeit der Feier sorgte nicht zuletzt die Jugendphilharmonie, das Orchester des Landkreises Ludwigsburg. Die jungen Musiker zeigten mit ihrem Dirigenten Dietrich Schöller-Manno Höchstleistung. Allgaier sagte, es sei ihm eine große Ehre, von seinem Vorgänger die Schirmherrschaft des Orchesters zu übernehmen.

Das Lob, die besten Voraussetzungen für sein Amt zu haben, bekam der neue Landrat in verschiedenen Varianten gesagt. Besigheims Bürgermeister und CDU-Kreisrat Steffen Bühler sprach stellvertretend für seine Kollegen in den 39 Rathäusern des Landkreises. Er sagte, es sei gut „einen neuen Landrat zu haben, der mit viel kommunaler Erfahrung und großem Verhandlungsgeschick kommt“. Allgaier gelte „als Brückenbauer und Netzwerker, der aktiv nach Lösungen sucht.“

Der Kornwestheimer hat sich diesen Ruf während seiner elf Jahre als Bürgermeister im Rathaus seiner Heimatstadt erworben. Und auch als CDU-Kreisrat kennt man ihn bereits sein zehn Jahren. Er ist bekannt als Pragmatiker, der das Gespräch und nicht den Streit mit politischen Gegnern sucht. Jemand, der das Miteinander schätze, war ebenfalls eine Charaktereigenschaft, die in den Reden öfter erwähnt wurde. Allgaier selbst widmete seinen Mitarbeitern einige Redezeit. Sie seien „die Säule der Verwaltung“. Er wolle ein „zugänglicher Vorgesetzter“ sein. „Ich stehe nicht über ihnen, sondern bei ihnen“, versprach er.

Günther Oettinger, EU-Kommissar a.D., war für die Amtseinführung „wegen der großen Verbundenheit zum Landkreis und den Erinnerungen“ von weit her gefahren. Er traue Allgäuer zu, „die hohe Qualität der Verwaltung und die Motivation der Leute für gute Arbeit zu erhalten“. Landrat zu sein, das sei „die schönste Aufgabe, die die öffentlich Hand zu vergeben hat“.

Bald einwohnerstärkster
Landkreis im Land

Dem Landkreis Ludwigsburg geht es gut. Das betonte besonders der Regierungspräsident. Beim Stichwort Fördermittel bemerkte Reimer, „der Landkreis hat’s nicht so nötig“. Bald wird Ludwigsburg der einwohnerstärkste Landkreis in Baden-Württemberg sein. Um am Rhein-Neckar-Kreis vorbeizuziehen, fehlen nur noch etwa 2000 Einwohner. Gleichzeitig zeigte sich der Regierungspräsident überzeugt, dass auf den Landkreis trotz der soliden Finanzen „große Herausforderungen zukommen“. Er sprach von der Transformation. In der Autoindustrie und damit bei vielen Zulieferfirmen im Landkreis finde ein tiefgreifender Wandel statt. Bei dem müsse es gelingen, die Arbeitsplätze zu erhalten. Da sei es von Vorteil, dass Allgaier ein ausgewiesener Finanzfachmann sei.

Die Rede des Polizeipräsidenten Burkhard Metzger war von Molltönen geprägt. Er beklagte die zunehmende Rücksichtslosigkeit und nachlassenden Respekt nicht nur gegenüber seinen Beamten, sondern generell gegen Helfer. Er zeigte sich erfreut, dass der neue Landrat seine Unterstützung für die Präventionsarbeit zugesichert habe.

Allgaier will Barrieren abbauen

Allgaier versprach dem Europäer Oettinger, dass er das gleiche Engagement für die Europäische Union zeigen werde wie sein Vorgänger Haas. Es gelte, Barrieren zu überwinden und nicht aufzubauen. Sein Amt wolle er „mit ganzer Kraft und sehr viel Engagement“ ausüben. Gemeinsam wolle er die „beste Lösung suchen“, die zugleich „weitsichtig“ sein müssen. Mit, „lassen Sie uns mutig sein“, schloss er seine Rede.