Zwei überdimensionale Bildschirme beherrschen den Raum der zentralen Netzleitstelle, in dem alle Störungen im Strom- oder Gasnetz eingehen. Zwei Schaltmeister haben das Geschehen aufmerksam im Blick. Auf dem einen Bildschirm ist eine Mittelspannungsnetzkarte sichtbar, viele bunte Linien, die die Stromversorgung rund um Pleidelsheim, Ingersheim und Freiberg symbolisieren.

Eine weiß gekennzeichnete Linie zeigt eine so genannte „Schutzschaltung“ an, die Abschaltung einer Stromleitung wegen Grabungsarbeiten. Auf dem anderen Bildschirm werden Wärmeanlagen kontrolliert. Die gesamte Kontrolle für die reibungslose Energieversorgung mit Strom, Erdgas, Wärme und für Straßenbeleuchtungen läuft voll automatisiert ab. Wenn sich eine Störung nicht direkt von der Netzleitstelle aus beheben lässt, werden Mitarbeiter vom Serviceteam vor Ort geschickt, die an den entsprechenden, insgesamt 1500 Trafo-Stationen die Freischaltungen auf Anweisung der Schaltmeister vornehmen. „In der Regel sind Störungen innerhalb von 30 Minuten behoben“, erklärt Michael Meyle, Regionalleiter der Syna GmbH, eine Netztochter der Süwag Energie AG.

Die Netzleitstelle in Pleidelsheim ist neben der in Frankfurt-Höchst die größte Zentrale der Syna GmbH. Von hier wird im Landkreis Ludwigsburg für 24 Kommunen mit knapp 170 000 Einwohnern die Energieversorgung überwacht. Rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. „Wir sind für die Landkreise Ludwigsburg, Rems-Murr und Heilbronn zuständig“, so Michael Meyle.

Das Versorgungsgebiet umfasst rund 388 Quadratkilometer für Strom und rund 310 Quadratkilometer für Gas. Insgesamt arbeiten in Pleidelsheim 145 Mitarbeiter, inklusive Serviceteams im gesamten Servicegebiet sind es 236 Mitarbeiter. Alle Informationen über Störungen oder Abschaltungen laufen in der Pleidelsheimer Zentrale zusammen.

Kontrolle des Wasserstands

Auch die Umspannanlage, in der Hochspannung von 110 000 Volt in Mittelspannung von 20 000 Volt automatisch umgewandelt wird, wird direkt vor Ort gesteuert. Außerdem ist die Netzleitstelle für das Wasserkraftwerk in Pleidelsheim zuständig und kontrolliert auch die Regelhöhe für den Wasserstand, damit die Schifffahrt auf dem Neckar problemlos ablaufen kann.

„Die häufigsten Störungen entstehen tatsächlich durch den sogenannten Baggerbiss beim Durchtrennen von Leitungen bei Tiefbauarbeiten“, weiß Michael Meyle. Aber auch Blitzeinschläge in Überlandleitungen oder Schäden durch Orkanstürme wie jüngst beim Orkantief „Sabine“ werden von der zentralen Leitstelle in Pleidelsheim registriert und behoben. „Beim Sturm Sabine konnte man über die Netzkarte genau verfolgen, wo der Sturm gerade drüberzieht“, sagt Meyle. Inzwischen sind Sturmschäden an Freilandleitungen seltener geworden als in früheren Jahren, da immer mehr Verkabelungen unterirdisch verlegt werden.

13 Minuten Stromausfall

In der Netzleitstelle herrschen hohe Sicherheitsstandards. „Wir haben wöchentlich mehrere Cyber-Angriffe, aber bisher ist es noch nie jemandem gelungen, in unsere Struktur einzubrechen“, berichtet der Regionalleiter. Im Katastrophenfall arbeitet die Netzleitstelle autark. Satellitentelefone sorgen für die Kommunikation, eigene Server für die Sicherheit der Steuerung. Meyle: „Krisenmanagement gewinnt immer mehr an Gewicht.“

Für längere Stromausfälle werden in Zusammenarbeit mit den Kommunen Konzepte ausgearbeitet, um die Energieversorgung sicher zu stellen. Rein rechnerisch habe jeder Endkunde der Syna im Jahr 13 Minuten Stromausfall, der Bundesdurchschnitt liege bei 15 Minuten. Die meisten Störungen bekommen die Kunden aber gar nicht mit. Oberstes Gebot sei, sagt Meyle, dass alles verlässlich funktioniert, rund um die Uhr.