Nachbarschaftsstreit Streit vorerst juristisch beendet

Ludwigsburg / Von Heike Rommel 25.08.2018

Ob der eine das Auto des anderen mit einer Hundeleine zerkratzt hat oder nicht, darum ging es sich bei einem Nachbarschaftsstreit im Stadtteil Grünbühl-Sonnenberg, was zu einem Strafprozess vor dem Ludwigsburger Amtsgericht führte. Eine Hundeleine als Tatwerkzeug ließ sich nicht nachweisen. Das Verfahren wurde mit 1500 Euro zugunsten eines Tierheims eingestellt. Gegen den Angeklagten, einen 65-jährigen Rentner, war ein Strafbefehl über an seinem Einkommen gemessenen 90 Tagessätzen ergangen.

Er soll der Stuttgarter Staatsanwaltschaft zufolge am 10. April dieses Jahres ohne zu rechtfertigenden Grund das Auto seines Nachbarn mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt haben. Der 47-jährige Fahrzeughalter erstattete Strafanzeige gegen den Rentner, der daraufhin Einspruch einlegte. „Mein Mandant hat dieses Fahrzeug nicht zerkratzt“, so der Verteidiger. „Dieses Fahrzeug war bereits seit Dezember vergangenen Jahres zerkratzt.“ Im Übrigen hätte der Geschädigte eine Video-Kamera installiert, was juristisch einem Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht des Angeklagten gleich komme.

Die im Strafprozess gezeigte Aufnahme erbrachte aber keinen eindeutigen Tatnachweis. Lediglich war zu sehen, dass der Angeklagte langsam an dem Auto vorbei ging, was nur als Indiz gewertet werden konnte. Beweisfotos von den Kratzern am Auto des mutmaßlich Geschädigten lagen ebenfalls vor.

Als Erste trat eine 71-Jährige in den Zeugenstand. Sie war zur Tatzeit mit ihrem Hund zusammen mit dem Angeklagten Gassi gegangen. „Eine Hand am Hund und eine Hand am Stock“, wie sie sagte. Die Verteidigung legte dem Gericht eine „Flexi-Hundeleine“ vor, welche ganz bestimmt „kein spitzer Gegenstand“ sei.

Jahrelanger Streit

Der vermeintlich Geschädigte gab als Zeuge an, er hätte schon seit drei bis vier Jahren Streit mit dem Angeklagten. Er hätte „mit dem Rasenmäher Laub entfernt“ und am nächsten Tag sei sein Wagen zerkratzt gewesen. Weil er nicht gewusst hätte, wer das war, sei er auf die Idee mit der Installation einer Videokamera gekommen. Einen Stein und ein Metallstück, welche als spitze Gegenstände und somit als Tatwerkzeuge in Betracht kommen könnten, hätte er gefunden.

Für einen Polizeibeamten, welcher sich mit elf Strafanzeigen in diesem Nachbarschaftsstreit befassen musste, war das eine „lange Geschichte“.  Einen Stein hätte er sicher stellen können und nach langjährigen Erfahrungen könne er auch sagen, „ob ein Kratzer an einem Auto frisch ist oder nicht“.

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