BZ-Aktion Schleichend auf die Schattenseite des Lebens

Frau L / bz 17.12.2018

Sie hatte sich ihren Lebensabend so schön ausgemalt. Frau L. ist 68 Jahre alt.Mit ihrem Mann in der gemütlichen Wohnung sitzen. Spaziergänge machen. Den Hund ausführen. Ein gutes Buch lesen. Doch es kam ganz anders. Ihr Mann starb vor 13 Jahren völlig unerwartet an einem Herzinfarkt. Da war er Mitte 50. Das hat sie zum ersten Mal aus der Bahn geworfen. „Er war mein Mittelpunkt im Leben“, erzählt sie im Beratungsgespräch. Sie sitzt Michael Marek gegenüber, dieser ist seit nunmehr 20 Jahren Geschäftsführer und Sozialarbeiter der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen.

„Ich bin zu ihm gekommen, weil er mir damals sehr geholfen hat“, erzählt Frau L. weiter. Das war bis dahin meine größte Lebenskrise und ich wusste nicht wie es weitergeht. Dass ich jetzt noch einmal Hilfe brauche, hätte ich nicht gedacht und der Weg hierher fiel mir sehr schwer.“ Nachdem Frau L. sich vor über zehn Jahren wieder stabilisiert hatte, lebte sie alleine. Die Witwenrente ihres Mannes reichte gerade so zum Leben. „Bescheiden, aber gut. Urlaub gab es nie. Aber ich war zufrieden“, erzählt sie. Doch die Rente stieg nicht in dem Maße, wie die Lebenshaltungskosten. Vor allem die Miete wurde teurer. Die Haushaltslücke wurde langsam immer größer.

Den Einstieg in die Arbeit schaffte Frau L. aufgrund einer eigenen chronischen Erkrankung nicht mehr. Als ihr das Geld nicht mehr reichte, sammelte sie heimlich Flaschen und glich damit ihr Loch im Haushaltsbudget aus. „Aber Flaschensammeln wird nicht gern gesehen und mir war das immer peinlich, wenn man mich mal gesehen hat“, berichtet sie niedergeschlagen. Als sie dann den Strom nicht mehr bezahlen konnte und dieser abgestellt wurde, suchte sie Hilfe bei der Diakonie. „So verläuft häufig der Weg in die Altersarmut“, erklärt Michael Marek. „Die Zahl der Betroffenen steigt rascher an als wir erwartet hatten. Leider kommen die Hilfesuchenden, gerade ältere Menschen, häufig erst in letzter Minute.“

Und durch den großen Niedriglohnsektor wird in den kommenden Jahrzehnten eine dramatische Situation entstehen, wenn sich nicht grundlegend etwas ändert. „Wer soll das dann noch auffangen?“, bewertet er die gesellschaftliche Lage. „Das Problem der Altersarmut ist, dass die Betroffenen keine Möglichkeit mehr haben, ihre Einkommenssituation zu verbessern. Sie müssen auskommen mit dem was sie haben. Wenn das nicht mehr funktioniert, verzweifeln viele.“ Die BZ-Aktion Menschen in Not hilft, wenn ausweglose Situationen entstehen. „Wir sind sehr froh, wenn wir unbürokratisch helfen können“, sagt Diakonin Andrea Magenau, die auch zum Team der Diakonischen Bezirksstelle gehört. „Durch die Weihnachtsaktion der BZ können wir da helfen, wo andere Hilfesysteme versagen oder nicht greifen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn einen Schicksalsschläge treffen und es schnell gehen muss, zum Beispiel in einem Todesfall, Krankheit oder Unfall.“

Frau L. hat wieder Strom. Nach einer Haushaltsberatung wurde mit ihr zusammen Wohngeld beantragt. Nun kommt sie wieder über die Runden. In über 100 Fällen konnte so im letzten Jahr geholfen und Not gelindert werden.

„Wir sind unglaublich dankbar für die Unterstützung durch die BZ-Aktion Menschen in Not. Ohne die Hilfe der vielen Leser, all der Spender, könnten wir nicht in dieser Art helfen. Und wir sind froh, dass wir alle Spenden ohne Abzug für die Betroffenen einsetzen können“, sagt Geschäftsführer Michael Marek.

www.diakonie-vaihingen.de

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