Freudental Schwäbische Märchen haben viele Fans

Nicht nur die Kinder hatten großen Spaß an den schwäbischen Märchen, die Jürgen Kunz (rechts) vortrug, und den Märchenskulpturen von Martin Opitz (links), auch die erwachsenen Märchenfans waren begeistert.
Nicht nur die Kinder hatten großen Spaß an den schwäbischen Märchen, die Jürgen Kunz (rechts) vortrug, und den Märchenskulpturen von Martin Opitz (links), auch die erwachsenen Märchenfans waren begeistert. © Foto: Martin Kalb
Freudental / GABRIELE SZCZEGULSKI 19.05.2015
Sitzplätze gab's keine mehr: Die Premiere des "Märchenfescht in schwäbischer Mundart" von Martin Opitz und Jürgen Kunz war ein voller Erfolg. Das evangelische Gemeindehaus Freudental platzte aus allen Nähten.

Dass die Kleinsten auf dem Boden auf Kissen platziert wurden, um für die Erwachsenen mehr Sitzplätze zu schaffen, das war für die Kinder kein Problem. Im Gegenteil: So konnten sie beim ersten "Märchenfescht in schwäbischer Mundart" dem "Märchenvrzähler" Jürgen Kunz direkt auf den erzählenden Mund mit offenem Mund schauen. "Ja, ich vrstands scho", sagte der kleine Tim und zeigte genau das, was der Erligheimer Jürgen Kunz, Redakteur der BZ, und der Bönnigheimer Künstler Martin Opitz erreichen wollten: schon die Kleinsten mit den allseits bekannten Märchen in den Bann der schwäbischen Mundart zu ziehen.

An die 100 Besucher waren gekommen, um dieses rundum gelungene "Märchenfescht" zu erleben. "Es ist eine Ehre für uns, dass das Märchenspektakel die Premiere bei uns feiert", sagte Dieter Bertet von der Freudentaler Bürgerstiftung, die für die "Märchengastronomie" zuständig war und als Veranstalter fungierte.

Eine runde Sache wurde die Märchenstunde mit Jürgen Kunz durch die Skulpturen zu den einzelnen Märchen, die Martin Opitz geschaffen hatte, und die durch reduzierte, aber aussagekräftige Symbolik die Besucher geradezu entzückten: "Das ist Rapunzel", sagte die kleine Felizitas zu einem Baumstamm, aus dem ein blonder Zopf heraushing. Jürgen Kunz hatte im Vorfeld acht Märchen ins Schwäbische übersetzt, wovon er drei auf dem Märchenfest vorlesen wollte, aber auf Wunsch der begeisterten Zuhörer noch ein viertes hinzufügen musste: "Dr Wolf ond dia siaba Zickla", "Rapunzl", "Baba Jaga" und "Rumplstilzle". Dabei gefiel den Zuhörern vor allem Kunz' Übersetzungsweise, der die Märchen nicht eins zu eins übertragen hatte, sondern ihnen einen eigenen, schwäbischen, Charme gegeben hatte: "Dr bese Denger lebt nemmr" beispielsweise, als der Wolf erlegt wurde.

Begeisterung rief auch das Märchenrätsel hervor, in dem die Besucher erraten mussten, welche Opitzsche Figur zu welchem Märchen gehört. "Ich bin ein Märchenfan, deshalb gefällt mir besonders das Rätsel, da kann ich mein Wissen testen", sagte Luise Raitmayer, die mit ihrem Mann eigens aus Ludwigsburg gekommen war, um an diesem ersten Märchenfest teilzuhaben. "Ich finde es super, dass es endlich so etwas gibt, danach suchten wir Märchenfans schon lange und dann auch noch auf Schwäbisch, toll", schwärmte sie.

Dieter Bertet zeigte seine Begeisterung für das Märchenfest ganz offen: "Ich bin begeistert, so eine Veranstaltung ist eine tolle Bereicherung für die Region und zeigt, dass unsere Mundart lebt." Andreas Gstöttenbauer aus Bietigheim-Bissingen erzählte, dass er das Projekt "schwäbische Märchen" schon seit zwei Jahren verfolge und es für ihn "ein Anliegen ist, hier zu sein und zu zeigen, wie toll ich das finde". Für dieses Lob wurde er von Martin Opitz auch gleich aus dem Publikum zum übergroßen Weinhumpen entführt, den auch Gstöttenbauer nicht tragen konnte. Mit kleinen Zwischengags und vielen von Opitz gefertigten Kreisel-Spielen wurden die Besucher außerhalb der Lesungen unterhalten. Die Freudentaler Bürgerstiftung sorgte mit "Hexahörnla", "Scheiterhaufa" und "Gsälzbrot" für die nötige Stärkung. Ein gelungener Spaß - dieses "Märchenfescht" mit pädagogischer Wirkung: Unterstützung fürs Schwäbische und für Märchen.

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