Freiberg Sinneswandel machte ihn zum Pfarrer

Pfarrer Andreas Szczepanek geht am Ende des Monats in den Ruhestand.
Pfarrer Andreas Szczepanek geht am Ende des Monats in den Ruhestand. © Foto: Richard Dannenmann
Freibrg / Günther Jungnickl 13.09.2018

Der Festgottesdienst ist schon auf den 30. September um 10.30 Uhr in der katholischen Kirche festgesetzt: Dann geht der beliebte und hochgeschätzte katholische Pfarrer Andreas Szczepanek nach zwölf Jahren Dienstzeit in Freiberg und Umgebung in den Ruhestand.

Eigentlich wollte der junge Szczepanek Schiffsbauingenieur werden. Er musste nur noch in der polnischen Kleinstadt Pionki (80 Kilometer südlich von Warschau) die Abiturprüfung und dazu noch die Aufnahmeprüfung in Danzig bestehen. Für sein Ziel hatte er bereits alle Hebel in Bewegung gesetzt und sogar einen hochrangigen Marineoffizier aus der Verwandtschaft kontaktiert. Als er jedoch das Abitur in der Tasche hatte, kam alles ganz anders. „Eine fast schicksalhafte Begegnung“ sei es gewesen, die ihn ins Priesteramt katapultierte, sagt er heute.

Denn eine seiner Großtanten, die seine Familie hoch schätzte, war sowohl Ordensschwester als auch OP-Schwester in einem Krankenhaus. Und just an dem Tag, als er bei ihr zu Besuch weilte, wurde sie wegen eines Notfalls ins Krankenhaus gerufen. Also empfahl sie ihm, während ihres Fortseins einen jungen Ordensbruder namens Hendrik aufzusuchen und sich mit ihm zu unterhalten. Was der junge Andreas denn auch tat. Hendrik gehörte dem Herz-Jesu-Orden an, der 1878 von dem Franzosen Léon Gustave Dehon gegründet worden war und inzwischen auch in Polen Fuß gefasst hatte. Spontan lud dieser Hendrik den jungen Mann in ein Zeltlager ins Wintersportparadies Zakopane ein und das war für Szczepanek die Wende.

Als er seiner Mutter von seinem Sinneswandel berichtete, reagierte die sehr verständnisvoll: „Mach‘, was Du für richtig hältst.“ Insgeheim hat er sie aber auch noch heute im Verdacht, dass sie sich darüber freute. Denn auch im damals kommunistischen Polen genossen Pfarrer einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Dabei war die Familie Szczepanek (Vater Chemiearbeiter, Mutter Hausfrau, sechs Kinder) nie besonders fromm gewesen, der sonntägliche Kirchgang aber „aus gesellschaftlichen Gründen“ eine Pflichtübung. Allerdings zählte er schon zur Ministrantenschar im heimatlichen Dorf.

Sechs Jahre in Krakau

Es folgten also nach einem Novizenjahr sechs Jahre Priesterseminar in Krakau mit der Priesterweihe im Jahr 1975. Danach war Szczepanek Studentenseelsorger an verschiedenen Hochschulen Krakaus und schließlich über drei Jahre als „Ökonom“ für das Priesterseminar tätig. Da konnte er so richtig sein Organisationstalent unter Beweis stellen, denn für die rund 100 Seminaristen musste er den gesamten Einkauf erledigen. Was nicht ganz leicht war, weil sich im damaligen Polen nicht jeder so frei bewegen konnte, wie er wollte. Doch die ständigen Kontrollen bewältigte er schlitzohrig, indem er sich ein Papier besorgte, das ihn als „stellvertretender Feuerwehrkommandant“ auswies. „Da war immer und sofort der Weg frei“, freut er sich noch heute darüber.

Nach Deutschland kam er, als ihn das Fernweh packte. Kontaktfreudig, wie er nun einmal ist, half ihm ein Maulbronner Pfarrer weiter, der auch aus Polen stammte. Der verschaffte ihm Kontakt zum damaligen Bischof Moser, der ihn dann auch empfing. „Das erste Gespräch mussten wir auf Englisch führen, weil ich noch kein Wort Deutsch verstand“, lacht Sczcepanek heute. Doch der Bischof  mahnte ihn, sehr schnell Deutsch zu lernen, wenn er als Priester hierzulande arbeiten wolle. Was dem damals über 30-Jährigen auch binnen vier Monaten gelang. Eine erste Stelle als Hilfspfarrer bekam er dann in Gerstetten (Kreis Heidenheim), wo er dann nach nur zwei Jahren nach Intervention des Kirchengemeinderats auch Pfarrer wurde und schließlich zehn Jahre blieb. 1995 wechselte er dann für weitere zehn Jahre nach Walldachtal (Kreis Freudenstadt).

Kein leichter Beginn

Der Wechsel in die Seelsorgeeinheit 13 (Freiberg, Pleidelsheim, Ingersheim) wurde ihm nicht ganz leicht gemacht. Denn schließlich hatten seine jungen Vorgänger Manfred Schlichte und Karl Beck durch ihr Engagement tiefe Fußspuren hinterlassen. „Und jetzt kam da ein 55-Jähriger daher, noch dazu mit einem schier unaussprechlichem Namen“, erinnert sich Sczcepanek. Vor allem die Freiberger Katholiken der Marienkirche reagierten zunächst skeptisch, wogegen er in Pleidelsheim (St. Petrus und Paulus) und Ingersheim (Christkönigkirche) mit offenen Armen empfangen wurde.

Aber auch die Freiberger reagierten bald anders, „denn ich verstehe mich sehr gut mit Kindern, und wer die Kinder beeindruckt, findet auch schnell Zugang zu den Erwachsenen“. Vor allem aber haben ihm auch seine evangelischen Amtsbrüder und -schwestern das Leben leicht gemacht, sodass er inzwischen mit sich und dem Leben und Schaffen im Reinen ist und alles in allem zwölf Jahre das Leben von gleich drei Kirchengemeinden gestalten durfte. Jetzt ist er 67 Jahre alt und kann deshalb gelassen seinen verdienten Ruhestand antreten.

Auch hat er inzwischen „per Internet“ eine passende Wohnung im nahen Plochingen und zumindest auch eine Interimslösung für seine Nachfolge gefunden: Administrator werde vermutlich Pfarrer Dr. Wolfgang Grammer aus Marbach sein. „Denn die Pfarrstelle wird mindestens noch ein Jahr vakant sein“, schätzt Sczcepanek.

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