Für Heike Gfrereis, Leiterin der Museen des Deutschen Literaturarchivs Marbach auf der Schillerhöhe, ist ganz klar: „Ich würde gerne alle Leute ohne Eintritt in unsere Museen lassen“, sagt sie. Aber: Der Eintritt ins Schiller-Nationalmuseum und ins Literaturmuseum der Moderne kostet 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Darin enthalten sind die Besuche beider Museen mit Dauer- und Wechselausstellungen. Viele Veranstaltungen und Führungen sind kostenlos, ebenso der Eintritt an den Aktionstagen der Museen.

Das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat in einer kürzlich erschienen Studie zwar festgestellt, dass freier Eintritt in Museen keine zusätzlichen Besucher bringe, kostenlosen Eintritt aber doch empfohlen. „Zu Recht“, sagt Gfrereis. „Die Museen haben einen Bildungs- und Zeigeauftrag, denn sie werden mit Steuergeldern unterhalten. Jedem sollte es möglich sein, in ein Museum zu gehen, auch wenn er es sich nicht leisten kann“, sagt sie.

Auf der Schillerhöhe ist es aber gar nicht so einfach, den Eintrittspreis wegfallen zu lassen. Der Träger der beiden Museen ist die Deutsche Schillergesellschaft, gefördert wird diese von Bund und Land. Ein

Drittel des Ausstellungsetats müssen die Museen selbst erwirtschaften. Zwei Möglichkeiten gebe es, so sagt sie, um den Eintritt wegfallen zu lassen: über Sponsoren oder auch durch Spenden. „Besucher sollten Museen als öffentlichen Ort betrachten können, sich dort Zeit und den Luxus herausnehmen dürfen, auch nur einmal die Atmosphäre zu genießen oder im Falle der Marbacher Museen Schillers Manuskripte anzuschauen“, sagt sie. Stattdessen hetzten sie im „Dauerlauf“ durch die Ausstellung, um jedes einzelne Exponat gesehen zu haben, „damit sich der Eintrittspreis lohnt“.

Museen müssten sich verändern und stärker an den Menschen orientieren, für die sie da sind und die sie letztlich auch finanzieren. Dazu gehört, dass Museen auch soziale Orte werden, für die jeder einzelne eine Verantwortung übernimmt, an denen er sich aber auch freuen kann. „Wir haben zum Beispiel auch den allerschönsten Platz hier, um Sonnenuntergänge anzuschauen“, so Heike Gfrereis.

Info In einem Schwerpunkt hat die BZ in den Museen nachgefragt, wie sie mit der Empfehlung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst umgehen: Eintritt ja oder nein. Antworten gibt’s auf den Seiten 10, 11, 13, 14, 15, 16.