Unkonventionell und locker ist die Begrüßung: „Felix Adelmann“ stellt sich der 40-jährige Winzer mit aristokratischen Wurzeln vor. Sein vollständiger Name lautet Felix Graf Adelmann, aus dem schwäbischen Adelsgeschlecht Adelmann von Adelmannsfelden, dessen Ursprung bis ins 12. Jahrhundert zurückgeht. Felix Graf Adelmann räumt allerdings schnell mit den üblichen Klischees auf. Bedienstete gibt es auf Burg Schaubeck schon lange nicht mehr. Für ihn sei es eher ein „Zwangsluxus“, dass zwei Reinigungskräfte auf den 1200 Quadratmetern Wohnfläche für Ordnung sorgen. Bewohnt wird die Burg vom Vater Michael Graf Adelmann, Felix Graf Adelmann und seiner Verlobten.

Historischer Wohnsitz

Die 1272 errichtete Burg liegt malerisch in einem großen Parkgelände bei Kleinbottwar und kam Ende des 19. Jahrhunderts durch Heirat in den Besitz der Adelsfamilie. Was von außen märchenhaft aussieht und innen mit beeindruckenden historischen Gemälden und Möbeln ausgestattet ist, erfordert ständige Instandhaltung. „Das Haus ist eine stetige Herausforderung“, weiß Felix Graf Adelmann. Immer wieder müssen Reparaturarbeiten durchgeführt werden.

Das Geld für den Unterhalt des historischen Wohnsitzes wird ausschließlich über das Weingut erwirtschaftet. Seit mehr als 700 Jahren wird auf Burg Schaubeck Weinbau betrieben.

Anfang 2012 übernahm der studierte Betriebswirt Felix Graf Adelmann den elterlichen Betrieb in der fünften Generation. Sein Vater Michael Graf Adelmann hat in den 1980er Jahren das Weingut entscheidend vorangebracht. Getreu der Unternehmensphilosophie „Tradition plus Innovation ist Evolution“ hatte der Senior 1981 Rotweine in Barriques reifen lassen, damals in Deutschland noch eine Revolution.

Studium in London

Auch im Bereich der Cuvées war das Weingut Vorreiter in Deutschland. „Das galt in den 1980ern hier im Lande noch als Panscherei“, erzählt Felix Graf Adelmann. „Mein Vater hat für die Württemberger Weine wirklich viel bewirkt.“ Dass er einmal in das Familienunternehmen einsteigen werde, war dem Sohn schon früh klar. Allerdings auch, dass er vorher über den Tellerrand schauen will. Nach seinem Studium in London und Hamburg war er als Unternehmensberater und Geschäftsführer einer eigenen Firma tätig, aber auch als freischaffender Künstler, Musiker und Produzent.

Musik ist heute noch eine Passion, die E-Gitarre steht griffbereit im Wohnzimmer. Obwohl in einem Traditionshaus aufgewachsen, ist Felix Graf Adelmann dankbar dafür, dass der Einstieg ins Weingeschäft ein sanfter war. „Ich hatte das Privileg, mich ausprobieren zu können, und damit auch gelernt, was ich nicht machen will.“

Ab 2009 absolvierte er mehrere Praktika in anderen Weingütern, unter anderem in Italien und Österreich. „Im Grunde war es ein Zick-Zack-Weg, der aber immer auf das große Ziel, den Familienbetrieb weiterzuführen, hingearbeitet hat.“ Kunst und Wein hätten viel gemeinsam, findet der innovative Winzer. Wichtig sei ihm, das vermeintlich elitäre Image aufzubrechen. Wenn jemandem ein 300-Euro-Wein nicht schmecke, sei er deswegen noch lange kein Depp, so seine Überzeugung.

Im Gegenteil: für ihn sei es wichtig, eine unverfälschte Rückmeldung zu erhalten. Wein sei in erster Linie ein Kulturgut und kein Industrieprodukt. Tradition habe oftmals ein angestaubtes Image, aber das heiße nicht, dass man darin erstarren müsse. „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“, zitiert Felix Graf Adelmann. In diesem Sinne werde auf dem inzwischen Bio-zertifizierten Weingut auch zukünftig mit klassischen Akzenten und innovativen Erneuerungen weitergearbeitet.

www.graf-adelmann.com