Die Zahl der Menschen in der Region wächst. Die Zahl der Autos auch. Seit September 2018 sind fast 22 400 Pkw in der Region dazugekommen. Aktueller Stand zum 30. September: 1,654 Millionen Autos, so die Kfz-Innung, Region Stuttgart in einer Mitteilung.

„Sogar Stuttgart, das vom ÖPNV-Angeboten verwöhnt wird, hat mit über 304 000 Pkw einen neuen Höchststand erreicht“, sagt Christian Reher, Geschäftsführer der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart. Im Kreis Ludwigsburg lag der Bestand Ende bei fast 334 000 Autos, im September 2018 waren es noch 329 469. „Gesicherte Mobilität heißt für die meisten Menschen ein Auto vor der Tür und nicht nur die Monatskarte in der Tasche“, so Obermeister Torsten Treiber. ÖPNV und Auto seien kein Gegensatz: „Die ergänzen sich.“ Was die aktuellen Zahlen in beiden Bereichen beweisen würden: „Der VVS fährt Fahrgastrekorde ein, bei den Kfz haben wir dennoch Besitzstandrekorde.“

„Dabei sollte sich keiner etwas vormachen, beide Angebote stehen im Wettbewerb“, sagt Markus Klein, Kreisvorsitzender im Kreis Ludwigsburg: „Keiner kauft sich ein Auto, wenn er es nicht braucht.“ Ob Elektroauto oder Verbrenner, SUV, Kombi oder Kleinwagen: „Wer für eine vierköpfige Familie ein Einkaufs- und Urlaubsauto braucht, weil Aldi drei Kilometer weg ist und die Ötztaler Alpen, Italien oder die Ostsee auch nicht um die Ecke, bewegt sich immer zwischen Nutzen, Spaßfaktor und Kosten wie jeder andere auch. Jeder guckt, dass für ihn die Rechnung aufgeht.“

Die Bestandsentwicklung für die Kraftfahrzeugbetriebe im Kreis Ludwigsburg gibt der Innung Anlass zur Freude: „Wir haben uns durchaus Sorge gemacht, welche Folgen der Dieselskandal und die massive Verteufelung des Autos samt dem Verkehrs- und Durchfahrtsverbot für Euro-4-Diesel in Stuttgart haben könnte“, sagt Markus Klein. Inzwischen sei klar; „die Menschen verzichten nicht aufs Auto. Sie kaufen sich ein anderes, wenn sie dazu gezwungen werden.“ Das beste Beispiel dafür sei, dass die Zahl der Euro-4-Diesel bis Ende September in Stuttgart auf etwas über 6000 gesunken ist, bei einer Gesamtzahl von nicht ganz 85 000 Dieselautos.

Im Kreis Ludwigsburg sind aktuell rund 98 000 Diesel-Autos im Einsatz. 940 kamen als gebrauchte Diesel in den Bestand (123 mehr als im Vorjahr gleich plus 15,1 Prozent). Die Zahlen für Neuwagen: Da gibt es mit 2468 Pkw ein Zulassungsplus von 706 Pkw oder 40,1 Prozent. Neue Diesel gab es unter den Neuwagen auch, insgesamt 904, die Zahl der Neuzulassungen stieg damit um 241 oder 36,3 Prozent.

60 Prozent mehr E-Autos

Bei den Elektroautos liegt der Bestand laut Zulassungsstelle bei 1571. Das sind, so die Innung, zwar fast 60 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber am Bestand haben diese Autos erst einen Anteil von nicht ganz 0,5 Prozent. Ein Durchbruch sei diese nicht.

Den Durchbruch in Richtung Klimaneutralität verspricht sich Obermeister Torsten Treiber ohnehin von einer anderen Lösung: „Wer schnelle Erfolge beim Klimaschutz will, muss E-Fuels anbieten.“ Als E-Fuels werden synthetische Kraftstoffe bezeichnet, die mittels Strom aus Wasser und Kohlendioxid hergestellt werden.

Damit ließen sich laut Kfz-Innung die heute noch rund 328 000 Verbrenner im Kreis problemlos bis zum Ende ihrer Lebenszeit von zehn, 15 und mehr Jahren weiter nutzen.