Schwerpunkt Vereine Schülerförderung seit zehn Jahren

Jobbrücke-Vorsitzender Dr. Wolfgang Sielaff im Gespräch mit einer Schülerin bei der diesjährigen „Patendank“ in der Firma Kemmler-Electronics in Freiberg.
Jobbrücke-Vorsitzender Dr. Wolfgang Sielaff im Gespräch mit einer Schülerin bei der diesjährigen „Patendank“ in der Firma Kemmler-Electronics in Freiberg. © Foto: Hagen Froehlich
Freiberg / Günther Jungnickl 15.09.2018

Die Idee zum Verein „Jobbrücke Freiberg – Vorberufliche Jugendförderung“ hatte der Unternehmer Max Roßkopf unmittelbar im Anschluss an einen Vortrag, bei dem er erfahren hatte, dass etwa sechs Prozent aller Schulabgänger entweder keinen Schulabschluss oder eine Ausbildung vorzuweisen hätten. „Das kann doch nicht sein“, dachte sich der Seniorchef der Firma Teamtechnik und suchte umgehend Mitstreiter, weil er begriffen hatte, dass die weiterbildenden Schulen angesichts einer gefährlichen demografischen Entwicklung damit nicht alleingelassen werden dürfen.

Inzwischen 175 Mitglieder

Also traf sich im Spätsommer des Jahres 2008 eine Handvoll williger Menschen in den Räumen der Firma Teamtechnik, um die Roßkopf‘sche Idee von der Chancengleichheit auch umzusetzen. Beim zweiten Treffen war schon Alfred Amend, der Inhaber des Asperger Bildungsinstituts Konzept AG dabei, beim dritten auch die Lehrerschaft der Oscar-Paret-Schule (OPS), vertreten von Gerhard Link (Hauptschule), Jürgen Seeger (Realschule) und Dr. Norbert Kuhn (Gymnasium). Und so kam es, dass bereits nach dem fünften Treffen der Projektgruppe am 26. Februar 2009 zur Gründungsversammlung des Vereins eingeladen werden konnte. Inzwischen hat er 175 Mitglieder, davon überwiegend heimische Unternehmen in Freiberg, Pleidelsheim und Ingersheim.

Zielgruppe: Hauptschüler

Am 19. März des gleichen Jahres fand die erste Jahreshauptversammlung mit der Wahl des vierköpfigen Vorstands statt. Zum ersten Vorsitzenden wurde dabei der Freiberger Unternehmer Tilman Raff (Firma Raff & Grund), als seine Stellvertreter der Druckereibesitzer Thomas Memminger und Max Roßkopf und zum Kassierer der selbstständige Installateur Maurizio Mereu gewählt. Zielgruppen: Damals ausdrücklich in der Mehrheit Hauptschüler (weil sie besonders große Probleme haben, einen Ausbildungsplatz zu bekommen), aber auch ein gutes Drittel Realschüler der Oscar-Paret-Schule.

Ein Pate für jeden Schüler

Das Besondere an der Jobbrücke ist ihre  Konzeption: Denn alle Schüler müssen sich bei dem Verein um die Teilnahme bewerben, weil die Kapazität auf 24 Teilnehmer begrenzt wurde und notfalls Wartelisten aufgestellt werden. Jeder Schüler bekommt dann einen ehrenamtlichen Paten zur Seite gestellt, der seinem Schüler bei der Berufswahl zur Seite stehen, ihn motivieren und unterstützen soll. Das Bildungsinstitut Konzept AG hatte in den Anfangsjahren dazu noch (kostenlos) professionelle Nachhilfe in den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik angeboten, inzwischen macht das eine private Initiative. Denn die Jobbrücke hat mit der jetzigen OPS-Gemeinschaftsschule zwischenzeitlich eine Bildungspatenschaft abgeschlossen, sodass die Lehrkräfte der Konzept AG direkt in den Unterricht integriert werden konnten.

„Unsere Paten sind das Herzstück der Jobbrücke“, erklärte der jetzige Vorsitzende Dr. Wolfgang Sielaff. Und so ist es auch.

Allerdings wurde die Suche nach frischen Ehrenamtlichen mit den Jahren immer schwieriger, sodass auch für die inzwischen elf Staffeln (Jahrgänge) immer wieder Mehrfachpaten rekrutiert werden müssen. So kommt es, dass die insgesamt 233 abgeschlossenen Patenschaften von „nur“ 127 Paten geleistet worden sind. Oder anders ausgedrückt: Bis zu sieben- oder fünfmal haben solche Mehrfachpatinnen und -paten diesen Dienst an der Allgemeinheit geleistet.

Und dabei sind die 25 aktuellen Paten noch nicht einmal mitgerechnet. Deshalb ist es inzwischen auch gute Sitte geworden, dass sich die Stadtverwaltung Freiberg im Rahmen ihres „Bürgertags“ bei den Mehrfachpaten für ihren Einsatz bedankt.

Erfolgsqute: 85 Prozent

Aber auch die Schülerbilanz kann sich sehen lassen, obwohl einige der Probanden ihre Patenschaften auch zwischendurch aufgekündigt haben.

Dennoch  haben rund 85 Prozent der Schüler das Patenprojekt mit Erfolg bestanden: 44 Prozent fanden umgehend einen Ausbildungsplatz bekommen und 41 Prozent strebten einen höheren Bildungsabschluss in den Berufsschulen des Landkreises Ludwigsburg oder an einer anderen Schule an.

Ehrung für Max Roßkopf

Als „spiritus rector“ der Jobbrücke ist natürlich deren Gründer Max Roßkopf zu Ehren gekommen:  Zum einen hat ihn im Vorjahr sein Verein Jobbrücke zum Ehrenmitglied ernannt. Bereits vor zwei Jahren hat er vom Freiberger Bürgermeister Dirk Schaible für seinen Einsatz schon den „Freiberger Dank“ in Empfang nehmen dürfen.

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