Die Ingersheimer verfügten über viele Jahrhunderte nicht über ihren eigenen Grund und Boden. Wie Richard Stein, 1861 in Tübingen geboren und ab 1891 Pfarrer in Kleiningersheim, in seiner Ortschronik von 1903 berichtet, war der Ort lange Zeit Eigentum verschiedener Herrschaften „geistlichen und weltlichen Charakters“.

Autor Stein setzt in seiner Chronik über die Geschichte des Ortes bereits im 8. Jahrhundert an und nennt einen Graf Kunibert als Grundherren, der den Nachfahren des Thuring, ein Sohn des letzten mainfränkischen Herzogs Heden II., zugeordnet wird. Ein Jahrhundert später ist es Diakon Adelloldus, beziehungsweise sind es die beiden Klöster Fulda und Lorch.

Im 12. Jahrhundert wird zu ersten Mal eine „Burg Ingersheim“ erwähnt. Der Standort, so berichtet Marianne Marx-Bleil in der Ingersheim-Chronik von 1979, sei damals auf einer Anhöhe gewesen, wo sich die sogenannte „Pferdekoppel“ befunden habe. Bei der Neuanlage von Reben bei der heutigen Aussichtsplatte in Kleiningersheim wurden zudem gewaltige Fundamente entdeckt, die auf den Hauptturm der Burg schließen lassen. Die Herren dieser Burg, in Ingersheim mehr als Sinnbild adliger Macht, waren die Ritter Sturmfeder.

Die Herren Sturmfeder (von Oppenweiler) waren im Hochmittelalter eine begüterte Familie in Südwestdeutschland. Der frühe Besitz der ursprünglich badischen Ministerialen lag im Neckartal und im Schozachgau. Friedrich Sturmfeder, gestorben im Jahr 1300, begründete eine über längere Zeit bestehende Familienlinie in Ingersheim.

Von 1245 bis 1484 errichteten Grafen ihre Oberhoheit über Ingersheim und der näheren Umgebung. Zunächst die Markgrafen von Baden, deren Hoheit in Lyon vom Papst bestätigt wurde. In den folgenden Jahren wechseln die Herrscher in schneller Folge. Die Burg geht nach den Badenern zunächst an den Grafen Friedrich von Zollern, dann an den Herren von Sachsenheim, dann wieder an Sturmfeder.

Anfang des 16. Jahrhunderts wird Ingersheim im Jahr 1504 Württemberg einverleibt, Ritter Caspar Nothaft erhält die Burg Ingersheim als Lehen. Diese „Einverleibung“ in ein größeres Ganzes, sprich als Untertanen des Herzogs von Württemberg, habe man in Ingersheim als Fortschritt gesehen, weil damit das Untertanentum mit häufig wechselnden „kleineren Herren“ geendet hätte, vermutet Stein.

Bereits im 14. Jahrhundert kam Beihingen (Freiberg) in die Hände der einflussreichen Familie und wurde zum Sitz des Beihinger Familienzweiges. Neben Beihingen waren auch die Schlösser Hochdorf (Remseck) und Oßweil im Besitz der Familie.

Schon Ende des 14. Jahrhunderts, so Richard Stein in seiner Chronik, muss die Burg verlassen worden sei. Stein nennt einen Schwarzfritz von Sachsenheim, der die Auflage erhält, Burgstall und Schloss zu bauen. Im 15. Jahrhundert sei allerdings nicht viel geschehen, erst Caspar Nothaft investierte nicht unbeträchtliche Summen.

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts verfiel dann die verlassene Burg Ingersheim und Ritter Nothaft erbaute das Schloss im Renaissance-Stil.

Im Jahr 1588 erhält der Geheime Regierungsrat Melchior Jaeger von Gärtringen das Schloss als Lehen von Herzog von Württemberg. Damit endete die Linie der Adligen, Ritter, Kirchenleute und hohen Herren, die ihre Hand auf Ingersheim hielten.

Viele Schlossbesitzer 


Nach 1640 zählt die Chronik zahlreiche Besitzer des Schlosses auf. Kapitänleutnant Joh. Adam Zinski, gleich vier Besitzer in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, Kanzleiadvokat Johann Dietrich Hörner (ab 1707), Generalmajor Freiherr von Wöllwarth (ab 1726), Familie Ostertag-Siegle (ab 1908), Freiherr Josef Maria von Radowitz (1920 bis 1958), Professor Dr. Walter Leibrecht (ab 1963). Im Schloss selbst gab es immer wieder andere Nutzungen: 1936 bis 1940 war eine SA Führerschule untergebracht, 1940 Heim für „Pflichtjahrmädchen“, Unterbringung der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, eine Organisation der NSDAP, und von 1945 bis 1948 ein Krankenhaus. itz