Uraufführung Tod einer Unsterblichen

Regina Gisbertz spielt Marilyn Monroe im Stück „Bye bye, Baby“ am Alten Schauspielhaus.
Regina Gisbertz spielt Marilyn Monroe im Stück „Bye bye, Baby“ am Alten Schauspielhaus. © Foto: Sabine Haymann
Stuttgart / Patricia Fleischmann 11.06.2018

Marilyn Monroes Tod bietet viel Raum für Spekulationen. Die Uraufführung von „Bye bye, Baby“ füllt ihn auf der Bühne des Alten Schauspielhauses Stuttgart mit einer eigenen Fiktion. Noch-Intendant Manfred Langner gibt damit seine letzte Premiere als Co-Autor, bevor er nach Trier wechselt.

Regie führte in diesem Schauspiel mit Musik Mitautor Ulf Dietrich. Geschickt verknüpft das eingespielte Autorenteam Langner-Dietrich („BuntesRepublik“) die losen Fäden um den tragischen Tod der wohl bekanntesten Blondine, steckt beste Freundin, Haushälterin, Psychiater, FBI und Regierung kurzerhand unter eine Decke, gemeinsam verantwortlich für den in dieser Lesart unfreiwilligen Tod von Marilyn Monroe.

Regina Gisbertz gibt den Hollywoodstar. Haucht zum Auftakt eine ganz gelungene Imitation des Präsidenten-„Happy Birthday“ ins Mikrofon – und später noch manchen Song mehr –, bewegt gekonnt Arme wie Hüfte und setzt Augenaufschläge, die denen der Monroe sehr nahe kommen. Doch weder Perücke noch Schönheitsfleck erwecken hier die echte Marilyn. Was fehlt, ist ironischer Weise genau das, wogegen der Original-Star immer häufiger angekämpft hat, da Produzenten wie Publikum sie stets darauf reduzieren wollten: die Colaflaschen-Sanduhr-Figur, diese „typisch“ Monroeschen Kurven.

Allerdings: Die Story dieser letzten 24 Stunden im Leben des Stars sind hier dennoch des Sehens und des Hörens wert. Wie sich aus dem scheinbar schwachen, fremd-, ja sogar Haushälterinnen-gesteuerten Püppchen eine knallharte Verhandlungspartnerin entwickelt, die Axel Weidemanns Fox-Chef mit klaren Worten schlucken macht: „Ich spiele dir alles, nur nicht den Sündenbock.“

Unfall, Selbstmord, Mord?

Wie der Kennedy-Bruder (Harald Pilar von Pilchau) ihr schließlich zusetzt, verlangt, dass sie „das Material“, Fotos und Briefe, die den Präsidenten kompromittieren könnten, herausrückt. Wie sie sich dennoch wehrt, ihren Psychiater (Ernst Wilhelm Lenik) und die ihm hörige Haushälterin (Heike Schmidt) austrickst. Schlussendlich dennoch scheitert, weil die einzige Person, der sie noch traut, Teil des Komplotts gegen sie ist: ihre beste Freundin und PR-Managerin Pam, gespielt und gesungen von Judith Guntermann.

Ob Marilyn Monroes Tod nun Unfall, Selbstmord oder Mord war. Mit diesen Worten behält Manfred Langner Recht: „Marilyn starb vor 56 Jahren. Und ist seitdem unsterblich.“

Info Weitere Aufführungen noch bis zum 14. Juli täglich außer sonntags um 20 Uhr.

www.schauspielbuehnen.de

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