Der Gemeinderat von Freiberg hat am Dienstag nicht wenig Beratungszeit den 682 Hunden seiner Stadt gewidmet. Zum einen lag ein Antrag der Offenen Grünen Liste (OGL) vor, „die Hundekotbeutel aus Plastik (Polyethylen) durch ein abbaubares, umweltfreundliches Produkt zu ersetzen“. Immerhin 440 000 Stück hat die Rathausverwaltung im vergangenen Jahr an Hundebesitzer ausgegeben. Bei Beutel aus Maismehl oder Papier statt Plastik kämen auf die Stadt Mehrkosten im fünfstelligen Bereich zu.

Zum anderen sollte der Gemeinderat eine neue Hundesteuersatzung beschließen. Diese unterscheidet sich von der seitherigen Satzung im Wesentlichen dadurch, dass Besitzer von Kampfhunden ab nächstes Jahr eine erhöhte Steuer zu entrichten haben. Statt 120 Euro, die auch weiterhin für einen regulären Vierbeiner jährlich zu zahlen sind, sollten Kampfhundehalter künftig 720 Euro an die Stadtkasse abführen. Hat der Halter einen weiteren Kampfhund wären für diesen 1440 Euro fällig. Doch es kam anders.

Rat folgt Bürgermeister nicht

Zu beiden Tagesordnungspunkten hatte der Bürgermeister eine klare Meinung: Nein zum Ökobeutel und ein Ja zur Kampfhundesteuer. Doch Dirk Schaible konnte diese nur teilweise durchsetzen. Statt die Diskussion über Öko-Kottüten mit einer deutlichen Ablehnung im Rat endgültig vom Beratungstisch zu bekommen, wofür er in aller Deutlichkeit plädierte, wird die Debatte im Verwaltungsausschuss weitergeführt. So beschloss es nach kontroverser Diskussion eine Mehrheit. Der Rathauschef kündigte an, dass er bei seiner Meinung bleiben werde, da die Hundekotbeutel am Ende in der Müllverbrennung landeten, seien Tüten aus einen biologisch abbaubaren Material unnötig. Hundekot dürfe auch in einem Biobeutel nicht auf den Kompost, sondern müsse in den Restmüll. Das Thema sei lediglich verhandelbar, wenn ein Hersteller seine Ökobeutel „preisgleich“ zu einem Plastikbeutel anbiete.

Bei der Hundesteuersatzung folgten die Gemeinderäte ebenfalls nicht der Empfehlung der Verwaltung. Über die zwölf gemeldeten Kampfhunde sollten Mehreinnahmen von 9000 Euro generiert werden. So war es geplant. Patrick Hirsch von den Freien Wählern ist Tierarzt. Er zeigte sich empört darüber, dass mit einem fünffachen Steuersatz für bestimmte Hunderassen diese stigmatisiert würden. Er kenne aus seiner Praxis zahlreiche Hunde, die zur Kategorie Kampfhunde gehörten, aber von ihrer Natur überhaupt nicht aggressiv seien. Gefährlich seien allenfalls manche Hundehalter. Hirsch plädierte, die Sondersteuer im Satzungsentwurf vollständig zu streichen.

Nicht zu viele Kampfhunde

Dem aber wollte die Ratsmehrheit nicht folgen. Stattdessen stimmten sie eher unerwartet einem Antrag von Michael Frey (OGL) zu. Er hatte seine Überlegung in den Raum gestellt, für Kampfhunde lediglich den doppelten Steuersatz festzusetzen, also 240 für das erste und 480 Euro für ein weiteres Tier dieser Einstufung. In der Sitzungsvorlage hatte die Verwaltung argumentiert: Mit einem hohen Steuersatz solle verhindert werden, „dass bestimmte Hunderassen in Freiberg nicht überhandnehmen“. Außerdem verwies sie darauf, dass Tamm 850 Euro für einen Kampfhund verlangt und Kornwestheim sogar 900 Euro. In Bietigheim-Bissingen und Marbach kostet ein Kampfhund mit 96 Euro nicht mehr als ein normaler Hund. In Benningen liegt der Satz bei 100 Euro für beide Hundearten.