Regionalverkehrsplan Straßenbahn und Umfahrungen stehen im Fokus

Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth 24.07.2018

Die Regionalversammlung hat die Fortschreibung des Regionalverkehrsplans verabschiedet. Das mehrere Hundert Seiten dicke Werk bringt für den Landkreis Ludwigsburg allerdings wenig Neues. Der Plan ist eine Bewertung bestehender ÖPNV-Angebote sowie des Straßenbestands aus Sicht des Verbands Region Stuttgart (VRS). Daraus abgeleitet sind die aus Verbandssicht vorhandenen Lücken in der Verkehrsinfrastruktur.

Die Vorschläge, wo neue S-, Stadtbahn- oder Buslinien eingerichtet und wo in der Region weitere Straßen gebaut werden sollen, sind im Verkehrsplan nach Kategorien der Dringlichkeit sortiert: Die Stufe „höchste Dringlichkeit“ ist mit der Erwartung verbunden, dass solche Projekte bis zum Jahr 2025 realisiert oder im Bau sind. Die Stufen „hohe Dringlichkeit“ und „Trassenfreihaltung“ sind im Verkehrsplan mit keinem Datum verbunden.

100 Schienenbauprojekte

Manches breit diskutierte Projekt kam lediglich in die Einstufung „hohe Dringlichkeit“. Den Zeithorizont definiert der Plan sehr vage: Die Realisierung sollte „so weit möglich ebenfalls bis zum Prognosehorizont angestrebt werden“. Zumindest sollten „die noch notwendigen vertiefenden Untersuchungen in die Wege geleitet werden“. Die unterste Bewertungsstufe ist der Beschluss, dass ein Projektvorschlag nicht weiter verfolgt wird. Insgesamt waren mehr als 100 Schienenbauprojekte der Region bewertet worden. Bei weiteren 180 Maßnahmen handelt es sich um Aus- und Neubauprojekte im Straßenverkehr.

Der Verband Region Stuttgart ist mit Ausnahme der Finanzierung des S-Bahn-Betriebs aufgrund seiner Finanzausstattung kein großer Geldgeber. Doch eine Eingruppierung in die beiden höchsten Kategorien verbessert die Chance, Fördermittel vom Land und vom Bund zu erhalten.

In der höchsten Dringlichkeitsstufe in der Kategorie „Landesstraßen“ ist die L 1107 Bietigheim-Bissingen Westumfahrung ortsnah und die L 1107 Bietigheim-Bissingen Westumfahrung ortsfern aufgeführt. Bei den Bundesfernstraßen ist die A 81 zwischen Zuffenhausen und Pleidelsheim der höchsten Stufe zugeordnet. Während es dafür breite Zustimmung gab, ist die Einstufung der Pläne für eine Nordostumfahrung Stuttgart auf der Höhe Kornwestheim dagegen auf einige Kritik gestoßen. Die Begründung im Verkehrsplan lautet, dass dort „nur unzureichende Straßenverbindungen bestehen“. Die Reaktivierung der Bottwartalbahn zwischen Marbach und Beilstein wird hingegen als weniger wichtig betrachtet: Hier gab es die Bewertung „hohe Dringlichkeit“.

„Höchste Dringlichkeit“ bei Bahn

„Trassenfreihaltung“ heißt es im Landkreis für eine Umfahrung Erligheim, eine Nordost-Umfahrung Löchgau, eine Umfahrung Besigheim-Schimmelfeld sowie für Ingersheim, Pleidelsheim, Freiberg und Bietigheim-Bissingen. Die von Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec bevorzugte Schusterbahn von Ludwigsburg nach Esslingen kam in die Kategorie „hohe Dringlichkeit“. Der von ihm gewünschte S-Bahn-Halt „Wüstenrot“ fällt lediglich in die Kategorie der Trassenfreihaltung.

Eine Stadtbahn im Landkreis  fahren zu lassen, hält der VRS prinzipiell für eine gute Idee mit „höchster Dringlichkeit“. Doch die Begründung der Planer für die Einstufung ist so offen formuliert, dass sie weder der Landkreis noch die Stadt Ludwigsburg für sich in Anspruch nehmen kann, mit der Nieder- oder Hochflurbahn, schienenlosen Straßenbahn oder Brennstoffzellenzug auf dem richtigen Weg zu sein.

Info: Die BZ nimmt diese Woche den Regionalverkehrsplan genauer unter die Lupe. In den nächsten Tagen beleuchten wir die Bedeutung des Regionalverkehrsplans für die einzelnen Gemeinden.

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