Kreis Ludwigsburg Schwierige Suche nach Ladesäulen

 Auch im Landkreis wächst die Zahl der Stromtankstellen, sie zu finden ist allerdings schwierig.
Auch im Landkreis wächst die Zahl der Stromtankstellen, sie zu finden ist allerdings schwierig. © Foto: dpa
Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth 31.08.2018

Im Landkreis wächst das Netz aus Ladestationen für Elektrofahrzeuge stetig. Doch auf Anhieb herauszufinden, wo die nächste Ladesäule mit Gleich- oder Wechselstrom steht, ist ohne eine entsprechende App auf dem Smartphone schwierig. Die Bundesnetzagentur pflegt auf ihrer Internetseite ein Ladesäulenregister. Laut aktuellem Stand (9. August) gibt es demnach in Bietigheim-Bissingen zwar rund 20 registrierte Kirchen, aber keine einzige Ladestation. Die nächste befindet sich in der Bundesnetzkarte in Tamm an der Frankfurter Straße, betrieben von der Firma Robert Bosch.

Das stimmt nachweislich nicht: Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SW BB) nennen in ihrem Versorgungsgebiet sechs Elektrotankstellen mit insgesamt zehn Ladepunkten. Die erste war im November 2016 in der Etzelstraße in Betrieb genommen worden. Im laufenden Jahr kamen bislang achte Ladepunkte hinzu – unter anderem in Oberriexingen und Sersheim.

Die Internetseite von Ladenetz.de ist für den ortsunkundigen Autofahrer hilfreicher als die Karte der Bundesnetzagentur. Sie wird in einem Verbund aus Stadtwerken und Gewerbetreibenden betrieben. Dort sind die Stationen der SW BB eingezeichnet – wenn auch nicht alle. Glaubt man der „Lademap“ (Ladekarte) ist in der Nordhälfte des Landkreises keine öffentlich zugängliche Steckdose speziell für Elektroautos zu finden. Größer ist die Ladenetzdichte dagegen in Ludwigsburg. Nach der von den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim veröffentlichten Liste sind in den beiden Städten 20 Ladestationen öffentlich zugänglich. Vier weitere Stationen für eine schnelle Ladung mit Gleichstrom sind laut einer Unternehmenssprecherin bis Jahresende geplant.

Ohne Förderung läuft nichts

Dass in der nördlichen Kreishälfte nichts geboten ist, bestätigt die Ladenetzkarte der Energie Baden-Württemberg. Sie ist als App (mobilitiy+) für das Smartphone erhältlich und zeigt neben dem Standort an, welche Ladepunkte frei oder besetzt sind. Zusätzlich aufgeführt ist auf dieser Karte die Ladestation eines Fremdanbieters in Sachsenheim in der Porsche­straße. Die EnBW ist mit eigenen Stationen in Vaihingen und Illingen vertreten. Ein Sprecher des Karlsruher Energiekonzerns versichert: „Die Zahl der Ladesäulen nimmt kontinuierlich zu – die Akquise läuft.“ Aber ohne staatliche Förderung läuft bei den Investitionen wohl wenig. Gebaut wird dann, wenn Förderanträge genehmigt sind, heißt es ebenfalls von den Stadtwerken in Bietigheim-Bissingen und Ludwigs­burg.­

Die EnBW ist am Landesprogramm „SAFE“ (Flächendeckendes Sicherheitsladenetz für Elektrofahrzeuge) beteiligt. Das Unternehmen ist Konsortialführer eines Konsortiums aus EnBW, Stadtwerken und Kommunen. Ziel ist, das Netz an Ladestationen insbesondere im ländlichen Raum, zu fördern. „Alle zehn Kilometer soll es eine Lademöglichkeit für E-Fahrzeuge geben. Das SAFE-Ladenetz soll im Endausbau aus mehr als 400 Ladestationen im Land bestehen“, so der EnBW-Sprecher. Die Unternehmensberatung pwc stellt dazu in einer im Juli veröffentlichten Studie fest: „Der Ausbau läuft in Deutschland trotz staatlicher Kaufpreisanreize schleppend. Selbst die Bundesregierung hält das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 mittlerweile für unrealistisch.“ Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erwartet nach eigener Aussage bis 2020 einen Ausbau auf etwa 36 000 Ladesäulen, was gegenüber dem aktuellen Ausbau, so der Verband, fast eine Vervierfachung bedeute.

Bleibt die Möglichkeit, das Elektrofahrzeug nicht an einer öffentlichen Station zu laden, sondern zu Hause. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen teilen dazu mit: „Viele Besitzer von Elektrofahrzeugen nutzen die normale Haushaltssteckdose zum Laden der Fahrzeuge. Das ist jedoch gefährlich.“ Als Begründung wird genannt, dass die Haushaltssteckdose für „die langandauernde Übertragung von großen Leistungen nicht geeignet ist“. Es bestehe die Gefahr von Überhitzung und Kabelbränden. Außerdem könnte die Hausinstallation „überlastet oder beschädigt werden“. Die Steckdosen seien zudem nicht gegen das Eindringen von Feuchtigkeit geschützt. Die Stadtwerke empfehlen für die Sicherheit stattdessen den Einbau einer speziellen Ladebox, die zudem den Ladevorgang beschleunigt. Die kostet zwischen 1800 und 2700 Euro – je nach Leistung. Verkauft wurde sie bislang laut Stadtwerken in einem „niedrigen einstelligen Bereich“.

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