Serie Berufe Tradition trifft auf Moderne

Tobias Willmann, Inhaber der Demeter-Gärtnerei Willmann in Ingersheim, zeigt Heidi Vogelhuber von der BZ, wie ein Eichblatt-Salat richtig geerntet wird. Auf den Feldern der Ingersheimer Demeter-Gärtnerei gibt’s die ganze Saison über etwas zu ernten.
Tobias Willmann, Inhaber der Demeter-Gärtnerei Willmann in Ingersheim, zeigt Heidi Vogelhuber von der BZ, wie ein Eichblatt-Salat richtig geerntet wird. Auf den Feldern der Ingersheimer Demeter-Gärtnerei gibt’s die ganze Saison über etwas zu ernten. © Foto: Werner Kuhnle
Ingersheim / Heidi Vogelhuber 13.08.2018

Zaghaft greife ich mit der linken Hand nach dem üppigen Salatkopf der Sorte Eichblatt. Meine Hand ist etwas zittrig, ich befürchte, das knackige Blattgemüse zu zerdrücken. Die unteren Blätter müssen leicht angehoben werden, um den Strunk zu sehen, habe ich gelernt. Und dann kommt das kleine rote Messer zum Einsatz. Unsicher setze ich es vier, fünf Mal an, um die richtige Position zum Abschneiden zu ermitteln. Ich wage es, und habe den Salatkopf in der Hand. Die sogenannten Umblätter müssen entfernt werden. Normalerweise sind das nur wenige Blätter, ich sehe, dass es bei meinem Salat bestimmt acht Stück sind. Beschämt lasse ich sie auf den Boden fallen und lege den Salatkopf mit dem Strunk nach oben auf den Weg neben dem Gemüse. Ein Packer wird später jeweils acht Köpfe in eine Kiste legen, die wiederum auf einen Traktor geladen werden, der zwischen den Beeten fährt. Auf den Traktor passen etwa 70 Kisten. Der Gärtnermeister, der meinen Job eigentlich macht, schafft gut 140 Kisten in zwei Stunden. Ich habe locker drei Minuten für einen einzigen Kopf gebraucht – bin aber trotzdem sehr stolz auf meinen Eichblatt, der etwas mehr Blätter lassen musste als nötig.

Etwas Ruhiges und Meditatives hat die Arbeit in der Demeter-Gärtnerei Willmann in Ingersheim. Jeder Beschäftigte hat seine Aufgabe. Morgens um 7 Uhr ist Arbeitsbesprechung, bei der die rund 20 Mitarbeiter überlegen, was gemacht werden muss und wer sich um was kümmert. Dann schwärmen sie aus. In den Gewächshäusern müssen Tomaten und Gurken geerntet werden, auf den Feldern werden Salat und Zucchini zusammengeklaubt, die Ernte muss nach Größe und Klasse sortiert, verpackt und etikettiert werden, um dann in regionalen Bioläden, im Großhandel und vor allem im eigenen Hofladen angeboten zu werden. Der Hofladen ist ein Vollsortimenter, das heißt, dass neben den eigenen Produkten auch ausgewählte andere, aber stets regionale Produkte aus dem näheren Umland, zum Verkauf stehen.

Vieles erscheint sehr modern in der Ingersheimer Demeter-Gärtnerei Willmann: Die Bewässerung läuft computergesteuert, zum Beheizen der Gewächshäuser wird, soweit es geht, Solarenergie genutzt und in den neuen Gewächshäusern gibt es zwischen den Pflanzenreihen Schienen, auf denen Wagen fahren können, wodurch das Ernten erleichtert und beschleunigt wird. Die Tomatenpflanzen werden wie Kabelstränge zusammengeführt und umgelenkt, im Oktober werden sie eine Länge von 18 Metern erreicht haben.

Daneben gibt es aber auch noch das alte Gewächshaus, das schon über 40 Jahre existiert. Die Tomatensträucher erinnern an einen Dschungel, und die erntenden Gärtner zwängen sich mit Schubkarren durch die Gänge. Alte Sorten werden gezogen wie rote, gelbe, gescheckte Fleischtomaten. Das Saatgut wird selbst getrocknet. Auch werden Kühe gehalten, die Dünger produzieren. „Wir haben hier eine Kreislaufwirtschaft“, sagt Tobias Willmann, der zum Jahreswechsel den Familienbetrieb mit dem sechs Hektar großen Betriebsgelände in der dritten Generation übernommen hat.

Den Demeter-Richtlinien entsprechend, wird das Willmann-Gemüse nicht künstlich gedüngt oder gespritzt. Der empfindliche Kohl ist mit einem Netz abgedeckt, sodass sich keine Schädlinge über ihn hermachen. Betritt man das erste Gewächshaus ist überraschenderweise Klee angebaut. „Mindestens einmal im Jahr wird in den Gewächshäusern Gründüngung betrieben“, erklärt Willmann den Klee. Auf den Äckern ist das nur alle drei Jahre nötig.

Luzernen für gesunde Erde

Hinter den Gewächshäusern präsentiert Tobias Willmann Wurzelsichtkästen, aus denen Luzernen wachsen. Klappt man die Kästen auf, ist hinter einer Glasscheibe Erde zu sehen. Oberirdisch etwa wadenhoch, unterirdisch erstrecken sich die Wurzeln der lila blühenden Pflanze gut einen Meter in die Tiefe. Dicht verästelt durchziehen sie die Erde. „Dadurch wird die Erde aufgelockert und zeitgleich gedüngt“, erklärt der Gärtnerei-Inhaber.

Wer sich nun gerne als Erntehelfer betätigen würde, um den Geruch nach Erde und frischem Gemüse einzuatmen sowie die Ruhe, fernab von PC und Telefon zu genießen, hat leider Pech gehabt. In der Gärtnerei Willmann arbeiten nur fachkundige Festangestellte – und das ganzjährig.

Mein Eichblatt-Salatkopf ist übrigens nicht in den Handel gekommen, sondern ich durfte ihn mitnehmen und werde ihn mir nun nach getaner Arbeit schmecken lassen.

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