Autos und Lastwagen stoßen heute zwar deutlich weniger Treibhausgase und Luftschadstoffe aus als noch vor 25 Jahren. Zum heutigen Tag der Umwelt fällt die Bilanz für den Kreis Ludwigsburg dennoch nicht nur positiv aus,  wie aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen.

Schärfere Abgasvorschriften und bessere Kraftstoffe: Das sind laut Umweltbundesamt zwei Gründe, warum ein Auto heute weniger die Umwelt belastet als früher. Die sinkenden Zahlen seien auch ein Erfolg der bisherigen Luftreinhaltung, sagt der Verkehrsreferent des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Klaus-Peter Gussfeld: „Aber das Ergebnis kann nicht als gut bezeichnet werden.“

Bereinigte Daten

In Baden-Württemberg bewegen sich die Emissionen im Straßenverkehr auf einem höheren Niveau als bisher angenommen, wie neue Zahlen des Statistischen Landesamts nun belegen. Die bereinigten Daten berücksichtigen neue Messwerte und reale Fahrsituationen. Das Ergebnis: Bei den seit der Dieselaffäre besonders im Blick stehenden Stickoxid (NOx)-Emissionen ergeben sich den neuen Berechnungen zufolge über alle Fahrzeugarten knapp 30 Prozent höhere Emissionen für das Jahr 2018 als bisher angenommen. Sie liegen nun bei 60 000 Tonnen.

Im Kreis Ludwigsburg beliefen sich die Stickoxid-Emissionen im Jahr 1995 noch auf 5524 Tonnen. Sie sanken bis 2018 kontinuierlich um rund 46 Prozent auf 2581 Tonnen. Der Landkreis liegt  damit im Landesvergleich auf dem sechsten Platz nach dem Rhein-Neckar- und dem Ortenaukreis, Stuttgart, Karlsruhe und Heilbronn.
Während die Stickoxid-Emissionen in der Region bei den Benzinern, Lastwagen, Bussen und Krafträdern sanken, stiegen sie bei den Dieselfahrzeugen (von 624 auf 1387 Tonnen) und bei den leichten Nutzfahrzeugen (von 174 auf 394 Tonnen). Neben der „Trickserei der Automobilindustrie“ bei den Dieseln, die auf der Straße bis zu zehnfach höhere Emissionen zeigten als auf dem Prüfstand, sieht Gussfeld die Zunahme von Lieferfahrzeugen als Hauptursache.
Der boomende Onlinehandel sei hier ein großes Problem für die Kommunen. Er ruiniere nicht nur die Innenstädte, sondern führe auch zu mehr Verkehr. Der Verkehrsreferent des BUND plädiert dafür, die innerstädtische Logistik mithilfe von Lagern vor den Städten zu bündeln. „Das ist auch eine große Chancen für Lastenräder“, sagt Gussfeld. Beim Feinstaub (PM 10) fallen die Abgasemissionen laut aktueller Statistik ebenfalls höher aus als bisher gedacht.
Zwischen 1995 und 2018 sanken sie im Kreis Ludwigsburg von ursprünglich 333 auf 111 Tonnen. Das Statistische Landesamt weist darauf hin, dass neben den Abgasemissionen der Bremsen- und Reifenabrieb weitere Quelle für Feinstaub seien. Dessen Entstehung ist direkt von der Fahrleistung abhängig und da diese landesweit seit 1995 um 13 Prozent gestiegen ist, hat sich der Anteil des abriebbedingten Feinstaubs am Gesamtfeinstaub erhöht. Seit 2013 werden mehr Feinstäube über Bremsen- und Reifenabrieb an die Umwelt abgegeben als durch die Verbrennung.

Neue Grenzwerte

Die bestehenden Grenzwerte für Stickoxid und Feinstaub seien nur das eine, sagt Verkehrsreferent Gussfeld. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) plädiere dafür, die Jahresgrenze von Feinstaub (PM 10) von 40 auf 20 Mikrogramm zu reduzieren und die Anzahl der Tage, an denen die Feinstaubgrenze überschritten werden dürfe, von 35 Tagen auf drei Tage zu reduzieren. Darüber hinaus diskutiere die EU darüber, Grenzwerte für kleinere Feinstaubpartikel (PM 2,5) einzuführen. Für den Verkehrsreferenten des Umweltverbands steht fest: „Die Verkehrsmenge muss reduziert werden.“

Internationaler Tag der Umwelt


In Erinnerung an die Eröffnung der Konferenz der Vereinten Nationen zum Schutz der Umwelt am 5. Juni 1972 in Stockholm haben die Vereinten Nationen und vier Jahre später auch die Bundesrepublik Deutschland den 5. Juni zum jährlichen „Tag der Umwelt“ erklärt.

Mit unterschiedlichen Veranstaltungen, Aktionen und Maßnahmen wird an diesem Tag global ökologische Courage gefördert. Weltweit beteiligen sich rund 150 Staaten an diesem World Environment Day, der das Bewusstsein dafür stärken soll, dass es vor allem der Mensch selbst ist, der die Vielfalt und Stabilität der Umwelt bedroht. moc