Eigentlich sind Beate Gojny und Julia Wagner ja Windelprofis. Vor fünf Jahren hat Erstere sich mit einem kleinen Startup-Unternehmen auf den Markt gewagt. „Windelzauberland“ nannte sie ihr Baby. Beate Gojnys Sohn vertrug keine Wegwerfwindeln. Die Bietigheimerin testete sich durch alle möglichen Stoffwindelmarken, die mal besser und  mal schlechter passten. „Also entschied sich meine Schwester, eigene Stoffwindeln zu produzieren und ihre eigene Marke zu gründen“, erzählt Julia Wagner.

Der Erfolg gab der jungen Mutter Recht. Der Onlineshop florierte recht schnell. Schwester Julia, die mit ihren zwei Kindern und Mann in Steinheim lebt, stieg mit ein. Das Thema Nachhaltigkeit, das immer mehr Menschen leitet, trug zum Erfolg des jungen Unternehmens bei. Ein Wickelkind produziert etwa eine Tonne Restmüll, rechnet Wagner vor.  Restmüll, der meist verbrannt wird. Die Folge: Hochgiftige Gase entstehen. Anderswo, so Wagner, landen die Wegwerfwindeln auf dem Müll und brauchen etwa 450 Jahre zum Verrotten.

Nachhaltige Produkte

Für ihre Stoffwindeln verwendet das Schwesternpaar Stoffe, die GOTS zertifiziert sind und in Deutschland und Europa hergestellt werden. Das Globale Organic Textile Siegel (GOTS) kennzeichnet nachhaltige Produkte und ist für den  Endverbraucher  ein Zeichen dafür, dass die Textilien über die Produktionskette hinweg verantwortungsbewusst hergestellt wurden. Einmal im Jahr unterziehen sich alle Betriebe und Händler der gesamten Lieferkette einer Inspektion. Diese Kontrollen durch Zertifizierungsstellen finden auch unangekündigt statt. Nur nachhaltige Textilien mit mindestens 70 Prozent Naturfasern wie Baumwolle dürfen das Siegel bekommen.

Die Vision der Zwillinge  klingt einfach und schwierig zugleich: Immer mehr Eltern von den Vorteilen von Stoffwindeln  überzeugen und dadurch den Kindern eine schönere und sauberere Welt  hinterlassen. Kurzum: Die Wegwerfgesellschaft für mehr Nachhaltigkeit und Liebe zur Umwelt  sensibilisieren.

Das Sortiment wurde Zug um Zug erweitert. Der Onlineshop bringt auf einen Klick 315 Treffer. Zu den Stoffwindeln kamen Überhosen, Tragetücher, Stilleinlagen, Abschminkpads – und seit ein paar Wochen auch Mund-Nasen-Schutzmasken. „Als das Thema Masken aufkam und wir einen Bericht über die Firma Trigema gesehen haben, die Masken produziert, dachten wir: Das können wir auch“, erzählt Wagner.

Ihre Produkte werden in Nähereien in Deutschland, aber auch in Osteuropa und in China hergestellt.   „Hier in Deutschland gibt es so gut wie keine Maschine, die die Plastik-Snaps, die an die Windeln müssen, automatisch annähen. Das müsste mit der Hand gemacht werden und dann würden die Windeln so teuer, dass sie niemand kaufen würde“, erklärt Julia Wagner.

Masken aus Polen

Die Masken werden in Polen genäht. Rund 50  Näherinnen arbeiten für die beiden dort. Die ersten 2000 Masken aus Baumwollflanell bekamen die Schwestern vor drei Wochen geliefert – schlicht weiß, mit Gummizügen für die Ohren. Die nächste Charge waren 3000 Kindermasken mit bunten Designs zum um den Kopf binden. „Ein Schulfreund arbeitet in einem Kinderkrankenhaus und riet uns,  auch für Erwachsene Masken zum Binden zu machen. Medizinisches Personal  kann  die obere Schleife mal öffnen  zwischendurch und muss die Maske nicht ganz ablegen und irgendwo hinlegen  –  was aus hygienischen Gründen nicht gut wäre“, berichtet die Steinheimerin.

Das Maskensortiment führen Beate Gojny und Julia Wagner natürlich auf dem eigenen Onlineshop, aber es ist inzwischen auch in vielen anderen Onlineshops zu haben – und in vielen Unverpackt-Läden. Inzwischen zeigen auch schon die ersten Schulen Interesse an den Masken. Allerdings sei noch nicht klar, ob die Schulen selbst Masken anschaffen müssen oder das Land das übernimmt, weiß Wagner, die selbst Lehrerin ist.