Oberriexingen/Oberderdingen Theaterspaziergang des Oberriexinger Theaters unter der Dauseck

Das Oberriexinger Theater unter der Dauseck gastiert dieser Tage in Oberderdingen.
Das Oberriexinger Theater unter der Dauseck gastiert dieser Tage in Oberderdingen. © Foto: Theater unter der Dauseck
Oberriexingen/Oberderdingen / MIRIAM STAUDACHER 28.06.2013
"Ein Stück nebst Herz" - so lautet der Titel des neuen Stück des Theaters unter der Dauseck. Das Oberriexinger Ensemble gastiert damit vier Wochen lang außerhalb des Landkreises. In Oberderdingen.

Fährt man vom Kreis Ludwigsburg kommend nach Oberderdingen hinein, so findet sich am Ortseingang keinerlei Hinweis darauf, dass dort von diesem Freitag an vier Wochen Theater gespielt wird. Das ist schade, denn seit Monaten schon probt das Ensemble des Theaters unter der Dauseck (TuD) mit viel Herzblut "Ein Stück nebst Herz", das bis einschließlich 28. Juli im Amthof der Kraichgau-Gemeinde aufgeführt wird. Über mangelnde Besucherzahlen wird sich das TuD trotzdem kaum Sorgen machen müssen: Die Premiere ist bereits seit Wochen ausverkauft, und für einige der 14 Vorstellungen gibt es nur noch wenige Restkarten.

Denn es sind viele langjährige, treue TuD-Freunde, die jedes Jahr erneut dem besonderen Reiz der Theaterspaziergänge erliegen und dem Ensemble in sämtliche Aufführungsorte folgen. Für die aktuelle Inszenierung hat sich das in Oberriexingen beheimatete Laienensemble mit dem Amthof in Oberderdingen einen geradezu idealen, da räumlich abgeschlossenen Spielort auserwählt. Keine vorüberfahrenden Autos oder flanierende Passanten stören das Geschehen sehr frei nach Shakespeare und frei nach der Geschichte Oberderdingens. Um die Geschichte des Kaufmanns von Venedig hat die TuD-Autorin Barbara Schüssler einen fantastischen, bunten Teppich aus historisch verbrieften, örtlichen Gegebenheiten und Anspielungen auf die moderne (Finanz)-Welt gewoben. Die Regisseurin Christine Gnann hat daraus, gemeinsam mit der Schauspielerin Elif Veysioglu, eine facettenreiche, lebendige Inszenierung gemacht, die die im Amthof gelegene Kirche, die Kelter und den Hexenturm belebt: Mal witzig, mal wuchtig, mal nachdenklich stimmend und mal schön romantisch.

Die maßgeschneiderten Kostüme sind in der Tat spektakuläre Hingucker: Die Bühnen- und Kostümbildnerin Judith Phillip schuf, assistiert von zwei Studentinnen der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart, fantasievolle, farben- und formenprächtige Kreationen; sie setzte der schönen, reichen und klugen Ornata einen fransigen Lampenschirm auf den Kopf, drapierte dem (und hier wird es wirklich sehr frei nach Shakespeare) Freier aus dem All Luftballontier ähnliche Gebilde ums Haupt und steckte den Darsteller des Ommu in ein zitronengelbes, ausladendes Etwas. Den Äste tretenden, teuflischen Hund im Baum zierten pechschwarze Zotteln, und der in die Jahre gekommenen Hausdame Tate verpasste sie nicht enden wollende, weiße geflochtene Zöpfe, mit denen die Darstellerin wunderbar wedeln durfte.

Das Schöne dabei: In all diesen ausgefallenen, herrlich bunten Kostümen stecken ausnahmslos sehr spielfreudige Haupt- und Nebendarsteller, die mit Leidenschaft und großem Engagement beim Amthof-Spektakel Oberderdingen mitwirken.

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