Seit Donnerstag sitzt ein 47-jähriger Mann wegen versuchten heimtückischen Mordes in zwei Fällen auf der Anklagebank der Schwurgerichtskammer am Stuttgarter Landgericht. Die Anklageschrift  hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft recht kurz gefasst: Am frühen Abend des 4. Dezember letzten Jahres soll sich der Beschuldigte unweit des Kornwestheimer Aldi-Parkplatzes versteckt gehalten haben, um der Tochter mit ihrem Freund aufzulauern.

Magazin leer geschossen

Das Paar befand sich  im Mercedes SLK-Cabrio des 28-jährigen,  als sich der Vater  dem Fahrzeug unbemerkt näherte, die Beifahrertüre aufriss und zunächst zwei Pistolen-Schüsse in das Gesicht der Tochter abfeuerte, um sie zu töten. Im weiteren Verlauf soll der 47-Jährige noch die restlichen sechs im Magazin befindlichen Schüsse abgegeben haben, von denen zumindest ein Projektil die Schulter des 28-Jährigen traf. Das Pärchen wurde noch am Abend im Krankenhaus versorgt. Lebensgefahr bestand allerdings  nicht.

Der Ankläger geht davon aus, dass der Vater versucht hat, beide zu töten.  Neben zweifachen versuchten Mordes wirft er dem Vater auch gefährliche Körperverletzungen vor.

Im Balkankrieg gedient

Am  ersten Verhandlungstag wurde gab der  47-Jährige an, er sei im Kosovo geboren. Ein Jahr lang habe er  im Balkankrieg als 18-Jähriger Soldat bei der jugoslawischen Armee gedient. Seit 1995 sei er verheiratet.

 Um die  Hintergründe des Geschehens in Kornwestheim aufzuhellen, hat die Schwurgerichtskammer am  Landgericht mehrere Zeugen und einen Sachverständigen geladen. Der Angeklagte sagte am Donnerstag vor Gericht, dass er seine Tochter an Tag der Tat kontrolliert habe.  Aber als er dann gegen 17.40 Uhr an dem parkenden Cabrio ankam,  habe der Freund der Tochter einen Baseballschläger aus dem Kofferraum geholt und damit den Angeklagten angegriffen. Ihm habe er dann seine Pistole gezeigt, um ihm klar zu machen, dass auch er bewaffnet sei. Dann aber habe der 28-Jährige  mit dem Baseballschläger auf ihn eingeschlagen, weshalb der Angeklagte in Notwehr die restlichen Patronen der Waffe abgefeuert haben will.

Der Prozess wird am 21. Juni mit der Vernehmung der ermittelnden Ludwigsburger Kriminalbeamten fortgesetzt.