Andreas Lukesch

Der frühere Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl wäre gut beraten, seine Bewerbung für das Amt des IHK-Hauptgeschäftsführers nach dem Eklat in der Vollversammlung zurückzuziehen. Das bescherte zwar den durchaus auch kritisch zu betrachtenden Kammerkritikern der Kaktus-Initiative einen Sieg. Aber Schmalzls Verzicht und eine Neuauflage des Bewerberverfahrens würde die IHK und ihre Vollversammlung zumindest für den Moment handlungsfähig halten. Drückt die Kammer ihren Kandidaten durch, wäre das nicht nur eine Kampfansage an die Kakteen, sondern auch die Garantie dafür, dass sich die IHK auf absehbare Zeit aus ihrem Kerngeschäft verabschieden müsste, um sich nur noch mit internen Streitereien und Flügelkämpfen zu beschäftigen.

Es ist erstaunlich, mit welcher Nonchalance sowohl die alte wie auch die neue Kammerspitze bisher über den Stachel im eigenen Fleisch hinweg gegangen sind. Kammerpräsidentin Breuning sieht den beispiellosen Eklat in der Vollversammlung „sportlich“ und reiht sich damit in eine gewisse Überheblichkeit der Kammer-Traditionalisten gegenüber den Erneuerern ein. Die haben nichts Geringeres im Sinn, als die eingefahrenen Kammer-Strukturen zu zerstören. Sie wollen eine ganz neue IHK. Und all jene, die das nicht wollen, müssten langsam registrieren, dass es ein „Weiter so“ nicht geben kann. Die Kakteen werden auf Konfrontationskurs bleiben, sei es bei der wichtigen Personalie oder bei den Themen Zwangsmitgliedschaft und Pensionsrückstellungen. Sie werden Entscheidungen der Vollversammlung weiter blockieren, bis sie ernst genommen und gehört werden. Dazu braucht es einen Hauptgeschäftsführer, der als von allen akzeptierter Moderator beide Seiten endlich an einen Tisch bringt. Johannes Schmalzl ist für diese Aufgabe ungeeignet. Nicht weil ihm die Kompetenz fehlt, sondern weil er als letzter Bewerber eines unglücklichen Auswahlverfahrens immer für die Zerrissenheit der IHK stehen würde.