Der Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible ist sichtlich um eine neutrale Ausdrucksweise bemüht. Anderthalb Jahre sei der Prozess vor den Augen der Öffentlichkeit geführt worden. Sieben öffentliche Veranstaltungen habe es gegeben, darunter vier Bürgerworkshops. Das Interesse sei mau gewesen, „es war fast schon frustrierend“. 30 bis 40 Zuhörer seien jeweils da gewesen. „Da hast du gedacht, das interessiert gar keinen.“ Und jetzt, nachdem der Gemeinderat am 23. Juni nach zähen Debatten eine Entscheidung gefällt hat, jetzt soll alles nochmal aufgerollt werden.

Mit 13 Ja- und acht Nein-Stimmen hatte das Freiberger Gremium für die Schließung der drei örtlichen Grundschulen und den Bau einer zentralen sechszügigen Grundschule am Kasteneck-Park votiert. Nun aber regt sich massiver Widerstand gegen den Entschluss des Gemeinderats. Die „Bürgerinitiative zur Erhaltung der drei Grundschulstandorte in Freiberg“ hat laut Harald Schönbrodt, dem Sprecher, 1700 Unterschriften für einen Bürgerentscheid zusammengetragen. Gebraucht hätt’s 900, um das Quorum (sieben Prozent der wahlberechtigten Bürger) zu erreichen. Laut Schönbrodt soll die Liste an diesem Mittwoch übergeben werden. Der Gemeinderat wird dann binnen zwei Monaten entscheiden müssen, ob es zum Bürgerentscheid kommt. Zentrale Kritik: Die Erreichbarkeit der Schulen müsse erhalten bleiben. „Das ist ein Standortfaktor“, sagt der Vater zweier Kinder im Grundschulalter. Zudem seien drei kleine Schulen besser als eine sehr große.

Schaible hält dagegen, dass zwei externe Gutachten bestätigt hätten, dass der Erhalt und die Sanierung der drei Schulen wesentlich teurer und auf lange Sicht weniger nachhaltig wären. Von zwölf geprüften Varianten sei der Erhalt der drei Schulen die am schlechtesten bewertete gewesen, der Gemeinderat und die Verwaltung hätten sich die Entscheidung bestimmt nicht leicht gemacht. „Ein einfaches Setzen eines Kreuzchens oder einer Unterschrift wird der Komplexität nicht gerecht. Ich glaube, dass sich die Leute nicht mit allen Facetten auseinandergesetzt haben“, sagt er und glaubt, dass sich etliche Unterschreiber offenbar nicht eingehend informiert hätten, „es geht um mehr als das Laufen des Schulweges“. Sein Fazit: „Ich halte einen Bürgerentscheid hier nicht für sinnvoll.“

Schönbrodt sieht das  anders: „Das ist ein Thema, das alle Freiberger angeht.“ Zwar bedauert auch er, dass sich im Vorfeld wenige Bürger über das Vorhaben informiert haben, er wirft der Stadtverwaltung aber auch vor, die Debatte im Gemeinderat zuletzt nicht ergebnisoffen geführt, sondern bewusst in Richtung Großschule gelenkt zu haben. Schaible weist das von sich. „Das ist ein Witz!“ Irgendwann müsse man in einem Gremium schließlich zum Punkt kommen. Was ihn ärgert, ist das Signal, dass dem Gemeinderat gegeben werde: „Ich glaube ganz bestimmt, dass sich das auf die Motivation von Gemeinderäten ganz massiv auswirkt. Es wird immer schwerer werden, Leute für so eine verantwortungsvolle Arbeit zu gewinnen.“