Theater Schwäbisches Theater ernst nehmen und nicht „verlachen“

Rüdiger Erk zeigt, wie ernsthaftes schwäbisches Theater funktionieren  kann, und zwar bei einem ungewöhnlichen Anlass: beim Theaterspaziergang „Besigheim im Dämmerlicht“.
Rüdiger Erk zeigt, wie ernsthaftes schwäbisches Theater funktionieren  kann, und zwar bei einem ungewöhnlichen Anlass: beim Theaterspaziergang „Besigheim im Dämmerlicht“. © Foto: Helmut Pangerl
Kreis Ludwigsburg / Gabriele Szczegulski 07.11.2016

Schwäbische Theaterstücke sind schon lange nicht mehr alleine ein Programmpunkt auf Jahresfeiern der Vereine. Auch in der Region gibt es feste Ensembles, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, schwäbische Theaterkunst zu zelebrieren. Da wird schon mal Urschwabe Friedrich Schiller schwabisiert oder auch der liebe Goethe muss dran glauben. Nicht mal vor französischen Dichtern wird da Halt gemacht. Aber da wird nicht einfach nur verniedlicht mit dem -le am Ende oder ein Schenkelklopfer nach dem anderen rausgehauen, direkt an der Gürtellinie entlang. Nein, auch Mundartbühnen haben den hehren Anspruch, sich um die schwäbische Sprache zu bemühen und durchaus hohe Kunst und hohe Texte auf die Bühne zu bringen.

Dass die Mundart immer mehr auch für feste Bühnen ein zentrales Motiv wird, hat auch der Verein Amateurtheater Baden-Württemberg erkannt und 2015 einen eigenen Arbeitskreis mit einem Mundartbeauftragten gegründet. Und der kommt aus unserer Region: Der Besigheimer Schauspieler und Regisseur Rüdiger Erk betreut die Mundartarbeit, hält Kontakte zu Bühnen, die auf Schwäbisch spielen und bietet eine Plattform zum Erfahrungsaustausch. „Ein bedeutsames Kulturgut“ sei die schwäbische Sprache, sagt Erk, und auch das Theater müsse sich mehr dem Dialekt öffnen. „Vor allem sind wir immer auf der Suche nach renommierten Bühnen, die auch ernsthafte Stücke auf Schwäbisch spielen, nicht nur diese Schenkelklopfer, sondern Stücke abseits des Boulevards“, sagt er. Aber, das würden immer mehr werden, wie beispielsweise das Oberriexinger Theater unter der Dauseck, das immer wieder schwäbische Einsprengsel zulässt. Auch Rüdiger Erk selbst trägt dazu bei. Seit 2003 schart er zehn Schauspieler in Besigheim um sich, die die Stadtführung „Besigheim im Dämmerlicht“ machen: „so wie uns der Schnabel gewachsen ist, also auch auf Schwäbisch“. Themen der Stadtgeschichte werden theatralisch aufgearbeitet. Auch für die Scheuraburzler in Großbottwar hat Erk schon Komödien inszeniert, „die das Schwäbische an sich ernst nehmen und nicht verlachen“.

Bei der Schwaben-Bühne in Asperg ist der Name natürlich Programm. Seit 1974 gibt es den Verein, seit 1993 ist er unter dem Hohenasperg beheimatet, mit eigener Auftrittsstätte. Die Stücke sind meist schwäbische Komödien, die die Eigenarten der Schwaben auf der Bühne herausarbeiten. Derzeit steht das Stück „Nex genau’s woiß mr ned“  um einen Macho und Weiberhelden auf dem Programm.

Das Theater Fleckabutzer aus Löchgau wird von Jahr zu Jahr umtriebiger. Gleichzeitig mit drei Stücken ist das Ensemble derzeit unterwegs und bespielt landauf, landab mit Erfolg die Hallen. Unter seinem Vorsitzenden Heinz Kienle hat es sich zu einer regelrechten Tourneebühne entwickelt. Derzeit haben die Löchgauer „Bunga-Boeing“, „Camping uff Schwäbisch“ und „Mei Leich, dei Leich“ im Angebot.

Aus dem Handharmonikaclub Freudental sind die Quetschkommödler hervorgegangen. Seit 2002 spielen die Amateure schwäbische Stücke. Derzeit ist das Ensemble mitten in den Vorbereitungen zum neuen Stück, das im März 2017 aufgeführt werden soll: „Die unglaubliche Geschichte vom gestohlenen Stinkerkäs“.

Auch das Glasperlenspiel in Asperg verschreibt sich ab und an der schwäbischen Sprache. Das Theaterensemble der Kulturstätte spielt derzeit „Die Eigentümerversammlung“, ein Stück aus dem Französischen in einer schwäbischen Übersetzung. Vor allem Klassiker in die Mundart zu übertragen, wie bei dem preisgekrönten „Der schwäbische Tartüff“ ist eine Vorliebe der Laien-Schauspieler. Das Bäsakammertheater Gemmrigheim wurde 1991 gegründet. Mehr als 100 Aufführungen in der Festhalle in Gemmrigheim haben die Laienschauspieler absolviert. Seit diesem Wochenende spielt das Ensemble „Spanien ole“.

Doch auch die Schenkelklopfer-Stücke auf Schwäbisch sind nicht verpönt und finden ihr Publikum. Alljährlich im Dezember spielt die Theatergruppe der Spvgg. Bissingen für die BZ-Aktion Menschen in Not an drei Abenden eine schwäbische Komödie und das seit 1977. Am Mittwoch, 30. November, ist in der Bietigheimer Kelter Premiere von „Ferien mit Lollypopp“.

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