Ludwigsburg ist die Stein gewordene Vision eines Herzogs – und seines Baumeisters. Binnen weniger Jahre haben Eberhard Ludwig (1676 bis 1733) und Donato Giuseppe Frisoni (1683 bis 1735) eine ebenso spektakuläre wie kostspielige Bautätigkeit entfaltet, die den Staatshaushalt des Herzogtums Württemberg mehrfach an den Rand des Ruins führte. In diesem Jahr wird das Jagdschloss Favorite 300 Jahre alt.

Wenn es um das Bauen geht, war Eberhard Ludwig ganz Kind seiner Zeit, ganz absolutistischer Potentat: Kein Fürst des Barocks, der sich nicht durch die monumentale Macht des von ihm Erbauten verewigt wissen wollte, der sich nicht im Glanz spektakulär zur Schau gestellten Reichtums zu sonnen wünschte, der auf die Prachtentfaltung durch Kunst und Kunsthandwerk verzichten mochte. Macht entsteht im Barock durch Inszenierung. Bauten von großer Schönheit bezeugen den Untertanen den Absolutheitsanspruch der von Gott über ihn gestellten Autorität – und den Fürsten und Königen von auswärts die potenzielle Wehrhaftigkeit des Gastgebers. Fassaden der Pracht sind immer auch Fassaden der Macht.

Versailles als Vorbild

Zur Inszenierung dieser barocken Theatralik gehören nach dem Vorbild von Versailles neben den spektakulären Schlossbauten auch Porzellanmanufakturen, weitläufige französische Gartenanlagen, in denen schäferidyllische Landhäuser und kunstvolle Wasserspiele geschaffen werden, eigene Opern- und Theaterhäuser sowie regelmäßig Jagden, Feuerwerke und wochenlange Feste.

Wie alle deutschen Fürsten des frühen 18. Jahrhunderts eifert auch Eberhard Ludwig hierin dem französischen Vorbild nach. Schloss Favorite ist dafür einer der vielen sichtbaren Belege. Im März 1715 wird der eben ins Amt des leitenden Architekten für Schloss- und Stadtbau berufene Frisoni mit der Erbauung des noch von Joseph Friedrich Nette geplanten Schlosses Favorite beauftragt. Im Juli des gleichen Jahres legt er Herzog Eberhard Ludwig den überarbeiteten Entwurf und Kostenvoranschläge für die Ausführung vor. Auch Jagd- und Lustschlösser sind im 18. Jahrhundert unabdingbarer Bestandteil fürstlichen Baurepertoires.

Jagd und Geselligkeit

Sie dienen (neben ihrer eigentlichen Bestimmung: dem Aufenthalt zur Jagd) der Repräsentation ebenso wie der Geselligkeit, bieten den in der erstarrten Etikette gefangenen Mitgliedern des Hofs einen Raum, in welchem sie sich ungezwungen und frei bewegen und begegnen können. Konkreter Anlass für den Bau von Schloss Favorite ist der Umstand, dass der Herzog das Residenzschloss 1718 zum Regierungssitz macht, also seinen Hof von Stuttgart nach Ludwigsburg verlegt.

Für die Unterbringung des Hofstaats müssen nun alle Räume, die für eine fürstliche Hofhaltung notwendig sind, neu belegt oder erst erbaut werden: Kavalierbauten, Verwaltungsbauten, Gesinde-, Lager- und Küchengebäude, Theater, Oper, Ahnen- und Bildergalerien und schließlich 1725 das neue Corps de Logis, das die Dreiflügelanlage des Residenzschlosses nach Süden abschließt.

Für einen ungezwungenen Rückzug ins Private bleibt bei einer solchen Belegung kaum Raum, also wird auf dem Gelände des ehemaligen Fasanengartens Schloss Favorite errichtet. Die vielgestaltige Bauform des Schlosses, die Frisoni für seinen Herzog entwirft, bestehend aus einem Mittelbau mit Aussichtsplattform, den rahmenden Ecktürmen, der weit ausladenden Freitreppe und den vier seitlichen Pavillons, bildet einen effektvollen Belvedere auf das gegenüber gelegene alte Corps de Logis. „Der gemeine Mann, welcher bloß an den Sinnen hanget und die Vernunft wenig gebrauchen kann, vermag nicht zu begreifen, was die Majestät des Königs ist: aber durch die Dinge, so in die Augen fallen und seine übrigen Sinnen rühren, bekommt er einen klaren Begriff von seiner Majestät“, erläutert der Aufklärungsphilosoph Christian Wolff 1721 den Sinn der Prachtentfaltung. Schönheit, Prunk und Pracht sind also weit mehr als nur Glamour: Die Sichtbarkeit der Macht ist im Barock die Voraussetzung für die Rechtmäßigkeit des fürstlichen Herrschaftsanspruchs.