Udo Schimke hat es satt. Den Polizeibeamten nervt es schon lange, dass er nach Gemeinderatssitzungen immer erst gegen Mitternacht nach Hause kommt. Dabei beginnen die bereits um 19 Uhr. Für gesellige Nachsitzungen, bei denen sich Stadträte wie er fraktionsübergreifend kennenlernen können, gebe es deshalb kaum noch, beklagt er sich. Denn morgens müssen die meisten Kollegen rechtzeitig und möglichst ausgeruht am Arbeitsplatz erscheinen. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Spitze der Stadtverwaltung.

Deshalb hat Schimke auch namens seiner Fraktion, der Freien Wähler, einen Antrag zu mehr Sitzungsdisziplin eingebracht, der in der jüngsten Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag zur Debatte stand. Die Vorschläge der Fraktion: Grundsätzlich sollten die Sitzungen spätestens um 22.30 Uhr beendet werden, dafür könnte der Sitzungsbeginn um eine halbe Stunde vorverlegt werden. Außerdem müssten die Ferienwochen nicht mehr zu sitzungsfreien Wochen erklärt werden. "Schließlich haben die meisten von uns keine schulpflichtigen Kinder", fügte Schimke hinzu. Sechs Wochen Sommerpause seien einfach zu viel, "wir setzen uns damit unnötig unter Druck".

Mit der Initiative rannten die Freien Wähler bei den anderen Fraktionen ganz offenbar offene Türen ein. Und auch Bürgermeister Dirk Schaible und seine Amtsleiter fanden die Ideen nicht grundsätzlich schlecht. Deshalb plädierten auch sie für einen früheren Sitzungsbeginn und wollten die Ferienwochen auch nicht mehr kategorisch für Sitzungen ausschließen, obwohl sie die Sorge äußerten, dass dann möglicherweise keine Zuschauer mehr kommen. Auch votierten sie für eine zusätzliche Sitzung pro Monat - allerdings an Donnerstagen.

Der Vorschlag, den Sitzungsbeginn künftig auf 18.30 Uhr vorzuverlegen, schmeckte zwar nicht allen Stadträten, fand aber eine klare Mehrheit. Einmütig waren sie jedoch nach kurzer Debatte der Meinung, künftig Ferienwochen nicht mehr zu tabuisieren, vor allem nicht die sogenannten "kleinen", also Oster-, Weihnachts-, oder Herbstferien. Einstimmigkeit herrschte auch in der Frage, ob wegen der anstehenden gewaltigen kommunalpolitischen Themen - wie beispielsweise die Sanierung des Stadtzentrums mit Neubau des Schulzentrums und der Sporthalle oder die Sanierung des Bahnhofsbereichs - nicht weitere Sitzungen eingeplant werden müssten. Allerdings nicht unbedingt an Donnerstagen, sondern an den noch freien Dienstagen.

Dass diese Disziplinierung funktionieren kann, bewiesen die Stadträte umgehend - zumindest in der öffentlichen Sitzung. Denn die war bereits nach gut einer Stunde beendet. Na also, es geht doch.