Netzausbau Schnelles Internet für alle bis 2030

Leerrohre für Glasfaserkabel werden in einen Verlegeschacht eingeführt. Damit wird die Voraussetzung für schnelles Internet im Gigabit-Bereich geschaffen.
Leerrohre für Glasfaserkabel werden in einen Verlegeschacht eingeführt. Damit wird die Voraussetzung für schnelles Internet im Gigabit-Bereich geschaffen. © Foto: Marijan Murat
bz 03.07.2018

Mit der Unterzeichnung einer sogenannten Absichtserklärung an diesem Montag haben die Deutsche Telekom und die Region Stuttgart einen „Meilenstein für die weitere Digitalisierung am Hochtechnologiestandort“ gelegt. Das meint zumindest Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart.

Tatsächlich wird mit der Vereinbarung konkreter, was von Wirtschaftsverbänden, Kommunen und Landkreisen seit Jahren gefordert wird: ein Plan für den raschen Ausbau des schnellen Internets in der Region.

Nach der jetzt getroffenen Vereinbarung wird die Deutsche Telekom bis zu 1,1 Milliarden Euro investieren, um den Glasfaserausbau in der Landeshauptstadt und den fünf umliegenden Landkreisen, darunter Ludwigsburg, voranzutreiben. Weitere 500 Millionen Euro schießt die Region zu. Dieser Anteil kann aber auch in Sachleistungen abgegolten werden, wenn etwa die Infrastruktur in Form von Leerkabeln bereits vorhanden ist.

Spatenstich Anfang 2019

Gemeinsames Ziel beider Partner ist es, bis 2022 90 Prozent der Unternehmensstandorte in Gewerbegebieten mit einem Glasfaseranschluss bis ins Haus („Fiber to the Home/FTTH“) zu versorgen. 2025 sollen jeder zweite Haushalt sowie alle Gewerbegebiete und alle förderfähigen Schulen mit Glasfaser bis ins Gebäude angeschlossen sein. 90 Prozent der insgesamt rund 1,38 Millionen Haushalte sollen schließlich bis 2030 von Gigabit-Anschlüssen profitieren. Bis 2030 sollen zudem alle rund 140 000 Unternehmensstandorte und Betriebe versorgt sein.

Wo mit dem Gigabit-Netzausbau begonnen wird, steht noch nicht fest. Details über die zu treffenden Bau- und Installationsmaßnahmen lägen noch nicht vor, heißt es. Dazu müssen Details ausgehandelt und Verträge in allen betroffenen Landkreisen unterschrieben werden. Die entsprechende Bürgermeisterversammlung im Landkreis Ludwigsburg ist für den 12. Juli angesetzt. Sind alle Landkreise abgearbeitet, soll die Zusammenarbeit inhaltlich ausgearbeitet und bis Ende dieses Jahres vertraglich fixiert werden.

Schon Anfang 2019 ist der Spatenstich geplant. Damit der Ausbau auch reibungslos verläuft, gründet die Region eine Breitband-Service-Gesellschaft sowie Kreisorganisationen in jedem Landkreis. „Sobald der Vertrag unterschrieben ist, werden wir loslegen. Wir wollen möglichst schnell möglichst viele Menschen, Schulen und Unternehmen ans Glasfasernetz anschließen. Das Projekt ist langfristig angelegt, aber die Erfolge werden für viele schon kurzfristig spürbar. Monat für Monat, Jahr für Jahr. Dabei zählen wir auf die Unterstützung der 179 Kommunen in der Region“, sagte Telekom-Vorstand Dr. Dirk Wössner.

Die Telekom will in dem Zusammenhang nicht nur unter der Erde investieren. Wie bei einer Pressekonferenz am Montag darüber hinaus verlautete, solle auch das mobile Netz besser werden. Die LTE-Abdeckung soll auf 98 Prozent gesteigert werden. Zudem wird die Region als eine der ersten in Deutschland ein 5G-Netz erhalten.

Vor Ort kam die Nachricht aus Stuttgart gut an. Kirchheims Bürgermeister Uwe Seibold zeigte sich zufrieden mit der Erklärung, auch wenn die Telekom sicher spät reagiert habe. Das führte  er gegenüber der BZ aber auch auf den Druck zurück, die die Kommunen und der Landkreis gemacht hätten, als sie das eigene Backbone-Netz ankündigten.

Die Reaktion aus dem Landratsamt fiel etwas verhaltener aus. Landrat Dr. Rainer Haas sieht mit der Absichtserklärung der Telekom den Glasfaserausbau offenbar noch nicht in trockenen Tüchern. „Wir sind auf alle Eventualitäten und Entwicklungen vorbereitet“, ließ der Landrat verlauten und meinte damit, dass sich Ludwigsburg mit anderen Kreisen in der Region noch nicht von den eigenen Ausbauplänen verabschieden werde.

Haas verwies in einer Mitteilung darauf, dass die Rahmenbedingungen für eine Kooperation noch ausgehandelt werden müssen. Bei der Entwicklung eines Zweckverbands Breitband sei Wert darauf gelegt worden, selbst bei einem hoffentlich nicht eintretenden Scheitern der Kooperation mit der Telekom handlungsfähig zu bleiben. Der Zweckverband habe dann die Möglichkeit, das Betreibermodell oder ein Deckungslückenmodell mit anderen Kooperationspartnern umzusetzen.

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