Löchgau/Heilbronn Vater erschießt Sohn - Haftstrafe

Löchgau/Heilbronn / MARTIN TRÖSTER 31.12.2015
Im April verurteilt das Heilbronner Landgericht nach einem spektakulären Prozess einen alten Mann aus Löchgau wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von vier Jahren - er hat seinen Sohn erschossen.

Mit diesem Prozess tun sich alle schwer. Die Staatsanwältin gesteht, dass sie lieber eine Bewährungsstrafe gefordert hätte. Der Gutachter gibt zu, nach Hinweisen für eine eingeschränkte Schuldfähigkeit des Angeklagten gesucht zu haben. Die Richter machen keinen Hehl aus ihrer Zerrissenheit: "Einen solchen Mann, wie Sie es sind" zu verurteilen, falle ihnen schwer. Und doch tun sie es, genauso wie die Staatsanwältin eine Haftstrafe und eben keine Bewährungsstrafe fordert, genauso wie der forensische Psychiater die Schuldfähigkeit diagnostiziert. Der 83-Jährige aus Löchgau hat seinen eigenen Sohn erschossen.

Der Streit, der ihn im Juni 2014 zum Gewehr greifen lässt, wird im Frühjahr 2015 vor dem Heilbronner Landgericht verhandelt. Dabei offenbart sich ein zerrüttetes Verhältnis zwischen dem später erschossenen Sohn des ehemaligen Schweinebauers und der Familie.

Trotz der Todesschüsse unterstützt die Familie den Senior auf der Anklagebank. Der schweigt vor Gericht zur Tat.

Inwiefern das 54-jährige Opfer psychisch krank gewesen ist, kann keiner mehr genau sagen. Dass etwas mit ihm nicht gestimmt haben muss, ist allen klar. Jahrelang hat er die Familie schikaniert, fast hätte er den Betrieb, das Lebenswerk der Bauersleute, heruntergewirtschaftet: Die Schweine lässt er im Stall verenden, auf dem früheren Musterbetrieb stinkt es zuweilen nach Verwesung. Und: Er hat seine alten Eltern bedroht, einmal sogar mit der Axt.

Vier Jahre Haft wegen Totschlags. Die Richter erkennen einen Akt der Selbstjustiz. Der Vater hat noch in der Tatnacht gestanden, dass er keine andere Lösung mehr gesehen hat: "Jetzt ist Ruh", nennt er die Worte, die ihm durch den Kopf gegangen sind, nachdem er seinen Sohn durchs Gesicht geschossen hat. Gegenüber der Polizei bezeichnet er den finalen Schuss als "Fangschuss". Ein Wort aus der Jägersprache. "Wenn jemand glaubt, er habe seine Ruhe deshalb, weil er einen Menschen umbringt, der irrt komplett", begründet der Vorsitzende Richter das Urteil. "Kein Mensch darf sich zum Herren über Leben und Tod aufschwingen."

Im Spätherbst wirdedas Urteil rechtskräftig. Sollten keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen, muss der Mann, dem so viele Prozessbeteiligten ihren Respekt zollten, seine Strafe absitzen.

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