Rund ein Drittel des Zuschauerraums der Ludwigsburger MHP Arena ist für eine große LED-Leinwand abgehängt. Vor diesen zahlreichen Bildschirmen befindet sich eine große, weite Fläche. Um 14 Uhr ist die Arena gut gefüllt, die Zuschauer erwarten gespannt die folgende Show.

Am Dienstag, den 31. Dezember, haben der Schwäbische Turnerbund und der Badische Turner-Bund e.V. zahlreiche talentierte Turnathleten zusammengebracht, um mit einer baden-württembergischen Tour das Jahr abzuschließen. Nach Freiburg und Konstanz machte die Turngala mit dem diesjährigen Titel „Celebrations“ auch in Ludwigsburg Halt.

Michael Bürkle, Vizepräsident des olympischen Spitzensports des Schwäbischen Turnerverbunds, begrüßte das Publikum herzlich und dankte zunächst den vielen ehrenamtlichen Helfern der Gala. „Sie arbeiten schon seit den frühen Morgenstunden. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Mit guten Wünschen für das neue Jahr eröffnete Bürkle offiziell die Turngala.

Im goldenen Käfig

Den Start machte der MTV Ludwigsburg mit elf Turnerinnen und einem Turner. In engen, dunkel glitzernden Kostümen und zu Filmmusik wie aus einem Fantasy-Film rollten sie in einem drei Meter hohen, goldenen Käfig in die Halle und präsentierten eine sorgfältig choreographierte Darbietung. Die Athleten zeigten Variationen an, auf und in dem Käfig. Die Kombination aus Tanz und Turnen endete mit einem beeindruckenden Abschlussbild.

Auch das Kinderturnen durfte bei der Turngala nicht fehlen. Getreu dem diesjährigen Motto zeigten rund 30 Kinder des TSV Hochmössingen in bunten Outfits Akrobatik auf Trampolinen zu dem „Kool and the Gang“-Hit „Celebration“.

Eine würdige Einleitung erhielt die Komikerin Rosemie Warth. Rund 40 Personen betraten aus allen Richtungen die Bühne. Jedoch nicht in enger Turnkleidung sondern in Jeans, Turnschuhen und Winterjacken. Einige brachten Koffer mit, andere kamen auf einem Cityroller hereingefahren. Motivierende Zitate und Sprüche erschienen auf der Leinwand, die Menschen auf der Bühne begegneten einander, umarmten sich. Mittendrin: Rosemie. Nach und nach verließen die vielen Menschen die Bühne wieder und der helle Spot war auf die Komikerin gerichtet. Mit ihrer charmanten und selbstironischen Art und viel Konfetti führte sie durch das Turngala-Programm und sorgte unterhaltsam für Abwechslung.

Das folgende Showprojekt mit Akrobatik an einem Holztisch sorgte für viel Applaus. Zwei Männer in Jeanshosen und mit stählernen Oberkörpern sowie eine junge Frau in kurzem Kostüm präsentierten Variationen von Balanceakten zu dritt. Mehrmals schien es so, als würden sie die Erdanziehung außer Kraft setzen. Ihre Disziplin forderte sichtlich viel Kraft und eine geballte Ladung Konzentration. Für eine dynamische Gute-Laune-Performance sorgten fünf Turnerinnen des SKC Tabea. In ihren hellglitzernden Kostümen zeigten sie mit leuchtend bunten Gymnastikbällen eine Variation von Ballettelementen und präziser Ballchoreographie.

Lukas und Aaron überzeugten  am sogenannten „Cyr Wheel“, einer Art übergroßem Hulahoop-Reifen, von ihrem Talent. Ihre Darbietung erzählte die Geschichte von zwei Freunden im Streit. Den Reifen, den sie nie in seiner Bewegung stoppten, nutzen sie mit präziser Koordination, und spielten ihn sich gegenseitig zu. Die Choreographie, die das Tänzeln und knappe, verbale Ausweichen eines Disputes imitierte, war beeindruckend und ungewöhnlich.

Stepptanz à la Rosemie

Während einer Umbaupause zeigte Komikerin Rosemie eines ihrer Talente: den Stepptanz. Doch es war kein gewöhnlicher Stepptanz, sondern einer à la Rosemie. Vor ihrer Performance steckte sie sich noch schnell zwei Bonbons in den Mund, ehe ein klassischer Fred-Astaire-Tanzsong aus den Boxen erklang. Die Geräusche eines Stepptänzers imitierte Rosemie mit den Bonbons im Mund. Eine Darbietung, die für viele Lacher und langen Applaus beim begeisterten Publikum sorgte.

Weitere große Showacts folgten, wie „Jose y Gaby“, ein Turnerpaar, das an Seilen in mehreren Metern Höhe eine ergreifende Geschichte erzählte. Oder „Lift“, zwei Männer und zwei Frauen in Rockabilly-Outfits, die am doppelten Fangstuhl in rund drei Metern Höhe zu Rock’n Roll eine Art lebendigen Trapez präsentierten.

Der Äthiopier Fasil Moges zeigte eine unglaubliche Körperbeherrschung, als er auf einer freistehenden Leiter balancierte. Sein Tanz und die Kunststücke, die er auf der wackeligen Requisite ausübte, ließen das Publikum einige Mal die Luft anhalten, um dann in tosenden Applaus auszubrechen. Mit einem großen Finale schlossen die Künstler des Abends die Turngala in Ludwigsburg und das Jahr 2019 ab, und verabschiedeten sich ins Jahr 2020.