In der Dämmerung sind sie unterwegs auf Nahrungssuche. Reh, Wildschwein, Fuchs, Dachs und Hase kennen keine Zeitumstellung und richten sich allein nach ihrer inneren Uhr.

„Wenn wir die Uhren auf die Winterzeit umstellen, fällt die Dämmerung in die Stunden zwischen fünf und acht Uhr am Morgen sowie 16.30 und 20 Uhr am Abend. Dies ist genau die Zeit des Berufsverkehrs“, weist Jagdpächter Matthias Grünenwald vom Revier Bönnigheim-Hofen auf ein Dilemma hin, das erklärt, warum gerade in der dunklen Jahreszeit viele Wildunfälle passieren.

Nach den Statistiken des Deutschen Jagdverbands (DJV) kommt es in Deutschland zu über 233 000 Wildunfällen im Jahr. Die Folgen können oft schwerwiegend sein, denn beim Aufprall wirken enorme Kräfte auf Fahrzeug und Insassen ein. „Wer mit rund 60 Stundenkilometern mit einem Reh zusammenstößt, erfährt eine Wirkung wie beim Zusammenstoß mit einem Wasserbüffel mit einer Tonne Gewicht. Bei einem Wildschwein ist der Aufprall bei gleicher Geschwindigkeit sogar mit dem auf ein Nashorn mit 3,5 Tonnen vergleichbar“, erläutert Grünenwald.

Deshalb gilt auf Fahrstrecken durch den Wald, aber auch an Wald-, Feld- und Wiesenrändern: Fuß vom Gas, denn schon wer mit 80 anstatt mit 100 Stundenkilometern fährt, verkürzt seinen Bremsweg um 25 Meter. „Die Autofahrer sollten besondere Vorsicht walten lassen und immer mit einem Wildwechsel rechnen“, betont der Bönnigheimer Jäger.

Rehe und vor allem Wildschweine sind meist in größeren Familienverbänden unterwegs. Stehen Wildtiere bereits auf der Straße, sollte der Autofahrer sein Fernlicht ausschalten, abbremsen und hupen. „Blicken die Tiere ins Fernlicht, werden sie geblendet, sehen nichts mehr und verharren, denn sie zeigen kein Fluchtverhalten mehr. Ist ein Abbremsen nicht mehr möglich, sollten Autofahrer auf keinen Fall das Lenkrad herumreißen, sondern geradeaus weiterfahren. Ausweichmanöver auf die Gegenfahrbahn oder in den Wald könnten sonst schwerwiegende Folgen haben“, betont Grünenwald.

Ist es tatsächlich zum Zusammenstoß mit einem Reh oder Wildschwein gekommen, sollten die Autofahrer Ruhe bewahren und ihr Fahrzeug unter anderem mit einem Warndreieck und sich selbst mit seiner Warnweste ausreichend sichern. „Sie sollten ihren genauen Standort bestimmen und die Polizei benachrichtigen, die den zuständigen Jagdpächter informiert. Er kümmert sich um die verletzten oder toten Tiere“, empfiehlt Grünenwald.

Früher, als der Bönnigheimer Jäger noch ein größeres Revier gepachtet hatte, durch das eine Straße durch ein Waldgebiet führte, wurde er jährlich bis zu 30 Wildunfällen gerufen.

Eine Lösung für das Problem gibt es nicht, denn die Wildtiere halten sich nicht an Verkehrsschilder oder Verkehrsregeln. „Ich kann nur an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer appellieren, damit sie ihre Geschwindigkeit an besagten Gefahrenstellen drosseln“, so Jagdpächter Matthias Grünenwald.

Nach den Angaben des Statistischen Bundesamts starben beispielsweise im Jahr 2017 auf Deutschlands Straßen zehn Menschen bei Wildunfällen, 606 Personen wurden schwer und 2308 leicht verletzt. Die meisten Wildunfälle gab es nach der Statistik in den Monaten Oktober und Mai.

Info Zum Auftakt eines  Wochenschwerpunktes hat die BZ am Dienstag über die Kreisverkehrswacht berichtet. In der heutigen Ausgabe geht es auf dieser Seite um Wildunfälle und auf  Seite 15 um die Arbeit der Straßenmeisterei in Ottmarsheim.