Wegen Körperverletzung an einem Schuljungen musste sich die Mutter einer Mitschülerin vor der Strafabteilung des Ludwigsburger Amtsgerichts verantworten. Der Streit mit der Mutter des Jungen währte schon länger und konnte auch unter dem Bemühen der Klassenlehrerin nicht beigelegt werden. Mittlerweile war er so eskaliert, dass eine der Mütter auf den Anklagestuhl musste, das Gericht stellte das Verfahren um des Friedens willen ein.

Den Strafprozess hatte die 53-jährige Kornwestheimerin der Mutter des Mitschülers ihrer Tochter zu verdanken, die Anzeige bei der Polizei erstattet hat. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft legte der Frau zur Last, den Jungen am 22. Januar dieses Jahres um etwa 15.30 Uhr in der Salamanderstraße gegen eine Mülltonne geworfen zu haben. „Da ist nichts dran“, erklärte der Verteidiger der Beschuldigten, welche den Tatvorwurf bestritt.

Schülerhändel eskaliert

Ein Polizeibeamter des Kornwestheimer Reviers berichtete als Zeuge vor Gericht, im Schwimmunterricht hätte es schon einmal einen strafrechtlich relevanten Vorfall zwischen der zwölfjährigen Tochter der Angeklagten und dem Klassenkameraden gegeben. Nach den Angaben des Jungen hätte das Mädchen diesen gepackt und ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Bub hätte ein gerötetes Auge und Schmerzen im Nacken gehabt. Zwei Tage später, so der Polizeibeamte in seiner Zeugenaussage weiter, sei die Mutter mit ihren beiden Töchtern mit dem Auto an dem Jungen vorbei gefahren. Die Mädchen hätten den Jungen aus dem Wagen heraus ausgelacht. Dann sei die Angeklagte ausgestiegen, hätte den Jungen gepackt und gegen eine Mülltonne gedrückt. Der Zwölfjährige hätte sich vor lauter Angst eingenässt.

Des Weiteren wusste der Polizist von noch mehr gegenseitigen Vorwürfen der beiden Elternparteien. Die Mutter des Jungen hätte sich bei der polizeilichen Vernehmung die ganze Zeit eingemischt und der Junge hätte immer nur bestätigt, was seine Mutter vorgab. Auf der anderen Seite hätten beide Töchter der Angeklagten verneint, dass ihre Mutter aus dem Auto gestiegen ist und den Jungen gegen die Mülltonne gestoßen hat. Sie hätten den Jungen aus dem Fahrzeug heraus auch nicht ausgelacht, sondern angelacht.

Dass er von einem der Mädchen die Faust aufs Auge bekommen haben soll, hatte der Junge seiner Mutter wiederum gar nicht erzählt. Er hätte Farbe am Auge, lautete die Ausrede. Dem Polizeibeamten schilderte der Zwölfjährige, was die Mutter seiner Mitschülerin bei dem Vorfall mit der Mülltonne zu ihm gesagt hätte, folgendermaßen: „Ich kenne dich und ich kenne deine Mutter. Ich weiß, dass sie mit dem Jugendamt Stress hat und ich werde dafür sorgen, dass du wieder ins Heim kommst.“

„Ich bin um mein Leben gerannt“, sagte der Schüler bei seiner polizeilichen Vernehmung.

Vorwurf sei „eine Frechheit“

Richterin Andrea Henrich wusste, dass ein Täter-Opfer-Ausgleich zwischen den streitenden Elternparteien versucht wurde, aber nicht geklappt hat. Wenigstens sei dadurch ein bisschen Ruhe eingekehrt. Sie stellte das Strafverfahren um des Friedens willens ein und erlegte die Kosten der Staatskasse auf.

Wobei die beschuldigte Mutter nach dem Urteil meinte, sie fürchte, dass sie im nächsten Jahr wieder im Gericht sitzt, wenn ihre Tochter mit dem Jungen in derselben Schule bleibt. Im Übrigen halte sie es für „eine Frechheit“, was ihr da vorgeworfen worden sei.