Es ist ein Albtraum für viele Eltern: Das eigene Kind auf einem Instagram- oder Facebook-Account oder gar auf Youtube im Video festgehalten, wiederzufinden – ohne gefragt worden zu sein, ob man das will. Denn Instagram oder Facebook werden von vielen als virtuelles Fotoalbum benutzt, in dem alle Schritte des Kindes dokumentiert werden.

Schulleitungen diskutieren gar über Fotografierverbote bei den Einschulungsfeiern. Hubert Haaga vom Staatlichen Schulamt Ludwigsburg empfiehlt den Schulen „die Eltern darum zu bitten, während der Einschulungsveranstaltung nicht zu fotografieren oder es ganz zu verbieten, das kann die Schule, weil sie das Hausrecht hat“.

Schuld an dem Dilemma ist aber nicht, wie oft behauptet wird, die veränderte Datenschutzgrundverordnung der EU, die seit Mai 2018 in Kraft ist, sondern das Persönlichkeitsrecht, das im Prinzip schon immer galt, nur in Zeiten von Social Media akuter denn je ist. Es ist das Recht am eigenen Bild, das viele Eltern für ihre Kinder verteidigen.

Die Waldschule Bissingen hat reagiert. Kerstin Schniz, stellvertretende Schulleiterin, sagt, dass während der Einschulungsfeier und des Programms auf der Bühne nicht fotografiert werden darf. „Damit wird vermieden, dass nicht nur das Kind, sondern auch Schulkameraden gefilmt werden und dann ohne Einwilligung gepostet werden“, sagt Schniz. Nach der Feier werden die Erstklässler namentlich ihren Klassen zugeteilt. Daraufhin stellen sie sich klassenweise zu einem Gruppenfoto auf, dabei dürfen auch die Eltern fotografieren. Kinder, deren Eltern im Vorfeld die Einwilligung verweigert haben, werden zurückgehalten. Schniz sagt, dass es daher noch keine Probleme mit Eltern gab. „Allerdings wollte einmal ein ehemaliger Schüler, dass wir seine Fotos von unserer Homepage nehmen“, sagt sie. Das sei so ein großer Aufwand gewesen, dass die Schule gleich eine neue Homepage bauen ließ, auf der nun nur noch autorisierte Klassenfotos drauf sind. „Das ist schade, weil wir nun keine Fotos aus den Klassen oder von Festen posten können.“

Offizielle Formulare zur Einwilligung, dass das Kind fotografiert werden darf, werden in den Elternabenden zu Beginn jeden Schuljahres verteilt. „Eltern neigen erst mal dazu, ein Nein auszusprechen, ohne an die Gefühle der Kinder zu denken“. Das führe dazu, dass sich Kinder ausgegrenzt fühlen, weinen und nicht wissen, warum sie nicht fotografiert werden können. „Dann führen wir Gespräche mit den Eltern, damit diese die Konsequenzen ihrer Entscheidung kennen“, sagt die Bissinger Konrektorin.

In der Kirbachschule Sachsenheim-Hohenhaslach wird das Fotografieren mit den Erstklässlern frei gehandhabt, sagt Sekretärin Carmen Pfleger. Das Fotografieren während der Einschulungsfeier ist erlaubt, die Eltern werden aber darauf hingewiesen, dass sie diese Fotos nur privat nutzen dürfen. Bei den offiziellen Gruppenfotos ist es den Begleitern der Kinder nicht erlaubt, zu fotografieren, das Gruppenbild kann dann erworben werden, ohne die Berechtigung, es online stellen zu dürfen. Auch in Hohenhaslach werden grundsätzliche Einwilligungserklärungen für Fotos während des Schuljahrs verlangt. Kinder, die nicht fotografiert werden dürfen, werden dann in ein anderes Klassenzimmer geschickt, „weil die sehr traurig sind“, so Pfleger.

An der Georg-Hager-Schule in Mundelsheim, so Rektorin Claudia Schäuffele, „handhaben wir es so, dass bei der Aufnahmefeier in der Schule Fotos gemacht werden dürfen“. Dafür wurde im Rahmen der Schulanmeldung über eine Datenschutzerklärung das Einverständnis der Eltern erfragt. Die Bilder dürfen auch für die Schulhomepage und das Gemeindemitteilungsblatt verwendet werden. „Bei internen Veranstaltungen, zu der die Öffentlichkeit keinen Zugang hat, bitten wir die Eltern, nicht zu fotografieren und machen selbst Bilder für die Homepage.“

Info In einem Schwerpunkt zum Schulbeginn in dieser Ausgabe beleuchtet die BZ alles Wichtige zu diesem Thema.