Im vergangenen Jahr starben 36 Väter, 17 Mütter, 12 Geschwister, 9 Großeltern und ein Freund von Kindern und Jugendlichen, die sich von Michael Friedmann und seinen Mitarbeitern haben helfen lassen. „Kinder sind nicht zu klein für große Themen“, sagt Michael Friedmann, Referent für Kinder- und Jugendtrauer der Ökumenischen Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg. Kinder reden aber anders über Trauer und gehen anders damit um. Dies hat die Hospizinitiative erkannt und reagiert.

Ein gemeinnütziger Verein

Die Ökumenische Hospizinitiative im Kreis gibt es seit 1996 und wurde von Caritas, Diakonie, Karlshöhe sowie dem evangelischen und katholischen Dekanat Ludwigsburg gegründet. 2007 wurde unter deren Dach der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst geschaffen. Im Gegensatz zum Hospizdienst für Erwachsene, bei dem die Begleitung endet, wenn das Leben des Betreuten endet, gehöre es im Kinder- und Jugendbereich dazu, die Eltern und Familien auch nach dem Tod des Betroffenen weiterhin zu begleitet, erklärt Sabine Horn, Geschäftsstellenleiterin der Hospizinitiative. Auch sei ein Andocken an den Hospizdienst nach dem Tod möglich, um zu lernen, mit der Trauer umzugehen. Dieses Angebot werde immer häufiger genutzt.

Für die Hospizarbeit, also die Phase vor dem Tod, zahlen Krankenkassen Fördergelder, nicht aber für die Trauerarbeit. Dieses Angebot existiert ausschließlich auf Spendenbasis. „Es gab und gibt wenig Angebote in diese Richtung“, sagt Horn und der Anteil an Trauerbegleitung sei inzwischen gleichauf mit dem Hospizbereich. Vor fünf Jahren entschied sich die Hospizinitiative eine feste Stelle für Kinder- und Jugendtrauer einzurichten, die seitdem Michael Friedmann bekleidet. Der Landkreis bezuschusst das Gehalt.

„Das Schöne an unserer Arbeit ist, dass wir uns auf den Menschen einlassen“, sagt Friedmann. Jedoch ist nicht für jedes trauernde Kind eine Einzelbegleitung das Richtige. Friedmann führte selbst Einzelbegleitungen durch und kam dabei auf die Idee, Jugendliche zusammenzubringen. Der Austausch von Jugendlichen, die Ähnliches erlebt haben, schien ihm sinnvoll. 2015 lud er sechs Jugendliche ein und sagte: „Wir haben keine Konzeption. Wo soll’s für euch hingehen? Was soll nicht sein?“. Beim Erzählen muss Friedmann noch immer schmunzeln. „Kerzen, gedämpftes Licht und bedröppelte Musik“ seien ausschließlich abgelehnt worden. Es sollte eine ehrliche und offene Situation entstehen – Normalität, wenn es überall sonst drunter und drüber geht. Impulse und Spielideen seien geboten worden, „das Wesentliche ist aber, was sich die Jugendlichen geben. Sie können sich gegenseitig viel fragen und sagen“, sagt Friedmann. Und zwar ganz ungezwungen: „Hä? Wer ist eigentlich bei dir gestorben?“

Die Jugendtrauergruppe werde für ein bis drei Jahre von sechs bis acht Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren besucht und finde alle drei Wochen statt. Gemeinsame Aktionen wie Christbaumkugeln gestalten oder auch Kletterausflüge werden unternommen, auch gibt es Reitkurse und Fotoworkshops. Besuche in der Schule, Gespräche mit Lehrern und Mitschülern sind auch möglich. Für Kinder von 7 bis 13 Jahren gibt es eine eigene Gruppe: den Kinder-Trauer-Club und parallel dazu das Eltern-Trauer-Café.

Info Zum fünfjährigen Bestehen der Kinder- und Jugendtrauer findet am Samstag, 2. November, ab 19.30 Uhr ein Benefizabend im Forum in Ludwigsburg statt. Mit Clownin Peppi Hampel, den „Füenf“ und anderen.

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Die Arbeit der ehrenamtlichen Kinder- und Jugend-Trauerbegleiter


Eine wesentliche Säule seien die 40 Ehrenamtlichen, die im Kinder- und Jugendhospizdienst tätig sind und den Kindern beim Sterben oder Trauern zur Seite stehen, sagt Michael Friedmann. Sie kümmern sich um die Einzelbegleitungen.

Einer dieser Ehrenamtlichen ist Reiner Gillé. Der Familienvater hat selbst zwei erwachsene Töchter, trotzdem kümmert sich der hauptberufliche Karosseriebaumeister in seiner Freizeit um Kinder, die bald sterben oder den Verlust eines Elternteils oder von Geschwistern durchleben. „Kinder legen einen überraschenden Pragmatismus an den Tag“, sagt Gillé. Unerwartet können Fragen kommen wie: „Glaubst du, der Sonnenstrahl, der bei der Beerdigung auf den Sarg meines Vaters schien, war Gott?“ Und genauso schnell sei das Thema dann auch wieder vorbei. „Kinder schützen ihre Eltern auch“, sagt Gillé. Manchmal hätten gerade todkranke Kinder starke Schmerzen, die sie zwar vor ihm, jedoch nicht vor der Mutter zeigen wollen.

Kuscheln, spielen, reden – das seien seine Aufgaben. Gillé war 25 Jahre lang Fußballtrainer. Seine jetzige ehrenamtliche Aufgabe sei wertvoll, „das gibt mir viel“, sagt er. Er versuche möglichst mit dem Fahrrad zu den Treffen zu fahren. Er wolle die Fälle nicht in seine Familie tragen, „manchmal fließen dann beim Heimradeln auch die Tränen.“ hevo