Stuttgart/Ludwigsburg Senior zu Boden geschubst - Strafe bleibt Landgericht: BMW-Fahrer zieht Berufung zurück - Angriff auf 75-Jährigen

BERND WINCKLER 19.11.2015
Ein 39-Jähriger hat nach einem Beinahe-Unfall einen 75-Jährigen geschlagen. Dafür wurde er verurteilt. Seine Berufung wies das Landgericht nun ab.

Im November vor einem Jahr wollte ein damals 39-jähriger Autofahrer auf dem Parkplatz eines Ludwigsburger Baumarktes rückwärts in eine Parkbucht einparken. Zu spät erkannte er einen 75-jährigen Fußgänger hinter sich, den er fast umgefahren, aber nicht berührt hatte. Der Senior musste ausweichen - und klopfte dem Autofahrer auf das Blech, um ihm zu zeigen: "So etwas macht man nicht!" Nach einem kurzen Wortwechsel sahen Zeugen, wie der kräftige und korpulente Autofahrer den schmächtigen 75-Jährigen mit einem Stoß zu Boden warf. Er fiel so unglücklich auf das Straßenpflaster, dass er sich mehrere Rippen brach und dazu noch an beiden Schultern Prellungen erlitt, die wochenlang im Krankenhaus schmerzbehandelt werden mussten.

Ein klarer Fall von vorsätzlicher Körperverletzung, stellte das Ludwigsburger Amtsgericht im Juni dieses Jahres fest und verurteilte den BMW-Fahrer zu 2800 Euro Geldstrafe und einer zweimonatigen Fahrsperre. Dagegen legte er Beschwerde ein, sodass sich jetzt das Stuttgarter Landgericht mit dem Fall befassen musste. Der 39-Jährige fühlte sich unschuldig, was die Stuttgarter Richter jedoch anders sahen. Immerhin habe der 75-Jährige ja nur einmal auf den Kofferraumdeckel des BMW geklopft und dabei nichts beschädigt.

Das Wegstoßen eines Fußgängers sei nun mal vorsätzlich geschehen und eine Straftat, hielt die Staatsanwältin dem Autofahrer entgegen, der sich seinerseits keiner Schuld bewusst war. Er behauptete noch, der Senior habe ihn in den Daumen gebissen, als er ihn am Kragen gepackt hatte. Deshalb habe er ihn vor Schreck geschubst. Den Biss konnte der Angeklagte jedoch nicht nachweisen. Somit musste er sich weiterhin sagen lassen: Wer so kräftig stößt, nimmt Verletzungen eines Menschen in Kauf. Entweder er lege hier ein glattes Geständnis ab, dann könne man wegen einer Herabsetzung der Geldstrafe reden, so der Richter, oder er müsse mit Abweisung seiner Berufung rechnen. Das Geständnis lehnte der Mann ab, ließ sich dann aber von seinem Anwalt selbst dazu überreden, seine Berufung zurückzunehmen. Dafür erhielt er statt zwei Monate Fahrverbot nur noch einen Monat Sperre. Bei der Geldstrafe in Höhe von 2800 Euro hingegen bleibt es.