Der eine ist 74 und seit 56 Jahren SPD-Mitglied, der andere 18 und erst von Trumps Wahlsieg angestachelt, den Jusos beigetreten. Volker Müller aus Bissingen war 22 Jahren Fraktionsvorsitzender der SPD im Bietigheimer Gemeinderat, zum Abschluss seiner aktiven Politikerlaufbahn hat er die Willy-Brandt-Medaille seiner Partei erhalten – die höchste Auszeichnung, die die Sozialdemokraten vergeben. David Schwarz aus Ludwigsburg ist nicht nur Juso-Kreisvorsitzender sondern seit Kurzem auch stellvertretender Landesvorsitzender. Zwei unterschiedliche Sichtweisen und doch eint sie das klare Bekenntnis zur Sozialdemokratie auch in schweren Zeiten wie aktuell, wo die Partei mal wieder eine Führung sucht.

Das Gespräch der beiden Generationen-Vertreter beginnt mit so etwas wie einem Rat des Älteren: „Die Aufmerksamkeit, die man beim Abschied bekommt, kriegt man nicht immer während der aktiven Zeit“, sagt Müller über seine Willy-Brandt-Medaille und die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des Ortsverbands. Was wohl Willy Brandt zur aktuellen Situation seiner Partei sagen würde? „Jede Zeit will eigene Antworten“, zitiert ihn Müller. Der Bissinger sieht in dem Grünen-Hype auch eine Chance für die SPD, mit ihren Themen wie Gerechtigkeit zu punkten. Es gibt genug Themen, die die Grünen nicht abdecken, findet Schwarz. Der Klimaschutz dürfe keine offene Flanke für die Partei sein, aber es gebe eben auch andere Themen.

Gerade inhaltlich hapert es bei der SPD manches Mal, weil eher die Selbstzerfleischung für Schlagzeilen sorgt. So tragisch finden die beiden das aber gar nicht. Man diskutiere eben schon immer viel in der SPD, meint Müller und Schwarz lobt die CDU. Die habe es gut hingekriegt mit drei Kandidaten für den Vorsitz. „Ich hoffe, dass wir das auch so schaffen und bin da sehr zuversichtlich“. Müller trauert Nahles nach, Schwarz nur bedingt: „Nahles war nicht das Problem, aber eben auch nicht die Lösung.“ Der Juso sieht das Problem in der alten Führungsriege, mit denen einfach zu viele Niederlagen verbunden werden.

Beim Thema Doppelspitze ist Müller skeptisch. Das könne erfolgreich sein, wenn es eine wirkliche Aufgabenteilung gebe, aber nicht, wenn es nur darum gehe die Flügel abzubilden. Schwarz begrüßt das Modell und findet attraktiv, dass sich Leute aus der zweiten Reihe bewerben. Müller möchte lieber jemand Profilierteren sehen. Familienministerin Franziska Giffey hat als ehemalige Kommunalpolitikerin seine Sympathien. „Die bräuchte nicht mal einen Mann neben sich“, so Müller.

Kühnert als SPD-Chef?

Beide loben Juso-Chef Kevin Kühnert, sehen ihn aber nicht als nächsten SPD-Chef. Gleichwohl brauche man den linken Flügel, so Müller („wir können nicht immer nur alle in der Mitte kuscheln“) und Schwarz will die gesamte Partei weiter links sehen.

Einig sind sich beide, dass die Jugend mehr Gewicht bekommen soll. Müller hat aus dem Grund auf eine erneute Kandidatur zum Gemeinderat verzichtet. „Dann müssen die Jungen halt auch ran und kommunale Themen besetzen, statt nur Marx zu lesen“, fordert Müller den Nachwuchs zum Engagement in Gremien auf.

Schwarz verweist auf die Erfolge der Jungen im Kreis, wie etwa billigere ÖPNV-Tickets in Ludwigsburg. Die Jugend sei nicht unpolitisch, Parteien hätten aber einen wahnsinnig schlechten Ruf und gelten bei vielen Jungen als verstaubt. „Da muss man eben hinstehen und klar sagen, dass man nur auf Posten etwas bewegen kann“, sagt Müller. Da gibt ihm sein junger Kollege recht, aber gerade kommunale Gremien seien für viele Junge nicht interessant, weil sie eben häufiger umziehen. Dem hält Müller entgegen, dass die Nestflucht längst nicht mehr so verbreitetet sei wie früher und gerade kommunale Themen wie bezahlbarer Wohnraum seien eben die, die vor allem junge Menschen betreffen.

Die Zukunft der Partei sehen beide Positiv. Der Neustart an der Spitze gebe neue Möglichkeiten. Schwarz findet, dass die Partei Gelassenheit brauche und nicht das Schielen nach Umfragewerte: „Die Werte werden der Haltung folgen und wenn wir keine Haltung haben, können die Werte auch nicht steigen.“