Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Tourismus in der Region? Dazu finden sich Antworten im Rechenschaftsbericht 2019 von 3B-Tourismus. In dem Verbund bündeln Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim und Besigheim als Namensgeber sowie die Ge­meinden Erlig­heim, Kirch­heim, Löch­gau, Wal­heim, Freudental, Gemmrigheim und Mundelsheim ihre touristischen Aktivitäten. In dem nun vorliegenden Rechenschaftsbericht für das vergangene Jahr spielen aber auch die aktuelle Krise und die Entwicklung des Tourismusmarkts eine Rolle.

Durch die Corona-Krise und das auferlegte Beherbergungsverbot für touristische Übernachtungen ergebe sich eine völlig neue und für alle Betriebe und Dienstleister sehr schwierige und ungewisse Situation. Die vom Übernachtungs-, vor allem aber Tagestourismus stark abhängige Gastronomie leide extrem unter den Schließungen und Einschränkungen. Die schrittweise Lockerung werde die entstandenen Verluste nicht mehr auffangen und den gewohnten Betrieb nur eingeschränkt zulassen.

Reisewarnungen als Chance

Der Tagestourismus wird sich laut dem Bericht aller Wahrscheinlichkeit nach am schnellsten erholen, vielleicht sogar zu Beginn besonders hohe Besucherfrequenzen in Gastronomie-, Freizeit und Kultureinrichtungen aufweisen. Der übernachtungsrelevante Freizeittourismus aus dem nationalen Markt könnte nach Lockerung des Beherbergungsverbotes ebenfalls zügig wieder an Fahrt aufnehmen, so die Einschätzung. Dabei ruhen die Hoffnungen bei 3B vor allem auf Wohnmobil-Touristen, deren Zahl ist 2019 entgegen dem sonstigen Tourismustrend in der Region nämlich weiter angestiegen (siehe Infokasten): „Da davon auszugehen ist, dass Reisen ins Ausland erst einmal nicht möglich sein werden, werden die weit über eine halbe Million zugelassenen Wohnmobile inländische Camping- und Stellplätze aufsuchen. Mit Tagesausflüglern, Wohnmobilisten, Radfahrern oder Weinliebhabern gibt es einige Zielgruppen, die rasch für Nachfrage und Auslastung im 3B-Land sorgen könnten.“

Konkurrenz durchs Internet

Bei den internationalen Gästen werde es dagegen lange dauern, wieder annähernd die gewohnt hohen Anteile in der Region zu erzielen. Vor allem werde der Business-Tourismus, der im 3B-Land und der gesamten Region Stuttgart einen Anteil von etwa 70 Prozent einnehme, spürbare Veränderungen aufzeigen. „Es kann davon ausgegangen werden, dass aufgrund der Digitalisierung und den sich hieraus ergebenden technischen Möglichkeiten die Reiseintensität im B2B-Bereich weniger wird“, so der Bericht. So ersetzten in den vergangenen Monaten Videokonferenzen, Online-Meetings oder Webinare mehrtägige Geschäftsreisen. Experten wiesen darauf hin, dass auch zukünftig manch eine Veranstaltung ins Netz abwandern wird.

Einen Trend verstärkt die aktuelle Krise laut dem Bericht: Schon länger sei festzustellen, dass Gruppenbuchungen bei Stadtführungen rückläufig sind. Zukünftig werd dieser Markt sogar noch schwieriger werden. Das Reisen in Gruppen werde erst einmal zurückgehen. So müssten verstärkt Angebote für Individualreisende und Kleingruppen entwickelt werden.

Neue Angebote entwickeln

In der Annahme, dass die Nachfrage beim Inlandtourismus anziehen wird, und Segmente wie Wandern, Radfahren und Genuss immer beliebter werden, ist das eine große Chance für die 3B-Region und deren Anbieter. Daher seien Produkte für die verschiedenen Zielgruppen zu entwickeln und auf den jeweiligen Märkten zu platzieren. Es gelte die vorhandenen Mittel bestmöglich einzusetzen, neue Wege einzuschlagen, Kooperationen auszubauen und möglichst viele Synergieeffekte zu erzielen.

Mit Wein-Events, der Wanderwegebeschilderung von 2016, dem Ausbau der Wohnmobilplätze oder der Entwicklung von digitalen Angeboten positioniere sich das 3B-Land bereits als leistungsstarke und innovative Destination. Diese Investitionen in die Qualität der Freizeitinfrastruktur und in das Erlebnis- und Genuss­angebot kämen Gästen wie Einheimischen gleichermaßen zugute. „Sie liefern Argumente, die Region an Neckar, Enz und Stromberg zu besuchen, stärken weiche Standortfaktoren und gleichermaßen die Außendarstellung“, so der Rechenschaftsbericht weiter.
Im Zuge der Krise sollen gemeinsam mit den regionalen Tourismusverbänden (Kraichgau-Stromberg  und Regio Stuttgart) und der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg weitere Strategien für Digitalisierung und Werbung entwickelt werdeb. Das 3B-Tourismus-Team habe bereits seine Facebook-Aktivitäten verstärkt. Auch die örtlichen Leistungsträger sollen motiviert werden, weitere Angebote zu schaffen. So wurde bereits angeregt, dass Hofläden oder Weingüter Plätze für Wohnmobilisten einrichten sollen.

Deutlicher Rückgang bei der Zahl der Übernachtungen


Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Übernachtungen im 3B-Land erstmals seit Jahren wieder zurückgegangen. Hatte man 2018 noch knapp 124 700 Übernachtungen gezählt, waren es 2019 nur knapp 118 000.

Bereits im Bericht 2018 wurde laut aktuellem Rechenschaftsbericht darauf hingewiesen, dass sich die Betriebs- und Bettenkapazität in Bönnigheim, Besigheim und Bietigheim-Bissingen schon seit Jahren mengenmäßig auf dem gleichen Niveau bewegt. In Bietigheim-Bissingen komme noch hinzu, dass das zweitgrößte Hotel, das Parkhotel, seit 2017 keinen Restaurantbetrieb mehr unterhalte. Ein weiteres Haus biete seit Ende 2019 kein Frühstück mehr an beziehungsweise müssten die Gäste ihr Frühstück extern einnehmen.

Nach Auskunft mehrerer Betriebe sind die Übernachtungszahlen von Touristen nicht zurückgegangen. Die Verluste resultierten vorwiegend aus dem Rückgang des Geschäftsreisetourismus. Dass sich die 3B-Städte nach wie vor einer hohen Beliebtheit an Touristen und Kurzurlaubern erfreuen, zeige sich in der Entwicklung des Wohnmobiltourismus. Dort seien die Zuwächse deutlich und zu dieser Gästegruppe zählen mehrheitlich Touristen.

In Bönnigheim stiegen die Übernachtungszahlen auf dem städtischen Stellplatz von 749 (2018) auf 879.

In Besigheim war mit 1023 ein leichter Rückgang um 44 Übernachtungen zu verzeichnen und in Bietigheim-Bissingen stieg die Zahl der Übernachtungen auf dem Wohnmobilstellplatz von 499 auf 1095.

In Bietigheim-Bissingen ist der Wohnmobilstellplatz im Sommer 2018 von der Mühlwiesenstraße auf den neuen Platz an der Metter umgezogen. In dieser Zeit war der Stellplatz beziehungsweise der Parkscheinautomat für einige Wochen außer Betrieb. In dieser Zeit wurden keine Zahlen ermittelt und daher ist ein Vergleich mit 2018 nur bedingt möglich. 2017 zählte man in Bietigheim-Bissingen 706 Übernachtungen in Wohnmobilen. bz