Reisen bildet, heißt es im Volksmund. Seit einem Georgien-Trip kenne ich nun sogar Josef Stalins Lieblingslied – dank unserer Reiseführerin Shorena, die die melancholische georgische Volksweise „Suliko“ (übersetzt Seele) im Bus vorspielte. Der grausame Diktator der Sowjetunion hatte offenbar auch eine sanfte Seite. Wieder im Hotel hörten mein Kumpel und ich uns mehrere „Suliko“-Versionen an, darunter auch den Mitschnitt aus einem Konzert der georgisch-britischen Sängerin Katie Melua. Letzteren schickte ich meiner Frau per WhatsApp- Nachricht als Gute-Nacht-Gruß nach Hause, mit dem Hinweis auf Stalins Vorliebe. Doch ich hatte die Rechnung ohne das westlich-imperialistisch geprägte Rechtschreibprogramm meines Handys gemacht. Dieses verbesserte „Suliko“ kurzerhand in „Silikon“, was meine Gattin natürlich sehr irritierte. Wie Stalin zu Silikon stand, vermag ich jedenfalls nicht zu sagen. So sehr bildet Reisen nun auch wieder nicht.