Ihn einmal persönlich zu treffen, war schon immer der große Traum von Selina Schneeweis. Schon als Dreijährige hat das junge Mädchen beim Mutter-Kind-Turnen nach Florian Hambüchen gesucht und dem Turnerstar später immer wieder Briefe geschrieben.

„Dass er heute wirklich in Kleinsachsenheim bei unserem Sporttag ist und direkt vor mit steht, habe ich immer noch nicht ganz realisiert“, schwärmte die inzwischen 14-Jährige mit strahlenden Augen. Zu verdanken hatte die begeisterte Geräteturnerin diese besondere Begegnung ihrer Mutter Melanie, ebenfalls Übungsleiterin beim TSV Kleinsachsenheim, die den Besuch Hambüchens bei einem Gewinnspiel zur Turn-Weltmeisterschaft in Stuttgart gewonnen hatte. Hambüchen selbst ist Botschafter der WM, die an diesem Freitag in der Landeshauptstadt beginnt.

„Für mich ist es sehr schön einmal wieder gewissermaßen zu meinen Wurzeln zurückzukehren, denn auch ich habe einmal klein beim Mutter-Kind-Turnen angefangen. Die Nachwuchsturnerinnen aus Kleinsachsenheim sind sehr interessiert und haben sich wohl schon lange um ein Treffen mit mir bemüht. Daher ist es umso schöner, dass ich heute hier sein kann“, betonte der Olympiasieger im Gespräch mit der BZ.

Hambüchen beantwortete geduldig die Fragen der jungen Mädchen und ließ sie sogar einen Blick auf sein Tattoo auf seinem Bauch werfen, das einen Reckturner und die wichtigsten Olympiastationen des Ausnahmeturners zeigt. Sogar beim gemeinsamen Eröffnungstanz des Sporttages auf der Bühne in der Mehrzweckhalle war der sympathische Hambüchen mit von der Partie und schwang gemeinsam mit dem Vorstand des TSV Kleinsachsenheim Reiner Thaller die Hüften.

Autogramme für die Fans

Rund 120 Kinder des Vereins und des TV Großsachsenheim im Alter von zwei bis 18 Jahren nahmen an den drei unterschiedlichen Disziplinen des Sporttags, der alljährlich stattfindet, teil. Die Leichtathleten waren auf dem Außengelände aktiv, während die Jüngsten beim Purzel-Cup in der Mehrzweckhalle ihren Spaß hatten, und die Geräteturnerinnen in der benachbarten Sporthalle ihr Können zeigten.

Dabei schaute Fabian Hambüchen gerne zu und nahm sich ausreichend Zeit für viele Autogramme für seine kleinen und großen Fans.

„In einer solchen Turnergemeinschaft mit den jungen Menschen zu sein, macht immer Spaß. Irgendwann einmal könnte ich mir auch vorstellen in der Nachwuchsarbeit selbst aktiv zu werden, zumal mein Vater und einstiger Trainer Wolfgang Hambüchen im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen will. Bei uns in Wetzlar gibt es danach Bedarf auf dem Trainerposten“, erklärte Hambüchen, der im Moment jedoch noch viele andere Aufgaben unter anderem als Fernsehexperte für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hat.

„Für die Turn-WM in Stuttgart wünsche ich mir, dass beide deutsche Mannschaften die Olympia-Qualifikation schaffen. Die Frauen haben dabei die größeren Chancen auf vordere Platzierungen. Aber auch bei den Männern habe ich gestern bei einem Podiumstraining zugeschaut, und sie haben alle einen sehr konzentrierten Eindruck gemacht“, so Hambüchen, der 2007 bei der Turn-Weltmeisterschaft, die damals ebenfalls in Stuttgart stattfand, mit dem WM-Titel am Reck einen seiner größten sportlichen Erfolge feierte.

„Ich wünsche mir, dass in den kommenden Tagen der Fokus auf der Weltmeisterschaft liegt und meine Kritik, die ich im Vorfeld am Deutschen Turnerbund geübt habe, nicht mehr so sehr im Vordergrund steht. Es war eine konstruktive Kritik, die bei den Vertretern des DTB sehr gut aufgenommen wurde. Wir wollen weiter zusammenarbeiten und viel miteinander über Verbesserungsmöglichkeiten in der Zukunft reden“, unterstrich der Turnerstar.

Er hatte den DTB-Verantwortlichen unter anderem vorgeworfen in der Vergangenheit zu wenig für die Trainerausbildung vor allem in der Nachwuchsarbeit getan zu haben.

Der Vorstand des TSV Kleinsachsenheim Thaller war vom prominenten Gast beim diesjährigen Sporttag sehr begeistert. „Wir alle konnten uns heute davon überzeugen, dass Fabian Hambüchen nicht nur ein sehr guter Turner ist, sondern auch ein toller Mensch ohne jegliche Allüren“, zog Reiner Thaller ein zufriedenes Fazit eines außergewöhnlichen Tages, der allen Beteiligten, vor allem der jungen Selina Schneeweis, noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz