Ein notorischer und mehrfach einschlägig vorbestrafter Serien-Drogerie-Dieb aus dem Kreisgebiet bekommt vom Stuttgarter Landgericht eine Bewährungsstrafe. Als Gegenleistung für dieser Strafmilderung muss er aber einen Tag nach dem Urteil in sein Heimatland Georgien ausreisen. Der Mann hatte unter anderem in Kirchheim, Ditzingen, Ludwigsburg, Heilbronn und Karlsruhe mehrfach Diebstähle in Drogerien im Gesamtwert von weit über 4000 Euro begangen.

Nach dem Gesetz müsste der aus Georgiern stammende Fitnesstrainer als Seriendieb die verhängte Strafe von über einem Jahr voll absitzen. Strafaussetzungen zur Bewährung gibt es nur, wenn eine günstige Prognose vor Gericht festgestellt wird und vom Täter zu erwarten ist, dass er künftig straffrei bleibt. Eine ganz neue Begründung kommt jetzt dazu: Die sofortige Ausreise aus der Bundesrepublik Deutschland. Diese Variation hat der 35-jährige Mann, der Drogerien von Karlsruhe bis Ludwigsburg als Seriendieb unsicher machte, jetzt vor der 39. Strafkammer am Stuttgarter Landgericht für sich in Anspruch genommen.

Erste Diebstähle 2017

Nachdem er im März 2017 nach Deutschland eingereist war, folgten nach den Feststellungen der Stuttgarter Richter bereits einige Wochen später im Landkreis die ersten dreisten Diebstähle in verschiedenen Drogeriemärkten. Zuerst in Karlsruhe, wo der Mann zunächst in einer Aufnahmestelle untergebracht war. Das brachte ihm eine Geldstrafe ein. Bezahlt hat er diese nicht, dafür aber folgte kurz danach ein neuer Diebstahl in einer Drogerie mit Waren im Wert mehrerer tausend Euro. Schließlich in Kirchheim und dann in Ditzingen und Ludwigsburg.

Beute: Teure Parfüms

Begehrtes Diebesgut bestand hauptsächlich aus hochwertigen Parfums und teuren Kosmetika. In einem Fall hatte der Angeklagte sogar die Filialleiterin der Drogerie, die ihm die Beute wieder abnehmen wollte, bis vor die Ladentür gezogen und dabei verletzt. Dies wertete die Erstinstanz als räuberischer Diebstahl, für den es eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten setzte – ohne Bewährung. Doch dagegen legte der Georgier Berufung ein, mit dem Ziel, in der nächsten Instanz am Stuttgarter Landgericht doch noch eine Strafaussetzung zur Bewährung zu erlangen. Doch die Richterin der 39. Strafkammer legte in ihrer ersten Bewertung an diesem Montag des Falles deutlich oben eins drauf:

Diese und auch andere bereits abgeurteilte Ladendiebstähle, ebenfalls im oberen Bereich der Werteskala (Parfum und Kosmetika), sprächen deutlich von einer gemeinschädlichen Gesinnung, und zur Verteidigung der Rechtsordnung in Deutschland sei dazu keine Bewährung mehr möglich. Dies auch angesichts der mehrfachen und einschlägigen Vorstrafen, Diebstähle in Drogerien, jeweils nicht unter einem 1000-Euro-Beutewert: Für diese Taten setzte es bei den zuständigen Amtsgerichten Ludwigsburg und Heilbronn jeweils Strafen im Bereich von Geldauflagen bis zu Haft von fünf Monaten – ebenfalls ohne Bewährung.

Anklage fordert Haft

Jetzt eine Strafaussetzung wegen der letzten Kirchheimer Tat, bei dem er den Tatbestand des räuberischen Diebstahls erfüllt hatte, zu gewähren, bezeichnete der Staatsanwalt angesichts der „vielfachen kriminellen Betätigung“ des Angeklagten als unmöglich. Der Mann sei im März 2017 aus Georgien nach Deutschland eingereist und hatte bereits wenige Wochen danach mit den Seriendiebstählen in verschiedenen Städten begonnen. Dass er dadurch teure Medikamente für seinen schwer kranken Sohn in Georgien finanzieren wollte, nimmt ihm der Ankläger nur mit Vorbehalt ab. Er beantragte, den Mann nicht freizulassen, sondern ihn bis zu Verbüßung der Strafe einsitzen zu lassen.

Erst als der Angeklagte über seine Verteidigerin plötzlich ein volles Geständnis ablegte und die Feststellungen der Richter der Vorinstanz als richtig bezeichnete, hatten die Juristen der 39. Strafkammer ein Einsehen und setzten das neu verhängte und nach unten gelegte Strafmaß von einem Jahr Haft zur Bewährung aus. Mit ein Grund war auch vor allem die Tatsache, dass Verwandte des Angeklagten bereits für den Tag nach diesem Urteil eine Ausreisebuchung von Stuttgart nach Tiflis (Georgien) dem Gericht vorlegten und damit gesichert war, dass der Verurteilte freiwillig Deutschland verlässt. Sein im März 2017 gestellter Asylantrag war nämlich abgelehnt worden, weil er ausschließlich als Wirtschaftsflüchtling galt.