Freiberg Schulneubau wird zu einer schweren Last

Freiberg / JÖRG PALITZSCH 21.11.2015
In Freiberg hat man ganz Großes vor: Das Stadtzentrum soll bis 2020 komplett saniert werden. Ein Kernstück ist der Abriss der Oscar-Paret-Schule, die neu gebaut werden soll.

Städtebauliche Veränderungen sind nicht leicht zu schultern. Das müssen der Gemeinderat und die Verwaltung in Freiberg in punkto Schulhaus-Neubau gerade erfahren.

Die Ausgangslage: Im Juli 2015 stellte man in Freiberg die ersten Weichen für den Schul-Neubau, ein großes Bildungszentrum mit Gymnasium, Realschule und Gesamtschule. Arne Fentzloff vom Stuttgarter Büro "Architektur 109" plädierte vor dem Gemeinderat für einen "nicht offenen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren". Dadurch könnten sich bis zu 25 Architektenbüros beteiligen, so sei eine Fülle guter Ideen zu erwarten. Bürgermeister Dirk Schaible: "Das Ganze ist doch letztendlich kein Hexenwerk."

Die Kostenexplosion: Einen schweren Rückschlag musste Freiberg bei seinen Schulhaus-Plänen Ende Oktober hinnehmen. Statt erwarteter 38,8 Millionen Euro kletterten die Kosten nun auf 61,5 Millionen Euro. Der Grund: Das Regierungspräsidium rechnete einen doppelten Platzbedarf für die neue Schule aus. Ursache dafür sind ein neuer Bildungsplan, für dessen Umsetzung mehr Fachunterricht und damit mehr Räume nötig werden, neue Formen des Unterrichts, die Eingliederung behinderter Kinder in den Schulbetrieb, plus Mensa und Küche. So wurden aus ursprünglich 17 000 Quadratmetern nun 26 000 Quadratmeter Schulfläche. "Das ist der Hammer" meinte Stadtrat Dr. Thomas Braun von der FDP. Wahrscheinlich sollten wir jetzt alle Lotto spielen", ergänzte Klaus-Peter Bakalorz von der SPD.

Die CDU-Rechnung: Nach der Kostenexplosion wurden in der Freiberger CDU die Bleistifte gespitzt und nochmals gerechnet. Danach steigen die Kosten für den Umbau des Freiberger Zentrums auf 103 Millionen Euro - und das bei Abzug aller Zuschüsse und Grundstückserlöse sowie einem Anstieg des städtischen Eigenanteils. In ihrer Rechnung, so die CDU, seien die Erschließungs- und Abbruchkosten aber gar nicht enthalten. Nach dem Zwischenbericht im Oktober beschäftigt man sich im Rathaus fast täglich mit der Sanierung. Was anfangs also noch kein Hexenwerk war, sei inzwischen ein "sehr komplexes Thema", so Bürgermeister Dirk Schaible.

Die Zukunft: Das Projekt "Oscar-Paret-Schule" soll 2016 beginnen. Beginnt der Abbruch der Schule, müssen die Schüler woanders untergebracht werden. Gegenwärtig besuchen rund 1700 Kinder und Jugendliche die Gemeinschafts- und Werkrealschule, die Realschule und das Gymnasium in Freiberg.

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