Als hätte der Himmel im letzten Moment doch noch ein Einsehen gehabt, hörte der Regen am Samstagvormittag genau in dem Moment auf, als Ingersheims Bürgermeister Volker Godel rund zweihundert gut gelaunte Gäste, darunter zahlreiche geladene, auf der herrlichen Aussichtsterrasse hinter dem Kleiningersheimer Schloss zur Einweihung der „Schlossbergrunde“ begrüßen konnte.

Zahlreiche Funktionsträger aus mehreren Verbänden und Ämtern waren am Entstehungsprozess dieses ersten von insgesamt acht geplanten Rundwegen beteiligt, und dementsprechend viele Grußworte waren bereits auf dem Einladungsflyer der Gemeinde Ingersheim angekündigt. Für den äußeren Rahmen des Festaktes sorgten der Fußballverein FV Kleiningersheim, der nicht zufällig an diesem Wochenende sein bisher zweites Weinfest mit geführten Weinbergwanderungen ausrichtet, und Heiner Ziegler, der vor und zwischen den Redebeiträgen wunderbar passende Weinlieder mit eigener Akkordeonbegleitung vortrug: „Herrliches Weinland, Ich hab‘ den Wind belauscht.“

Einmalig und bedroht

Der gemeinsame Tenor aller sechs Redebeiträge war die Betonung des unschätzbaren Wertes dieser einmaligen, aber bedrohten Kulturlandschaft und die Verpflichtung daraus, diesen Naherholungsraum mit seinen unzähligen Tier-und Pflanzenarten sowohl für die landwirtschaftliche Nutzung als auch als „Standortfaktor Natur“ zu erhalten. Dass dazu nicht nur ehrenamtliches Engagement, sondern auch Geld erforderlich ist, machte der Gemeindechef eindrücklich deutlich. Er bezeichnete es als Glücksfall, dass die „Schlossbergrunde“ mit so vielfältiger Unterstützung durch die Regionalversammlung des Landkreises Ludwigsburg, das Landratsamt, die Kreisräte und private Initiativen der örtlichen und benachbarten Weingärtner entstehen konnte. Gebündelt wurden die einzelnen Bemühungen in den übergeordneten und mit Landesmitteln geförderten „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepten“, kurz ILEK-Initiative, und einem daraus hervorgegangenen Regionalmanagement der beteiligten Neckar-Kommunen.

Dr. Nicola Schelling, die Direktorin des Regionalverbandes Stuttgart, verfiel in ihrem Grußwort geradezu ins Schwärmen bei den zahllosen Attraktionen im Neckartal und verlieh ihrer Hoffnung Ausdruck, dass mit eineinhalb Millionen Fördermitteln pro Jahr noch weitere Steillagen gerettet werden können.

Eine fruchtbare Kooperation

Dr. Christian Sußner, Dezernent am Landratsamt Ludwigsburg, beglückwünschte die Gemeinde zu diesem sichtbaren Ergebnis fruchtbarer Kooperationen, und Peter Wendl, der Regionalmanager des Neckarschleifengebiets, sprach von landwirtschaftlichen und weintouristischen Wertschöpfungen beim Erhalt der Steillagenlandschaften. Mit der historischen Mühle im Dorf, dem schmucken Schloss und den weiträumigen Aussichtswegen rund um den Schlossberg gebe es zahlreiche Gründe, sich nach Kleiningersheim aufzumachen – auch wenn man hier nicht ganz an den Käsberg oder die Felsengärten in der Nachbarschaft herankomme.

Von 2015 bis 2017 habe man intensiv Ideen gesammelt und diskutiert und könne sich jetzt an dem Ergebnis dieses Prozesses erfreuen.

Felix Velte, ein ambitionierter junger Weinbauer aus dem Dorf, erläuterte, wie schwierig, aufwändig und teuer es sei, die für Steillagen typischen Trockenmauern zu erhalten beziehungsweise zu sanieren. Im vergangenen Jahr hat er mit Unterstützung der ganzen Familie einhundertfünfzig sichtbare Meter instandgesetzt – und die Zuhörer zu einer Fahrt mit Trecker und Anhänger zu den instandgesetzten Mauern eingeladen.

Führungen durch die Weinberge


Vom Verein Weinerlebnisführer waren Elke Bäßler aus Ingersheim und Herbert Weeber aus Ingersheim anwesend.

Sie sind Ehrenamtliche, die sich umfassend in die Steillagenmaterie eingearbeitet und in den vergangenen zehn Jahren (so lange gibt es diesen Verein bereits) um die 350 000 Interessierte durch die steilen Hänge und über die schmalen Staffeln geführt haben.

Diese Führungen, dazu eine „Steillagen-App“, die gerade im Entstehen ist, können die „Schlossbergrunde“ und die in den kommenden Jahren neu entstehenden sieben Steillagenwanderwege zu einem ganz besonderen Erlebnis werden lassen.

Beim Festakt wurden zwei besonders leckere Steillagenweine ausgeschenkt: ein Trollinger trocken und ein Lemberger feinherb.

In Steillagen geraten Weine deshalb so gut, weil es dort gegenüber den Tieflagen um ein paar Grade wärmer ist, erklärt Weeber. „Wein liebt nun mal Sonne und Wärme“, sagt der Weinerlebnisführer. bast