Industrieller Wandel Unternehmen bauen auf E-Mobilität

Die Firma Dräxlmaier baut Batteriesysteme für den E-Porsche und hat sich mit Produktion und Entwicklung im Segro-Park im Eichwald niedergelassen.
Die Firma Dräxlmaier baut Batteriesysteme für den E-Porsche und hat sich mit Produktion und Entwicklung im Segro-Park im Eichwald niedergelassen. © Foto: MARTIN KALB
Kreis Ludwigsburg / Andreas Lukesch 22.08.2018

Es ist vor allem der Sportwagenhersteller Porsche, der die Industrie- und Gewerbelandschaft in der Region Stuttgart und im Landkreis Ludwigsburg derzeit massiv und dauerhaft verändert. Mission E nennt sich das Elektroflitzer-Projekt, mit dem sich die VW-Tochter in Zuffenhausen für den Mobilitätswandel rüstet. Die Produktion des wiederaufladbaren Rennboliden, der 2019 auf den Markt kommen soll, sorgt nicht nur am Stammsitz in Stuttgart, in den Porsche 700 Millionen Euro steckt, für gewaltige Umbrüche. Auch der Landkreis Ludwigsburg profitiert massiv von Einstieg Porsches in den Alternativantrieb.

Batterien aus dem Eichwald

Im Gewerbepark Eichwald ist der Wandel besonders augenfällig. Dort erweitert der Sportwagenbauer seine Lagerkapazitäten für den 911er, weil in Zuffenhausen Platz für neue Produktionsstätten geschaffen werden müssen. Und von dort werden auch die 800-Volt-Batteriesysteme für den E-Porsche kommen, produziert vom Zulieferer Dräxlmaier, der sich gerade in zwei Bauabschnitten in den Neubauten des Immobiliendienstleisters Segro breitmacht. Der erste Bauabschnitt ist nach Dräxlmaier-Angaben bereits bezogen, der zweite Bauabschnitt soll Mitte November übergeben werden. Zudem hat das Unternehmen aus Bayern eine Entwicklungsabteilung am Standort eingerichtet. Seit April arbeiten 15 Entwickler in Sachsenheim an „Innovationen für moderne Batteriesysteme“, wie es heißt.

Logistik in Freiberg

Segro profitiert erheblich von der Tatsache, dass eine Vielzahl der Teile für den neuen E-Porsche aus dem Landkreis Ludwigsburg nach Zuffenhausen geliefert wird. So feierte der Immobilienentwickler erst unlängst in Freiberg Richtfest für ein 11 300 Quadratmeter großes Logistik-Zentrum, in dem künftig die Porsche Logistik GmbH Komponenten für die Montage des Mission E zusammenstellen und individuell für das jeweilige Fahrzeug an die Fertigung in Zuffenhausen liefern wird. Damit nicht genug: Auch der benachbarte Herrenberger Logistiker LGI ist in die Lieferkette für das Porsche-Elektrofahrzeug eingebunden.

Bei Kritik an der unverkennbaren Tatsache, dass der Autobauer vor allem die  Logistik mit all ihren unerwünschten Nebeneffekten (viel Verkehr, wenig Arbeitsplätze) im Umfeld Stuttgarts platziert, erinnern Bürgermeister wie Dirk Schaible in Freiberg an das Bekenntnis von Porsche für den Standort Stuttgart, die Region und den Wirtschaftsraum. „Das unterstützen wir mit der Bereitstellung einer der benötigten Logistikflächen“ so Schaible im Juni dieses Jahres.

Prüfanlagen für VW

Aber nicht nur Porsche prägt das Bild des mobilen Wandels im Landkreis. Auch viele Traditionsunternehmen stellen sich derzeit neu auf oder arbeiten an Innovationen und Produkten für die Hersteller von Elektroautos. Erst Ende Juli hat ebenfalls in Freiberg der Maschinen- und Anlagenbauer Teamtechnik eine 7,5 Millionen Euro teure neue Halle offiziell  bezogen, in der Prüfanlagen von Elektroantrieben für das VW-Werk im hessischen Kassel produziert werden. Das dürfte bei Teamtechnik nicht der letzte Entwicklungsschub sein, eher erst der Anfang, denn, so Geschäftsführer Stefan Roßkopf: „Wir sind fest davon überzeugt, dass der Durchbruch der Elektomobilität weltweit bevorsteht und wir wollen diesen Wandel hier am Hauptsitz in Freiberg technologisch aktiv mitgestalten.“

Lackierstraßen für China

Weltweit ist das Stichwort für einen anderen Anlagenbauer, der ebenfalls am Umbau der Mobilität gut verdient. Denn während sich in Deutschland noch viele Hersteller in der Entwicklungsphase befinden, ist das Tempo im lukrativen Wachstumsmarkt China erheblich schneller. Dort benötigen die neuen Hersteller von Elektroautos Lackieranlagen für ihre Modelle. Und die liefert ihnen der Anlagenbauer Dürr aus Bietigheim-Bissingen, etwa für die chinesische Futur Mobility Corporation mit der Marke Byton, die in Nanjing ein Werk für 150 000 Autos jährlich hochzieht.

Kooperation mit Siemens

In Bietigheim-Bissingen sitzt zudem die Deutschland-Zentrale eines globalen Automobilausstatters, der sich ebenfalls vollkommen der Zukunft des Automobils verschrieben hat. Bei Valeo und in der hiesigen Forschungs- und Entwicklungsabteilung werden die Assistenzsysteme von morgen entwickelt – und nicht nur das. Elektromobilität spielt für die Franzosen eine ganz entscheidende Rolle, was sie unter anderem zuletzt bei der Internationalen Automobilausstellung in Peking unter Beweis stellten, als sie einen Elektro-Zweisitzer präsentierten. 2016 brachte Valeo die Zusammenarbeit mit Siemens in einem Joint Venture im Bereich der sogenannten Hochspannungsantriebe auf den Weg.

Millionen für die Entwicklung

Das alles geschieht direkt vor den Augen der Mitbewerber, denn auch Bosch investiert kräftig in die Zukunftstechnologie. Allein in den Jahren 2018/19 fließen 77 Millionen Euro des Konzerns in das Entwicklungszentrum in Schwieberdingen. Schwerpunktmäßig wird dort die Forschung an der E-Mobilität weiter vorangetrieben.

Innovationen aus Ludwigsburg

Die Filterexperten von „Mann + Hummel“ in Ludwigsburg verdienten viele Jahre gutes Geld mit Filtern, die in Autos mit Verbrennungsmotoren eingebaut wurden. Seit die Elektromobilität die Diskussion bestimmt, erfindet sich auch „Mann + Hummel“ neu und erobert sich erweiterte Geschäftsfelder, etwas in der Klimatechnik sowie bei der Luft- und Wasserfiltration. Aber auch für die E-Mobilität „wächst das Portfolio der Innovationen beständig“, wie  „Mann + Hummel“  verlautet. So suchen sich die Filterfachleute neue Anwendungsgebiete für bewährte Produkte und setzen inzwischen auch auf Lufttrockner und Partikelfilter für Batteriesysteme. Im Unternehmen verfolgt man eine langfristige Strategie. „Elektromobilität ist etwas für die Langstrecke. Hier braucht es einen langen Atem“, so Dr. Michael Harenbrock, Principal Expert Electric Mobility, im „Mann + Hummel“-Blog.

Messe für Elektromobilität

In Stuttgart Die Aktivitäten im Großraum Stuttgart in Sachen E-Mobilität ziehen auch den Fokus der gesamten Branche in die Region So findet Europas größte Messe für Autobatterien und hybride elektrische Fahrzeuge (Battery Show and Electric & Hybrid Vehicle Technology Expo Europe“ im Mai 2019 erstmals in der Messe Stuttgart statt. Mehr als 400 Aussteller und rund 8000 Besucher werden erwartet. Bereits im Oktober 2018 ist Stuttgart Ausrichter der „elect – Exhibition & Conference“ mit angeschlossener Karrieremesse. Sie beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema Elektromobilität und richtet sich sowohl an Entwickler als auch an Anwender in der Automotive-Branche. bz

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