Untersuchungen zur Einschulung zeigen, dass 30 Prozent der Kinder in Kitas im Land einen sprachlichen Förderbedarf haben. Welche Auswirkungen hat das auf die tägliche Arbeit der Lehrer? Die BZ hat dazu Anita Kermisch befragt. Sie ist stellvertretende Amtsleiterin beim Staatlichen Schulamt Ludwigsburg. Die Behörde ist für Grund-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie für die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren im Landkreis Ludwigsburg zuständig. Zu den Aufgaben gehört die Fachaufsicht über die Schulen.

„Auch im Landkreis Ludwigsburg gibt es Kinder in der Grundschule, die aus sprachlichen Gründen dem Unterricht nur in geringem Maß oder gar nicht folgen können“, erklärt Kermisch. Die Herausforderung für jede Schule bestehe darin, die Kinder auf dem ihren Fähigkeiten angemessenen Niveau zu fördern. Dies sei eine grundsätzliche Aufgabe aller Schulen und beschränkt sich nicht auf die Sprachförderung.

Für Kinder mit fehlenden oder geringen Deutschkenntnissen gebe es Vorbereitungsklassen. Dort werden alle Kinder gemeinsam in einer Klasse unterrichtet, individuell auf den jeweiligen Sprachstand angepasst. Die Entscheidung, ob die Kinder eine solche Klasse besuchen oder nicht, liege bei den Eltern. „Somit besuchen die meisten Kinder mit erheblichen sprachlichen Defiziten eine solche Klasse, aber nicht alle“, so Kermisch.

Selbstverständlich sei eine sprachliche Förderung umso wirksamer, je früher sie einsetzt. Deshalb sei auch das Vorhaben wichtig, diese Förderung auszubauen. Bei den Zahlen aus Einschulungstests zur sprachlichen Entwicklung sei aber zu bedenken, dass nicht alle Kinder einen Kindergarten besucht haben, vor allem in den Fällen, in denen Familien mit schulpflichtigen Kindern aus dem Ausland zuziehen. Wer also keine Kita besucht, kommt zunächst auch nicht in den Genuss der aufgestockten Sprachförderung vor der Einschulung.