Einmal im Leben selbst Gin brennen, das war lange Jahre nur ein Traum der beiden Freunde Alessandro De Angelis (links im Bild) und Florian Litzl (rechts) aus Markgröningen. Seit Juli diesen Jahres aber gibt es ihn: „Gin Spes Nostra Es“, produziert nach ihrem eigenen Rezept.

„Angefangen hat alles damit, dass wir in unserem Freundeskreis die Einzigen waren, die gerne Gin tranken“, sagt Litzl. Vor gut drei Jahren begannen sie die Tradition, sich immer mal wieder zu treffen und verschiedene Gins auszuprobieren. De Angelis hatte schnell die Idee, daraus einen Blog zu machen, indem sie festhielten, wie die Gins schmecken und welches Tonic Water dazu passt. „Wir wollten damit die Leute einfach nur an unserem Abend teilhaben lassen“, sagt Florian Litzl oder Whugga, wie er im Blog heißt. „Mittlerweile sind wir dazu übergegangen, kleine Geschichten zu den Gins zu schreiben“, erklärt (Don) De Angelis, „ein Gin hat uns zum Beispiel an Apfelbonbons erinnert, die wir aus den 1990er-Jahren kennen.“ Schon gab es einen Blog-Eintrag über die 1990er-Jahre mit Vengaboys und eben besagtem Gin.

Mehr als 250 Gins getestet

Da die beiden 35-Jährigen mit ihrem Blog und dazugehörigem Social-Media-Auftritt recht erfolgreich waren, entstand bald ein Unternehmen daraus. Die Markgröninger bieten Gin-Tastings an, kommen beispielsweise zu Firmen- oder privaten Veranstaltungen. Über die Jahre haben De Angelis und Litzl mehr als 250 Gins aus der ganzen Welt getestet. „Wir haben festgestellt, dass uns beiden davon vielleicht 15 wirklich geschmeckt haben“, erklärt Litzl, wie es zum eigenen Gin kam. Denn die Geschmäcker der beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Alessandro De Angelis eher klassischen London Dry Gin mag, darf es bei Florian Litzl auch mal süßer und experimenteller sein. Geschmack, Name, Logo, Etikett – über all das machten sich die beiden Markgröninger Gedanken. Doch sie legten die Ideen in einer gedanklichen Schublade ab. Zu teuer schien der Traum vom eigenen Gin. Bis ihnen Florian Rabanser im Oktober 2017 schrieb. Ihm gehört die „Distilleria Zu Plun“ in Südtirol. Litzl und De Angelis hatten in ihrem Blog über einen seiner Gins geschrieben und er lud sie ein, sie durch seine Destillerie zu führen. „Hier wurden die Gespräche schon recht konkret und wir fragten auch, was es kosten würde, bei ihm Gin zu brennen“, erinnert sich Litzl. 35 000 bis 40 000 Euro würde jedoch eine Charge von 1000 Flaschen kosten. Darin sei alles enthalten, Grafiker, Brennen, Abfüllen. Doch für den IT-ler De Angelis und Litzl, der in der Gastronomie arbeitet, zu viel Geld – bis März 2018.

Da die beiden nach dem Credo zusammenarbeiten, beide müssen vom Produkt überzeugt sein, lag weiterhin viel Arbeit vor ihnen. Allen voran bei der Namensfindung. „Wir haben dann einen Gin getestet, bei dem auf dem Deckel die Manschettenknöpfe der Schweizer Armee sind.“ Auf diesen steht: „Deus Spes Nostra Es“. „Ich fand das toll, Gott ist unsere Hoffnung. Also machten wir ‚Gin Spes Nostra Es’ daraus.“ Das Etikett ziert neben dem Namen noch ein Engel und Florian Litzl erklärt, warum: „Mit seinem Nachnamen, Engel, und der Bedeutung meines Vornamens, Blüte, haben wir den Hauptbestandteil unseres Gins, die Engelswurzel oder auch Angelikawurzel bestimmt. Da passt der Engel. Eine Zitrusnote sollte ebenfalls zu schmecken sein.“

15 Komponenten

Welche weiteren Bestandteile in ihrem Gin enthalten sind, ist Betriebsgeheimnis. Denn die Bestandteile, der Anteil und die Herstellung machen beim Gin den Geschmack aus. 15 Komponenten sind es insgesamt und es ist ein London Dry Gin (siehe Infokasten). Das Rezept entwickelten die beiden gemeinsam mit Florian Rabanser. Das sei bei anderen Brennern nicht üblich, sagen De Angelis und Litzl, die auch Brennereien in der Umgebung angefragt haben. „Da müssten wir aber den Gin ansetzen“, erklären die beiden. „In Südtirol haben wir tröpfchenweise unseren Gin entwickelt“, sagt Florian Litzl über die Zusammenarbeit.

Zunächst bestellten sie nur 200 Flaschen. Die waren innerhalb weniger Wochen vergriffen und die Einnahmen wurden in eine neue Charge von 200 Flaschen reinvestiert. Die dritte ist bereits in Planung. Noch ist das Ganze ein Keller-Geschäft. In ihren Kellern und in denen der Familie werden die Flaschen gelagert. Auf dem Wohnzimmertisch wird der Engel in die Deckel gebrannt, das Etikett auf die Flasche geklebt und von Hand die Flaschennummer und aus welcher Produktion sie stammt, geschrieben. „Ohne unsere Frauen und Familien geht das nicht“, sagen sie. Noch steht das Unternehmen als Nebenverdienst am Anfang. Doch an Ideen mangelt es den beiden 35-Jährigen nicht. Zum Schäferlauf 2020 wollen sie eine besondere Edition herausbringen, ein professioneller Online-Shop ist geplant und ein Weihnachts-Gin. „Wir wollen den Menschen einfach die coole Welt des Gins zeigen“, fassen sie es zusammen.

Info „Gin Spes Nostra Es“ ist ein 42 prozentiger London Dry Gin. Eine Flasche kostet 45 Euro und gibt es derzeit nur online über die Blog-Seite zu kaufen.

www.ginseidank.de

Die Kunst des Gin-Brennens


Den Alkohol für die Herstellung von Gin wird meist aus Getreide und Melasse gebrannt. Seinen charakteristischen Geschmack erhält er aus der Aromatisierung mit Gewürzen – vor allem Wacholderbeeren und Koriander.

London Dry Gin ist eine Kategorie, in die Gin eingeordnet wird, mit bestimmten Regeln für Destillation und Zutaten. Also eine Art Reinheitsgebot. Es heißt also nicht, dass der Gin aus London stammt. Eigenschaften sind unter anderem dominantes Wacholderaroma und keine Zugabe von Farbstoffen und Zucker. rwe