Prozess Sexuelle Attacke auf 20-Jährige

Freiberg / Heike Rommel 06.12.2018

Wegen eines sexuellen Übergriffs in Tateinheit mit Nötigung hat das Ludwigsburger Schöffengericht einen 29-Jährigen aus Freiberg zu einem Jahr Haft auf Bewährung und zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der Mann hatte sich im Bus neben eine 20-jährige Bietigheimerin gesetzt, sie dort handgreiflich bedrängt und war ihr nachgelaufen, als sie ausstieg. Er zog sie an der Hand vor ein Gebüsch. Die Frau konnte in Angst vor einer Vergewaltigung flüchten.

Die 20-Jährige setzte sich am Morgen des 7. August diesen Jahres direkt hinter den Busfahrer, als der Angeklagte neben ihr Platz nahm. „Du hast schöne Augen“, versuchte der Mann aus Syrien der jungen Frau Komplimente zu machen und sie auszufragen. Dann legte er den Arm um sie, was eher einem Festhalten gleich kam und massierte ihre Hand. Über ihren Bauch schob er seine Hand in ihre Hose. Die 20-Jährige, welche den Mann nicht kannte, zog die Hand wieder raus, drückte den Stoppknopf und stieg früher aus, in der Hoffnung, der Mann würde weiterfahren. Doch er kam ihr hinterher, packte sie in Freiberg in der Bilfinger Straße am Arm und zog sie Richtung Württemberger Straße. Vor einem Gebüsch sagte er: „Da gehen wir jetzt rein. In fünf Minuten sind wir ein Paar.“

Opfer als Lockvogel

Die 20-Jährige riss sich los, rannte zu ihrer Arbeitsstelle und informierte ihre Eltern darüber,  was ihr passiert war. Die Eltern rieten, nicht erst nach der Arbeit zur Polizei zu gehen, sondern gleich. So erfuhr der Polizeiposten Freiberg von dem Ereignis und leitete es an die Kriminalpolizei Ludwigsburg weiter. Diese stellte das Opfer an der Buslinie 564 als Lockvogel auf und nahm den Täter drei Tage später fest.

Der 29-jährige Syrer ließ vor Gericht durch seinen Verteidiger erklären, er habe zur Tatzeit einen Joint geraucht und könne sich an nichts mehr erinnern. Strafrichterin Dr. Franziska Scheffel schickte ihn mit seinem Anwalt vor die Türe, ob er sich nicht doch noch eines Besseren besinnen wolle. Das Ergebnis der Unterredung: Er erinnere sich immer noch nicht, aber es könne schon sein, dass es stimmt, was in der Anklage steht. Die 20-jährige Deutsche musste also in den Zeugenstand und ein langes, unangenehmes Verhör über sich ergehen lassen.

Ständige Umklammerung

Der Angeklagte habe ihre Handynummer gewollt, erklärte die Frau vor Gericht. Diese habe sie ihm verweigert. Genauso wie einen Freundschaftsantrag auf Facebook.

Der Angeklagte habe auch nicht nur seinen Arm um sie gelegt, sondern sie richtig festgehalten und gefragt, warum sie immer nein sage. Die junge Frau bekam Angst und versuchte sich ständig aus der Umklammerung zu lösen.  Dass er sich bei seiner Festnahme bei der 20-Jährigen entschuldigte, passte überhaupt nicht zur Schutzbehauptung des Angeklagten im Gericht, er könne sich an nichts erinnern.

Wäre es nach der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegangen, so hätte der Mann ein Jahr und sieben Monate ins Gefängnis müssen. Der Ankläger sah weder in der Tat noch in der Person besondere Umstände für eine Bewährung. Er wäre auch nicht von dem ursprünglich angeklagten Verbrechen der sexuellen Nötigung auf einen sexuellen Übergriff herunter gegangen. Das Opfer, so der Staatsanwalt, sei heute noch nicht über diese schrecklichen Vorfälle im Bus und auf der Straße hinweg. Auch aus der Sicht des Schöffengerichts Gerichts hat der 29-Jährige richtig Druck gemacht. „Das Opfer war wie gelähmt“, hieß es in der Urteilsbegründung.

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