Osmanen Schwierige Suche nach der Wahrheit

Ludwigsburg/Stuttgart / von Bernd Winckler 07.06.2018

Der zehnte Prozesstag gegen acht Mitglieder der Osmanen Germania BC war geprägt von der Analyse der bisher gehörten Zeugen, vor allem auch des Zeugen, der im Januar letzten Jahres von mindestens zwei der Beschuldigten gefoltert worden sei. Der Zeuge überraschte die Richter  mit der Nachricht, dass er von den Landeskriminalämtern Hessen und Baden-Württemberg als Spitzel gegen die Osmanen Germania BC/ Deutschland angeheuert werden sollte – gegen entsprechende Geldzahlungen. Auch für entsprechende „belastende“ Aussagen gegen den Angeklagten Osmanen-Welt-Präsident Mehmet Bagci und dessen Vize Levent Uzundal, sei ihm von den Ermittlungsbehörden Geld angeboten worden.

Die Landeskriminalämter weisen die Angaben des Zeugen entschieden zurück. Für Zeugenaussagen werde nie Geld geboten, heißt es. Obwohl der Zeuge berichtet, dass ihm Mitte letzten Jahres an einer Autobahnraststätte 1200 Euro in einem Briefumschlag übergeben wurden. Und dass man ihm auch finanzielle Unterstützung als Gegenleistung für „Informationen“ und belastende Angaben gegen die Angeklagten zugesagt hätte.

Ein Beamter des LKA Marburg, den die Richter am Mittwoch vernahmen, wollte davon nichts wissen. Er habe den verletzten Zeugen zwar vernommen, von ihm aber nur Angaben zu den angeblichen Folterungen bekommen. Dafür liegt der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ein dienstlicher Vermerk vor, wonach man diesem Zeugen nach seiner Genesung eine Belohnung für Spitzeldienste für die Polizei in Aussicht gestellt hatte. So wie man es bei der organisierten Kriminalität öfters praktiziere.

Richter Holzhausen wies den Zeugen wiederholt auf seine Wahrheitspflicht und auf diverse Widersprüche hin. Schließlich gab es die Belehrung, dass er nicht weiter aussagen müsse, weil er in polizeilichen Vernehmungen zu viele verschiedene Versionen geliefert habe. Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass der Zeuge nicht die Wahrheit sagt. Schwer verletzt wurde der nächste Zeuge, auf dessen Auftritt die Beteiligten schon seit Wochen warten: Ein 26-jähriger Kurde, der im November vergangenen Jahres von etwa 20 Osmanen-Brüder in Ludwigsburg auf offener Straße mit Hieb- und Stichwaffeneinsatz bewusstlos niedergeschlagen wurde, weil er der verfeindeten kurdischen Rockergruppe angehört habe.

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